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Operation Cyborg

Operation Cyborg

Titel: Operation Cyborg
Autoren: Karl Riess
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Prolog
    23.07.2026 - 18:47 Uhr
     
    Das beständige Wummern der Plasmaartillerie war verebbt und nur vereinzelt ertönten noch die Detonationen konventioneller Sprengsätze. Die letzten einsatzfähigen HK-Luftdronen waren bereits vor einer Stunde vom Himmel geschossen. Sämtliche HK-Panzer im Umkreis waren ebenfalls zerstört. Es sah gut aus für die Menschen. Die Stimmung im mobilen Einsatzquartier wirkte fast schon gelöst. Nach der mörderischen Schlacht der letzten zwei Tage, neigte sich das Kriegsglück zu ihren Gunsten. Der Ring um das Kernkraftwerk Brunsbüttel war geschlossen und der große Industriepark im Norden fest in ihrer Hand. Jetzt wartete man nur noch auf die Meldung aus Frankreich, dann würde der letzte Angriff erfolgen und der Spuk wäre vorüber. Zumindest in Europa – für den Anfang.
    »Meldung von Santara.«
    Ruckartig richteten sich alle anwesenden Personen vom digitalen Kartentisch auf. Selbst die Ordonanz an der Tür zuckte unmerklich und schielte zum Funker, der in der hinteren Ecke vor seinen Apparaturen kauerte. Dieser hatte das Sprechgeschirr bereits heruntergenommen und streckte es von sich.
    Tom Sanders nahm es bedächtig und kontrolliert entgegen. Sein zerfurchtes Gesicht zeigte kaum Regung, doch in seine Augen glomm Härte und zugleich Zuversicht. Für einen Militär war er weder sonderlich groß noch außergewöhnlich breitschultrig, aber etwas an seiner ganzen Erscheinung verlieh ihm Größe und Stärke. Er war Ende vierzig und viele graue Strähnen durchzogen sein einstmals schwarzes Haar. Die Erfahrungen vieler Kämpfe, Tragödien und Entbehrungen hatten tiefe Spuren in sein Gesicht gegraben. Und doch strahlte er die Energie und Gesundheit eines jungen Mannes aus.
    »Sanders hier«, sprach er laut und befehlsgewohnt in das Headset. Für einige Sekunden schien die Welt still zu stehen, als der Anführer des Widerstands den Worten des Funkspruchs lauschte. Und alle Anwesenden hielten ohne es zu merken den Atem an. Piotr Kubinski spürte, wie sich ihm die Nackenhaare aufstellten. Der weitere Verlauf der Nacht und vielleicht das Schicksal der Menschen auf diesem Kontinent hing von den Meldungen ab, die Sanders gerade entgegennahm. Kubinski drehte den Kopf ein wenig und schaute erst Erik Pedersen und dann Werner Krieger an. Sowohl der drahtige, stets ernst blickende Norweger, als auch der alte deutsche Kämpe mit dem faltigen Antlitz waren in den letzten Jahren zu guten Freunden und Vertrauten geworden. Beide durchlitten gerade die gleiche zehrende Anspannung wie er und entsprechend nervös erwiderten sie den Blick ihres polnischen Freundes.
    »Verstanden Santara. Sanders Ende.«
    Tom Sanders drückte dem Funker das Headset in die Hand. Er drehte sich langsam zu den anderen um und sein Gesicht wirkte nachdenklich und sein Blick schweifte geistesabwesend in die Ferne. Dann endlich schaute er sie nacheinander an und Entschlossenheit umspielte seine Mundwinkel.
    »Den Italienern und Spaniern ist es gelungen Dampierre einzunehmen und die Fabrikationsanlagen zu zerstören. Die Franzosen haben die Coltanverarbeitungsstätten in Lothringen in ihrer Hand«, sagte er kurz und knapp und in seinen Augen funkelte pure Freude, Triumph und Stolz.
    »Tak«, stieß Kubinski laut aus und ballte die Faust. Gleich darauf beglückwünschte er sich überschwenglich mit Krieger und Pedersen.
    »Noch sind wir nicht durch«, ermahnte sie Sanders sofort. »Aber wir haben S.net an den Eiern. Heute Nacht werden ... heute Nacht müssen wir die Metallköpfe endgültig aus Europa fegen. Das wird den Amerikanern Luft verschaffen. Nun gut, konzentrieren wir uns wieder auf unsere Aufgabe. Margolin, geben sie Code Sigma an alle.«
    Der angesprochene Funker nickte kurz, drückte zwei Knöpfe auf seiner Konsole und sprach dann in sein Headset.
    »An alle, Code Sigma. Ich wiederhole, Code Sigma.«
    »Los geht's«, sprach Sanders und prüfte sein G42 Plasmagewehr und die eingelegte Energiezelle. Kubinski und Pedersen taten es ihm gleich. Krieger hingegen lud seine beiden DM50. Er verließ sich lieber auf die zerstörerische Kraft seiner Handflammpistolen – die Weiterentwicklung einer alten Bundeswehrwaffe – als auf die modernen Plasmagewehre.
    »Ich wünsche euch Glück«, ertönte eine melodische, tiefe Männerstimme aus dem hinteren Bereich der Einsatzzentrale, links neben dem Funker. »Paß auf dich auf, Tom!«
    Tom blickte in die Richtung aus der die Stimme erklungen war. Er nickte einmal bedächtig und es sah

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