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Orchideenhaus

Orchideenhaus

Titel: Orchideenhaus
Autoren: L Riley
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Siam, vor vielen Monden
    In Siam sagt man, wenn ein Mann sich leidenschaftlich und unwiderruflich in eine Frau verliebe, sei er in der Lage, sie für sich zu gewinnen und sie dazu zu bringen, dass er ihr wichtiger sei als alle anderen Männer.
    Es war einmal ein Prinz von Siam, der sich so in eine Frau seltener Schönheit verliebte. Er warb um sie und errang sie, doch wenige Nächte vor der Hochzeit, anlässlich derer landesweite Feiern stattfinden sollten, wurde der Prinz unsicher.
    Er wusste, dass er ihr seine Liebe mit einer eindrucksvollen und heroischen Tat beweisen musste, um sie für alle Zeiten an sich zu binden. Dass er etwas finden musste, das genauso selten und schön war wie sie.
    Nach langem Nachdenken rief er seine drei treuesten Diener zu sich und erklärte ihnen, was sie tun sollten.
    »Ich habe von der Schwarzen Orchidee gehört, die in meinem Reich wächst, hoch oben in den Bergen des Nordens. Die sollt ihr für mich aufspüren und mir in den Palast bringen, damit ich sie meiner Prinzessin an unserem Hochzeitstag schenken kann. Den, der sie findet, mache ich zum reichen Mann. Die beiden, denen es nicht gelingt, werden meine Hochzeit nicht erleben.«
    Die Herzen der drei Männer, die sich vor ihrem Prinzen verneigten, waren voller Angst, denn sie wussten, dass sie dem Tod ins Auge blickten. Die Schwarze Orchidee war eine sagenumwobene Blume. Wie die juwelengeschmückten goldenen Drachen an den Bugen der königlichen Barkassen, in denen
der Prinz zum Tempel gleiten würde, um mit der Prinzessin den Bund fürs Leben zu schließen, gehörte sie ins Reich der Legenden.
    An jenem Abend kehrten alle drei Männer zu ihren Familien zurück, um Abschied zu nehmen. Einer von ihnen, der in den Armen seiner weinenden Frau lag, war schlauer als die anderen.
    Bis zum Morgen dachte er sich einen Plan aus und machte sich auf den Weg zu den schwimmenden Märkten, wo man Gewürze, Seide und Blumen erwerben konnte.
    Dort erstand er eine prächtige, tiefrot-rosafarbene Orchidee mit dunklen, samtigen Blütenblättern. Mit ihr fuhr er durch die schmalen klongs von Bangkok, bis er einen Schreiber fand, der inmitten seiner Schriftrollen in einem dunklen, feuchten Arbeitsraum hinter seinem Laden saß.
    Der Diener kannte den Schreiber, der einmal im Palast gearbeitet hatte, jedoch seiner mangelhaften Schrift wegen für unwürdig befunden worden war.
    » Sawadee Krup , Schreiber«, begrüßte der Diener ihn und legte die Orchidee auf seinen Tisch. »Ich hätte eine Aufgabe für dich. Wenn du mir hilfst, kann ich dir Reichtümer bieten, von denen du bisher nur geträumt hast.«
    Der Schreiber, der sich, seit er nicht mehr im Palast arbeitete, seinen Lebensunterhalt nur mit Mühe verdiente, sah den Diener an. »Was kann ich für dich tun?«
    Der Diener zeigte auf die Blume. »Ich möchte dich bitten, dein Geschick mit Tinte an dieser Orchidee zu beweisen und ihre Blütenblätter schwarz anzumalen.«
    Der Schreiber bedachte den Diener mit einem Stirnrunzeln, bevor er die Pflanze musterte. »Ja, das ist möglich, aber wenn sie neue Blüten treibt, sind diese nicht schwarz, und der Schwindel fliegt auf.«

    »Wenn sie neue Blüten treibt, sind wir beide viele Meilen weit weg und leben wie der Prinz, dem ich diene«, erwiderte der Diener.
    Der Schreiber nickte und dachte über die Bitte des Dieners nach. »Komm bei Einbruch der Nacht wieder, um deine Schwarze Orchidee zu holen.«
     
    Der Diener kehrte nach Hause zurück, wo er seiner Frau sagte, sie solle ihre wenigen Habseligkeiten packen, und ihr versprach, dass sie sich bald schon alles leisten könne, was ihr Herz begehre. Außerdem werde er ihr einen wunderschönen Palast an einem Ort weit, weit weg errichten.
    Als er am Abend zum Schreiber zurückkehrte, seufzte er beim Anblick der Schwarzen Orchidee auf dessen Tisch vor Freude auf.
    Er betrachtete ihre Blütenblätter genau und erkannte, dass der Schreiber hervorragende Arbeit geleistet hatte.
    »Die Tinte ist trocken und wird nicht an den Fingern Neugieriger haften bleiben«, erklärte der Schreiber. »Das habe ich ausprobiert. Versuch es ruhig selber.«
    Der Diener versuchte es, und tatsächlich: Seine Finger wiesen keine Tintenflecken auf.
    »Aber ich kann nicht beurteilen, wie lange die Farbe halten wird. Die Feuchtigkeit, die die Pflanze selbst erzeugt, wird die Tinte befeuchten. Und natürlich darf sie nicht in den Regen kommen.«
    »Das genügt völlig«, sagte der Diener und nahm die Pflanze an sich. »Ich gehe jetzt

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