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Pfefferkuchenhaus - Kriminalroman

Pfefferkuchenhaus - Kriminalroman

Titel: Pfefferkuchenhaus - Kriminalroman
Autoren: Carin Gerhardsen
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Besprechungen saß er meistens als Zuhörer dabei und überließ es Sjöberg, die Ermittlungen zu führen. Nur selten vertrat er eine andere Auffassung, wobei sie auch dann am Ende stets wieder zu einer gemeinsamen Linie zurückfanden. Wenn sie Hadar Rosén mit seiner großen, Verantwortung und Autorität ausstrahlenden Gestalt gegenüberstand, kam sie sich vor wie ein kleines Schulmädchen. Nur wenige Menschen entfalteten eine solche Wirkung auf Petra Westman, und sie mochte es nicht. Doch sie wusste, dass er ihre Zukunft in seinen Händen hielt. Nur sehr widerwillig klopfte sie an die Tür des Staatsanwalts.
    »Ja!«, brummte es durch die Tür, und Petra wusste nicht, ob sie ihren Namen nennen oder gleich eintreten sollte.
    Nach kurzer Überlegung entschied sie sich für Letzteres. Rosén saß vor seinem Computer und schrieb. Als sie eintrat, schaute er nicht zu ihr auf. Petra überlegte, dass es in dieser Situation wohl angemessen wäre, sich in einen der Besucherstühle zu setzen und artig zu warten, bis der Staatsanwalt mit dem fertig war, was er gerade tat.
    Als er schließlich zu ihr herüberschaute, verriet seine Miene absolut nichts. Er stand auf, kam auf ihre Seite des Tisches herüber und schaute ein paar Sekunden schweigend auf sie herunter. Sie hatte sich noch nie zuvor so klein gefühlt. Schließlich ergriff er das Wort:
    »Gestern Nachmittag wurde Peder Fryhk unter dem begründeten Verdacht festgenommen, 1997 eine dreiundzwanzigjährige Frau in Malmö und 2002 eine dreißigjährige Frau in Göteborg vergewaltigt zu haben.«
    Petras Herz machte einen zusätzlichen Schlag.
    »Am Mittwoch kommt er vor den Haftrichter, und der Verdacht wird bis dahin nicht mehr nur als begründet, sondern als dringend gelten. Die DNA -Probe von Fryhk ist mit denen verglichen worden, die man bei diesen beiden Vergewaltigungen sichergestellt hat, und es hat sich gezeigt, dass sie miteinander übereinstimmen.«
    Petra seufzte erleichtert. Der Staatsanwalt fuhr im gleichen geschäftsmäßigen Tonfall fort:
    »Die Polizei hat während der Hausdurchsuchung bei Fryhk eine große Anzahl Videoaufnahmen von anderen Vergewaltigungen sichergestellt. Man hat festgestellt, dass alle diese Vergewaltigungen in seinen eigenen vier Wänden stattgefunden haben.«
    Petra atmete tief ein.
    »Mit Rücksicht auf deine Situation habe ich darauf bestanden, dieses Beweismaterial noch vor der Polizei durchzugehen. Du bist in keinem dieser Filme zu sehen. Was das impliziert, darüber musst du dir selbst Gedanken machen.«
    Bevor sie etwas sagen konnte, klingelte das Telefon in ihrer Hosentasche.
    »Entschuldige«, sagte sie, während sie sich aus ihrem Stuhl erhob.
    Sie zog das Handy aus der Tasche und warf einen Blick auf das Display: »Unbekannte Nummer«.
    »Ich muss rangehen, vielleicht ist es Sjöberg.«
    Der Staatsanwalt nickte und beobachtete sie aufmerksam, während sie sprach. Es war nicht Sjöberg, der anrief, sondern der Kriminaltechniker Håkan Carlberg.
    »Ich dachte mir, dass ich sicherheitshalber auch noch die DNA aus dem zweiten Kondom untersuche«, sagte er in einem Tonfall, den sie von ihm nicht kannte. »Tut mir leid, Petra, aber die war nicht von Peder Fryhk. Und dieses Mal haben wir auch keine Übereinstimmung mit der DNA von irgendeinem früheren Verbrechen gefunden.«
    Petra drückte das Gespräch weg und begegnete Roséns Blick. Wie weit er mitbekommen hatte, was am anderen Ende gesagt worden war, konnte Petra nicht beurteilen, aber sie glaubte, eine besorgte Falte auf seiner Stirn zu sehen. In ihrem eigenen Kopf überstürzten sich die Gedanken.
    Noch bevor einer von ihnen reagieren konnte, klingelte das Telefon erneut. Dieses Mal war es wirklich Sjöberg. Er wies Petra an, sich sofort auf den Weg in den Åkerbärsvägen 31 zu machen.
    *
    Plötzlich zuckte sie zusammen. Waren das nicht Sirenen, was sie gerade gehört hatte? Ganz, ganz leise, in weiter Entfernung, aber dennoch Sirenen? Ihre Reaktion war sowohl unnötig als auch dumm gewesen, das wusste sie, aber man konnte nicht vorsichtig genug sein. Niemand wusste, dass sie hier war, niemand wusste, dass Ingrid Johansson in ihrem eigenen Haus gefangen gehalten wurde. Das Telefon hatte den ganzen Tag über nicht geklingelt, und Tante Ingrid schien auch keine Verwandten oder Freunde zu haben, die plötzlich vorbeikommen konnten. Das hatte sie schon in den Tagen festgestellt, als sie hier vor dem Haus unbemerkt ihre Kreise gezogen und die alte Dame beobachtet hatte. Diese

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