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Pakt des Bosen

Titel: Pakt des Bosen
Autoren: Gerling V S
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Clifford sie, ob es Beweise dafür gäbe, dass nicht ein einziger afghanischer Bauer lesen könne. Das wurde verneint.
    Daraufhin gab der Präsident den Befehl.
    Es sollten lasergesteuerte zweihundertfünfzig Kilo Bomben auf die Schlafmohnplantagen abgeworfen werden. Infrarot-Sensoren in der Flugzeugspitze würden ein Videobild ins Cockpit liefern. Sobald das Ziel auf dem Schirm erscheint, nimmt es der Waffenoffizier ins Fadenkreuz und peilt es mit einem Laserstrahl an. Einmal ausgelöst, steuert die „smarte“ Bombe exakt auf den Laserpunkt im Ziel zu – wenn es sein muss, auch auf Umwegen, die ihr aus dem Cockpit elektronisch befohlen werden.
    In zwölftausend Metern Höhe würden die Kommandoflugzeuge vom Typ E-3A, besser bekannt unter dem Namen „AWACS“, kreisen. Die Besatzung verfolgt mit einem riesigen Arsenal von Apparaturen sämtliche Bewegungen am Boden und in der Luft, um den weiteren Ablauf des Geschehens zu steuern und zu koordinieren. Zu den AWACS-Aufgaben gehört auch das Überwachen und Stören des gegnerischen Funkverkehrs und der Radaranlagen. Wenn dies über längere Zeit gelingt, ist das Chaos perfekt: Kommandanten verlieren die Verbindungen zum Hauptquartier, Piloten wissen nicht mehr, wo der Gegner ist und, schlimmer noch, wo sie selber sind. Die fliegenden Kommandostationen selbst sind gegen Angriffe gut geschützt – dafür sorgt einmal mehr modernste Elektronik. Diese registriert sofort, wenn das Flugzeug vom gegnerischen Radar erfasst wird und reagiert mit dem Aussenden von Hunderten falscher Echos.
    Kurz bevor die Operation starten sollte, würde der Präsident eine Rede halten, die auch in der arabischen Welt ausgestrahlt werden sollte. Er wollte ankündigen, was geschehen würde. So wollte er vermeiden, dass die Operation falsch interpretiert und gegen Amerika ausgelegt wurde.
    Was er in seiner Rede nicht erwähnen würde, war die Tatsache, dass er vor einigen Tagen mit dem Premierminister der Republik Myanmar gesprochen hatte. Neben Afghanistan war Myanmar ein weiterer bedeutender Produzent von Rohopium. Zwar stammte fast neunzig Prozent des in Europa verfügbaren Heroins aus Afghanistan. Aber durch die Produktion dieser beiden Länder könnte der globale Opiumbedarf nahezu gedeckt werden. In den vergangenen Jahren konnte die Opiumproduktion in Myanmar ungefähr halbiert werden, jedoch würde der Wegfall der afghanischen Produktionsstätten ein Vakuum erzeugen, das jemand bestimmt würde füllen wollen. Daher war es von entscheidender Bedeutung, dass die verbliebenen Schlafmohnplantagen in Myanmar ebenfalls zerstört werden. Der Premierminister der Republik erklärte sich dazu bereit, dem Drogenhandel in seinem Land einen erneuten Schlag zu versetzen. Vor allem, weil die Vereinigten Staaten von Amerika diesen finanzieren würde.
    Es war Josh Laymann, der die Idee hatte, doch gleich zu versuchen, Nägel mit Köpfen zu machen, und auch dem Kokain den Krieg zu erklären. Das hätte auch noch den angenehmen Nebeneffekt, dass Afghanistan nur einer von vielen Schauplätzen wäre. Die Kokapflanze wird fast ausschließlich auf dem südamerikanischen Kontinent angebaut. In den drei Andenstaaten Kolumbien, Peru und Bolivien befinden sich nach wie vor die Hauptanbaugebiete. Also sprach Präsident Clifford auch mit den Staatschefs dieser drei Länder. Es würde die Vereinigten Staaten eine Menge Geld kosten. Aber das Ziel war diese Investition wert.
    Der Grund, warum Clifford die Operationen in Myanmar und Südamerika nicht in seiner Rede erwähnte, war die Tatsache, dass sie unter anderen Bedingungen ablaufen würden. Geheimhaltung war hier oberstes Gebot.
Washington, DC, 06. Oktober, 12.55 Uhr
    Präsident Clifford verfolgte im Situation Room im Keller des West Wing die Bombardierung der Schlafmohnplantagen. In weniger als zehn Minuten war alles vorbei. Sämtliche Kampfjets meldeten, dass die Ziele vernichtet waren.
    Der erste Schritt war gelungen. Nun musste man abwarten, wie es mit der Entwicklung der neuen Vereinigten Islamischen Republik weitergehen würde.

33
    Die „Operation Morgenröte“ war die wohl ehrgeizigste und riskanteste Geheimoperation, die Israel jemals geplant und durchgeführt hatte. Ihr Ziel war es, Agenten des Mossad in die unmittelbare Nähe von Politikern zu bringen, die mit großer Wahrscheinlichkeit in Zukunft einflussreiche

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