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Pfefferkuchenhaus - Kriminalroman

Pfefferkuchenhaus - Kriminalroman

Titel: Pfefferkuchenhaus - Kriminalroman
Autoren: Carin Gerhardsen
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hinteren Ende des braunen Sofas konnte sie ein paar Füße sehen. Es war jedoch unmöglich zu erkennen, zu wem diese Füße gehörten. Sie flüsterte einem der Polizisten zu, dass er Sjöberg informieren solle. Im selben Augenblick entdeckte Hamad das halb ausgetrunkene Glas und die Portweinflasche auf der kleinen Sitzbank.
    Sjöberg stieg inzwischen die Stufen zur Haustür hinauf und klopfte vorsichtig an die Tür. Westman konnte aus ihrer Position am Wohnzimmerfenster beobachten, dass die Füße bei dem unerwarteten Geräusch zusammenzuckten. Sie glaubte auch, erkennen zu können, dass sie gefesselt waren. Hamad ließ seine Kollegin los, und Westman landete mit einem leisen Geräusch im feuchten Gras. Sofort rannte sie um die Hausecke herum zur Haustür.
    »Ich glaube, sie ist gefesselt«, flüsterte sie aufgeregt in Sjöbergs Ohr.
    »Wir gehen jetzt rein«, erklärte Sjöberg leise der gesamten Polizeitruppe, die sich vor der Haustür versammelt hatte. »Ihr zwei geht nach links, ihr beiden nach rechts, ihr nach oben, und ihr da geht in den Keller. Du hältst hier draußen die Stellung. Mit gezogenen Waffen, verstanden?«
    Die Polizisten nickten zur Antwort und zogen ihre Pistolen aus dem Holster. Sjöberg trat vor die Haustür, während die anderen Polizisten ein paar Schritte zur Seite gingen. Er holte tief Luft und drückte den Türgriff hinunter. Die Tür flog auf, und die Polizisten stürmten ins Haus. Sjöberg rannte sofort ins Wohnzimmer, und tatsächlich – dort lag Ingrid Johansson, an Händen und Füßen gefesselt, und starrte sie mit panisch aufgerissenen Augen an.
    »Wie geht es Ihnen?«, fragte Sjöberg, während er sich neben dem Sofa, auf dem die Frau lag, auf den Teppich kniete.
    »Sie ist nach draußen gegangen«, sagte Ingrid Johansson mit schwacher Stimme. »Es kann nicht länger als eine Viertelstunde her sein.«
    »Wie sieht sie aus?«
    »Lange blonde Haare und ein marineblauer Mantel.«
    »Kümmere dich um Frau Johansson«, wies Sjöberg eine der jungen Streifenpolizistinnen an, die zusammen mit ihm in das Wohnzimmer gestürmt war.
    Er selbst eilte in die Diele und rief seine Leute zusammen.
    »Sie ist irgendwo da draußen«, sagte er ernst. »Sie war zufällig draußen, als wir kamen, da hatten wir ziemliches Pech, aber jetzt holen wir sie uns. Sie hat lange blonde Haare und trägt einen marineblauen Mantel. Wir setzen den Hund auf sie an.«
    »Warte«, sagte Hamad. »Da hinten um die Ecke steht eine kleine Sitzbank, auf der ein Glas und eine Flasche Sherry oder Portwein oder so was stehen. Lass den Hund zuerst da ran.«
    »Gut. Zeig es dem Hundeführer«, sagte Sjöberg und gab den Polizisten das Startzeichen für die Suche.
    Ein paar Sekunden lang beschnüffelte die große Schäferhündin neugierig das Glas, bevor sie ungeduldig an der Leine zu zerren begann. Sie lief zu der Lücke in der Hecke hinüber und schlüpfte rasch hindurch. Der Hundeführer hatte erhebliche Schwierigkeiten, ihr zu folgen, ohne die Leine aus den Händen zu verlieren, und auch die übrigen Polizisten taten sich kaum leichter. Als alle Beamten auf der anderen Seite der Hecke standen, waren der Hund und sein Herrchen schon fast nicht mehr zu sehen.
    Die Jagd führte sie durch ein Dutzend Gärten, bis sie sich schließlich unten an der Hauptstraße wiederfanden. Es ging weiter über die Straße, über einen Zaun und in ein kleines Waldstück, in dem die Frau eine Weile herumgeirrt zu sein schien, bevor sie sich wieder für eine bestimmte Richtung entschieden hatte.
    Es ging zurück in die Siedlung, und dort glaubten sie kurz, sie zu sehen, doch es war eine andere blonde Frau, die mit ihrem Kinderwagen spazieren ging und verblüfft den vorbeistürmenden Polizisten hinterherschaute. Die Einfamilienhäuser wichen heruntergekommenen Mietskasernen. Sie stürmten weiter durch die Straßen, quer über einen Kinderspielplatz, und Sjöberg merkte, dass er nicht mehr der Jüngste war. Er überlegte, ob er nicht lieber aufgeben und den jüngeren, besser trainierten Polizisten die Verfolgung überlassen sollte, aber als er den kräftigen Sandén in seinem dicken Mantel und den unbequemen Halbschuhen an den Füßen fünfzig Meter vor sich ausmachte, änderte er seine Meinung.
    Nach einer Weile befanden sie sich auf einer Parallelstraße zum Nynäsvägen, die auf den ersten Blick so aussah, als handelte es sich um eine Auffahrt auf die mehrspurige, verkehrsreiche Ausfallstraße. Als er gut hundert Meter auf der schmalen Straße

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