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Nur die Liebe heilt

Nur die Liebe heilt

Titel: Nur die Liebe heilt
Autoren: Raeanne Thayne
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1. KAPITEL
    Es war ein warmer Sommerabend. Die Häuser von Hope’s Crossing schmiegten sich zwischen den hohen Bäumen aneinander wie bunte Schmucksteine an einer Kette – ein strahlend lapislazuliblaues Dach hier, eine karneolrote Garage dort, dazwischen das warme Topasbraun des alten Krankenhauses.
    Evie Blanchard lehnte sich mit der Hüfte an einen großen Granitfelsen, um tief durchzuatmen. Vom Woodrose-Mountain-Wanderweg aus, der durch einen Kiefernwald oberhalb der Stadt führte, konnte sie die malerischen Gebäude und die farbenfrohen Blumengärten überblicken. Kurz vor Sonnenuntergang an einem Sonntag war die Stadt überaus ruhig – nur ein paar Autos parkten vor der historischen Episkopalkirche, dem ersten Backsteinbau von Hope’s Crossing aus einer Zeit, als die Stadt noch eine hektische Bergarbeitersiedlung mit einem Dutzend Saloons gewesen war.
    Etwas weiter entfernt, in der Nähe von Miner’s Park , entdeckte sie noch weitere Wagen, und plötzlich fiel ihr ein, dass heute eine Bluegrass-Band auf der Freilichtbühne im Park auftrat.
    Vielleicht hätte sie lieber den Abend bei Musik verbringen sollen, statt den Berg hinaufzujoggen. Es war immer sehr schön, an einem lauen Sommerabend mit Nachbarn und Freunden im Park zu sitzen, gute Musik zu hören, ein Glas Wein zu trinken und sich vielleicht etwas zum Essen aus dem Café zu holen.
    Aber nein, das hier war die bessere Wahl gewesen. So sehr sie diese Open-Air-Konzerte mochte – nach drei anstrengenden Tagen am Schmuckstand beim Kunsthandwerksmarkt in Grand Junction sehnte sie sich nach Ruhe.
    Jacques, ihr heller Labradoodle, streckte sich gelangweilt neben ihr auf dem Fußweg aus und schnappte nach einer Fliege, die die Frechheit besaß, um seinen Kopf herumzuschwirren.
    „Du kannst einfach nicht verstehen, dass ich auch mal kurz verschnaufen muss, oder?“
    Endlich erbarmte er sich der Fliege – sozusagen –, verschluckte sie, zog die Lefzen hoch und schien so stolz zu grinsen, als hätte er einen unglaublichen Trick der Jedimeister angewandt. Dann stellte er sich auf seine großen Pfoten und schaute Evie erwartungsvoll an, offensichtlich begierig auf weitere körperliche Betätigung.
    Was sie ihm nicht verübeln konnte. Er war die letzten drei Tage am Stand unendlich geduldig gewesen und verdiente es, einmal richtig zu rennen. Zu dumm nur, dass ihre Pobacken und Beinmuskulatur da nicht mitmachten.
    Endlich hatte sie wieder genug Luft, damit sie weiterjoggen konnte. So sehr ihre Muskeln auch schmerzten, spürte sie doch, wie die Anspannung sich mit jedem Schritt löste.
    Früher in Kalifornien war sie gern am Strand gelaufen, die salzige Seeluft im Gesicht, das Hämmern der Schuhe auf dem feuchten Sand und den herrlichen Blick auf den Pazifik direkt vor sich.
    Hier war weit und breit kein Meer in Sicht. Nur hohe Kiefern und Espen, weiße Zimthimbeeren und wilde Rosen, ab und zu das grelle Aufblitzen eines Berghüttensängers, der durch die Sträucher flog.
    Sie war auch ohne das Schreien der Möwen über ihrem Kopf zufrieden. Zwar liebte sie das Meer noch immer, keine Frage, und manchmal sehnte sie sich danach, irgendwo allein am Strand zu sein und zuzusehen, wie die Brandung ans Ufer rollte. Aber irgendwie war diese Stadt ihre Heimat geworden.
    Wer hätte jemals gedacht, dass ein in Kalifornien geborenes und aufgewachsenes Mädchen diese Art von Frieden und Heimatgefühl in einer kleinen Touristenstadt inden Rocky Mountains finden würde?
    Tief atmete sie die nach Salbei duftende Luft ein, und die Verspannung wich noch weiter aus ihren Schultern. Hektische drei Tage lagen hinter ihr. Es war der vierte Kunsthandwerksmarkt der Saison gewesen, und bis September standen noch einige auf ihrem Terminplan. Ihre spontane Idee, bei Märkten in ganz Colorado ihren eigenen Schmuck und den einiger Kunden vom String Fever – dem Schmuckladen, in dem sie arbeitete – zu verkaufen, lief besser, als sie es sich in ihren wildesten Träumen hätte ausmalen können.
    Besonders glücklich über ihren Erfolg war sie, weil alle Mitwirkenden einverstanden gewesen waren, einen Teil der Einnahmen für das Layla-Parker-Stipendium zu spenden.
    Layla, die Tochter ihrer guten Freundin Maura McKnight-Parker, war im April bei einem tragischen Autounfall ums Leben gekommen, der ganz Hope’s Crossing zutiefst erschüttert hatte.
    Auf Kunsthandwerksmärkten auszustellen war aufregend, alles war so bunt und laut und lebendig. Gleichzeitig bedeutete es harte Arbeit, vor allem,

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