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Pfefferkuchenhaus - Kriminalroman

Pfefferkuchenhaus - Kriminalroman

Titel: Pfefferkuchenhaus - Kriminalroman
Autoren: Carin Gerhardsen
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Entdeckung hatte ihr den Mut gegeben, um an ihrer Tür zu klingeln, den Mut, Tante Ingrid zu fragen, ob sie ihre Freundin werden wolle. Aber da war es schon zu spät gewesen. Die alte Lehrerin war nicht mehr da gewesen, und alles war durcheinandergeraten.
    Das Haus hatte bereits wochenlang leer gestanden, bevor sie es gewagt hatte, Hans dorthin zu locken. Sie hatte geplant, sie sich in der Reihenfolge vorzuknöpfen, die dem Grad entsprach, in dem sie es ihrer Meinung nach verdient hatten. Jetzt stellte sich heraus, dass Tante Ingrid die Schlimmste von allen war, egal, aus welchem Winkel man es betrachtete. Sie war ein erwachsener Mensch gewesen, und sie hatte die Verantwortung für sie alle getragen. Trotzdem hatte sie einfach nur danebengestanden und zugesehen, wie die Kinder ihren Körper und ihren Geist zerstört hatten, ihr die Kindheit, das Leben, alles genommen hatten. Sie hatte Katarinas Hilferufe ignoriert. Also war Tante Ingrid auch auf der Liste gelandet. Sie stand dadurch zwar an letzter Stelle, aber das passte umso besser, denn nun, da sie mit dem Rest schon fertig war, konnte sie sich richtig Zeit lassen und all die Kenntnisse, die sie sich inzwischen angeeignet hatte, richtig ausspielen.
    *
    Was machten die Sirenen? Sie hörte nichts mehr, vielleicht hatte sie sich alles auch nur eingebildet. Sicherheitshalber schraubte sie die Flasche zu und stellte ihr Glas auf der Bank ab, bevor sie zu der hohen Hecke hinüberschlich, die die Grenze zum Nachbarn weiter unten an der Straße markierte. Die Hecke war dicht, aber unten, dicht über dem Rasen, gab es eine Lücke zwischen den Zweigen, durch die sie schlüpfen konnte, wenn es nötig werden würde.
    Sie hatte schon eine ganze Weile startbereit an der Hecke gestanden, bevor sie sich wieder entspannte. Gerade als sie zu der Bank und der Portweinflasche zurückkehren wollte, glaubte sie, etwas zu hören. Sie hielt ein paar Sekunden inne und versuchte, den Ursprung des Geräusches zu identifizieren. Es war kein Automotor und auch keine menschliche Stimme – oder war es vielleicht doch genau das? Flüsterte dort nicht jemand? Das Geräusch kam näher. Nun war sie sicher, dass es sich um flüsternde Stimmen und schleichende Schritte handelte, die sich über den Asphalt der Straße näherten. Sie kamen hierher. Was hatten sie vor? Wusste die Polizei, was im Haus passierte? Wie um alles in der Welt hatten sie es herausgefunden?
    Es spielte keine Rolle. Selbst wenn sie von Ingrid Johansson erfahren würden, wer sie war, erwischen würden sie sie niemals. Nun, sie musste Tante Ingrid wohl ihrem Schicksal überlassen, aber die alte Vorschullehrerin hatte eine ordentliche Lektion erteilt bekommen, und das war auch nicht schlecht. Katarina wusste, dass sie einen beachtlichen Vorsprung haben würde. Sie drängte sich durch die widerspenstige Hecke und verschwand über den Rasen des Nachbargrundstücks in der Dunkelheit.
    *
    Hamads Auto war das erste in der Reihe der Polizeiwagen, die sich Ingrid Johanssons Haus in Enskede näherten. Nachdem er den Nynäsvägen verlassen hatte, stellte er den Wagen mit laufendem Motor und eingeschaltetem Blaulicht an die Bordsteinkante und wartete. Innerhalb weniger Minuten hatten die anderen ihn eingeholt und rollten im Konvoi in das Wohngebiet. Sie parkten in einer langen Reihe an der Hauptstraße der Siedlung, direkt am Ausgang des Åkerbärsvägen. Die Polizisten stiegen gerade aus ihren Autos, als Westman in ihrem eigenen Wagen eintraf. Sie versammelten sich in einem großen Kreis um Sjöberg, der hastig die Vorgehensweise erläuterte. Anschließend bewegten sie sich geschlossen und zügig auf die Hausnummer 31 zu.
    Nachdem sie das Nachbargrundstück erreicht hatten, schlichen sie sich, so leise es eben ging, an das Tor heran. Ingrid Johanssons Garten lag still und verlassen da. Hinter ein paar Fenstern brannte Licht, aber von der Straße aus waren keine Aktivitäten im Haus zu erkennen. Ein Polizist nach dem anderen kletterte geschmeidig über das hohe Tor und wieder hinunter auf den Rasen neben dem Kiesweg. Sjöberg gab leise Befehle, und die Polizisten teilten sich in Gruppen auf und schlichen zur Giebelseite des Hauses, um sich ein Bild davon zu machen, was im Inneren vor sich ging.
    Das Fundament des Hauses lag ein gutes Stück oberhalb des Straßenniveaus, was es schwierig machte, in die Fenster hineinzuschauen, aber Hamad hob Westman hoch, die ins Wohnzimmer spähte. Sie konnte keine Bewegungen in dem Zimmer ausmachen. Aber am

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