Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Perdido Street Station 02 - Der Weber

Perdido Street Station 02 - Der Weber

Titel: Perdido Street Station 02 - Der Weber
Autoren: China Miéville
Ads
 
KAPITEL 1
     
     
    Rudgutter, Stem-Fulcher und Rescue hielten Kriegsrat im Lemquist Room.
    Sie waren die ganze Nacht auf gewesen. Rudgutter und Stem-Fulcher wirkten müde und gereizt. Sie schlürften große Schalen mit starkem Kaffee, während sie über ihren Papieren brüteten.
    An Rescue schien die durchwachte Nacht spurlos vorübergegangen zu sein. Er zupfte an seinem Schal.
    »Seht euch das an«, sagte Rudgutter und wedelte seinen Subalternen mit einem Blatt Papier vor dem Gesicht herum. »Das ist heute Morgen gekommen. Persönlich überbracht. Ich hatte Gelegenheit, den Inhalt mit den Verfassern zu diskutieren. Es war kein Freundschaftsbesuch.«
    Stem-Fulcher beugte sich vor und griff nach dem Brief, doch Rudgutter übersah ihre ausgestreckte Hand und fing an vorzulesen.
    »Er ist von Josiah Penton, Bartol Sedner und Mashek Ghrashietnichs.« Rescue und Stem-Fulcher hoben die Augenbrauen. Rudgutter nickte vielsagend. »Die Gewaltigen der Arrowhead-Minen, von Sedner’s Bank und Paradox Concerns haben sich die Zeit genommen, gemeinsam einen Brief aufzusetzen. Das lässt mich vermuten, wir können, quasi in unsichtbarer Tinte, eine lange Liste weniger bedeutender Namen darunter setzen, habe ich Recht?« Er strich das Papier glatt. »Die Herren Penton, Sedner und Ghrashietnichs sind ›äußerst besorgt‹, heißt es hier, über ›befremdliche Nachrichten‹, die ihnen zu Ohren gekommen sind. In anderen Worten, sie haben von unserer Krise erfahren.« Er schaute Stem-Fulcher und Rescue an, die einen Blick tauschten. »Sie bleiben ziemlich vage. Man merkt, sie wissen nicht genau, was passiert ist, aber keiner von ihnen hat in letzter Zeit gut geschlafen. Zudem haben sie dar Grimnebulins Namen. Sie wollen wissen, was getan wird, um dieser, ich zitiere: ›dieser Bedrohung für unseren großen Stadtstaat‹ Herr zu werden.« Er legte das Blatt auf den Tisch und rieb sich frustriert, erschöpft, die Augen. Stem-Fulcher zuckte die Schultern und setzte zu einem Kommentar an, doch Rudgutter schnitt ihr das Wort ab.
    »Sie haben Inspektor Tomlins – Sallys - Bericht gelesen. Serachin zufolge, der sich zur Zeit in unserem Gewahrsam erholt, behauptet dar Grimnebulin, den funktionstüchtigen Prototyp einer Art Krisismaschine konstruiert zu haben. Wir alle sind uns im Klaren darüber, was das bedeuten würde. Nun, auch unsere verehrten Geschäftsfreunde haben davon Wind bekommen. Und wie man sich vorstellen kann, haben sie alle – Mr. Penton im Besonderen – den dringenden Wunsch, diese absurde Behauptung so schnell wie möglich ins Reich der Fabel verwiesen zu sehen. Alle Fantasiegeräte, die Mr. dar Grimnebulin eventuell angefertigt hat, um die Gutgläubigen hinters Licht zu führen, sollten, samt und sonders vernichtet werden – so legt man uns nahe.
    Garniert ist der Schrieb mit diskreten Hinweisen auf finanzielle Zuwendungen, die im Lauf der Jahre von ihrer Seite der Regierung und unserer Partei zugeflossen sind. Wir haben unsere Order erhalten, Damen und Herren. Die Absender dieses Briefes sind ganz und gar nicht glücklich über die Gierfalter und möchten, dass solche gefährlichen Kreaturen umgehend unschädlich gemacht werden, aber, nicht verwunderlich, die Vorstellung einer real existierenden Krisismaschine bereitet ihnen erst recht schlaflose Nächte. Nun, wir haben das Lagerhaus gestern Nacht gründlichst durchsucht, und es gab nicht die kleinste Spur einer solchen Maschine. Wir müssen die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass dar Grimnebulin sich geirrt hat oder lügt. Natürlich könnte es auch sein, dass er seine Maschine samt Konstruktionsplänen mitgenommen hat. Mit«, er seufzte tief, »Unterstützung des Webers.«
    Stem-Fulcher meldete sich zu Wort. »Können wir uns schon erklären«, fragte sie behutsam, »was geschehen ist?«
    Rudgutter zuckte schroff die Achseln.
    »Wir haben die Aussagen der Soldaten, die Zeugen der Aktionen des Webers gewesen sind, Kapnellior vorgelegt. Ich meinerseits habe versucht, mich mit dem größenwahnsinnigen Mistvieh in Verbindung zu setzen und erhielt eine kurze, unverständliche Antwort – mit Ruß auf meinen Spiegel geschrieben. Mit Sicherheit kann man nur so viel sagen, dass er der Ansicht gewesen sein muss, es wäre dem Muster des Weltnetzes dienlich, wenn er uns dar Grimnebulin und seine Kumpane vor der Nase wegschnappt. Wir wissen nicht, wohin er sie gebracht hat, oder zu welchem Zweck. Ob er sie am Leben gelassen hat. Eigentlich wissen wir gar nichts. Obwohl

Weitere Kostenlose Bücher

Bisswunden
Bisswunden von Greg Iles
Die Hueter Der Rose
Die Hueter Der Rose von Rebecca Gable
Dr. med. Erika Werner
Dr. med. Erika Werner von Heinz G. Konsalik