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Pendergast 01 - Relic - Museum der Angst

Pendergast 01 - Relic - Museum der Angst

Titel: Pendergast 01 - Relic - Museum der Angst
Autoren: Lincoln Douglas & Child Preston , Lincoln Child
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    Einleitung
    1
    Im Amazonasbecken, September 1986
    A ls am Mittag die Wolken um den Gipfel des Cerro Gordo aufrissen und verschwanden, konnte Whittlesey hoch über sich sehen, wie das Sonnenlicht den Blätterkronen des Urwalds eine goldene Färbung verlieh. Irgendwelche Tiere – vermutlich Klammeraffen – tobten und schrien über seinem Kopf, und ein Makao flatterte obszön kreischend herab.
    Whittlesey blieb neben einem umgestürzten Jaranda-Baum stehen und wartete, bis Carlos, sein schwitzender Helfer, zu ihm aufschloß.
    »Hier halten wir«, sagte Whittlesey auf spanisch. »
Baja la caja.
Setz die Kiste ab.«
    Whittlesey ließ sich auf dem Stamm des umgestürzten Baumes nieder und zog seinen rechten Stiefel und Socken aus. Dann zündete er eine Zigarette an und machte sich mit der Glut über die vielen kleinen Zecken her, die ihm wie ein dunkler Pelz Schienbein und Knöchel überzogen.
    Carlos stellte ein altes Armeetragegestell ab, auf das umständlich eine hölzerne Kiste gebunden war.
    »Öffne sie bitte«, sagte Whittlesey.
    Carlos löste die Stricke, machte ein paar kleine Messingverschlüsse auf und nahm den Deckel der Kiste ab.
    Innen war sie mit den Fasern einer einheimischen Pflanze gut ausgepolstert. Whittlesey entfernte eine Lage dieses Packmaterials und brachte zwei Gegenstände zum Vorschein, eine kleine, hölzerne Pflanzenpresse und ein in fleckiges Leder gebundenes Tagebuch. Er zögerte einen Augenblick, dann nahm er aus der Tasche seiner Feldjacke eine kleine, aber wunderschön geschnitzte hölzerne Tierfigur. Einen Augenblick lang hielt er das Kunstwerk in der Hand und bewunderte noch einmal, wie meisterhaft gearbeitet und unnatürlich schwer es war. Dann legte er es widerstrebend in die Kiste zurück, bedeckte alles mit den Fasern und befestigte den Deckel.
    Danach holte Whittlesey aus seinem Rucksack ein leeres Blatt Papier, legte es sich auf die Knie und begann mit einem abgewetzten vergoldeten Kugelschreiber, den er aus der Brusttasche seines Hemdes zog, zu schreiben:
    Oberlauf des Xingú
    17 . Sept. 1986
    Montague,
    ich habe mich entschlossen, Carlos mit der letzten Kiste zurückzuschicken und die Suche nach Crocker allein weiterzuführen. Carlos ist vertrauenswürdig, und ich will nicht riskieren, daß die Kiste verlorengeht, falls mir etwas zustoßen sollte. Besonders solltest du die Schamanenrassel und die anderen Ritualobjekte beachten. Sie scheinen einzigartig zu sein. Die kleine Holzfigur aber, die ich in einer verlassenen Hütte hier in der Nähe gefunden habe, ist der Beweis für das, wonach ich gesucht habe. Schau dir bloß die übertrieben großen Krallen an, die reptilischen Merkmale, die Haltung des Tieres, die darauf hindeutet, daß es auf zwei Beinen geht. Die Kothoga existieren, und die Mbwun-Legende scheint keine bloße Erfindung zu sein.
    Alle meine Aufzeichnungen befinden sich in meinem Tagebuch, das darüber hinaus eine umfassende Darstellung der Vorfälle enthält, die zum Auseinanderbrechen dieser Expedition geführt haben, von dem du natürlich schon erfahren haben wirst, wenn diese Zeilen dich erreichen.
    Whittlesey schüttelte den Kopf und dachte an die Szene, die sich am Tag vorher abgespielt hatte. Dieser idiotische Bastard Maxwell! Nur daran interessiert, seine dummen Proben, über die er durch Zufall gestolpert war, so rasch wie möglich zurück ins Museum zu bringen. Whittlesey lachte leise vor sich hin. Uralte Eier, dachte Maxwell. Dabei waren sie nichts weiter als irgendwelche wertlosen Samenkapseln. Maxwell hätte vielleicht eher Paläobiologe als Anthropologe werden sollen. Was für eine Ironie, daß die anderen ihr Zeug eingepackt hatten und gegangen waren, als sie nur wenige Kilometer von
seiner
Entdeckung entfernt gewesen waren.
    Nun, jedenfalls war Maxwell jetzt fort und die anderen ebenfalls. Nur Carlos und Crocker und zwei eingeborene Führer waren bei ihm geblieben. Und jetzt war nur noch Carlos da. Whittlesey wandte sich wieder seinem Schreiben zu.
    Verwende mein Tagebuch und die Kunstgegenstände nach deinem Gutdünken und sieh zu, daß du damit meinen guten Ruf beim Museum wiederherstellen kannst. Vor allem aber kümmere dich um die kleine hölzerne Figur. Ich bin mir sicher, daß sie für die Anthropologie von unschätzbarem Wert sein wird. Wir haben sie gestern durch Zufall gefunden. Sie scheint mir das Herzstück des Mbwun-Kultes zu sein, obwohl nirgendwo in der Nähe der Fundstelle Zeichen von weiteren menschlichen Behausungen zu

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