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Nie genug von dir

Nie genug von dir

Titel: Nie genug von dir
Autoren: Melanie Hinz
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Markus
     
    Operationen sind einfach nur mies. Beim ersten Aufwachen fühlt man sich ordentlich zugedröhnt, schmerzfrei und auch ein bisschen lustig, bevor man wieder im Tiefschlaf versinkt. Nach dem zweiten, nicht medikamentös eingeleiteten Schlaf, wird man allerdings mit einem üblen Zungenteppich und dem Gefühl, ein Messer im Bauch stecken zu haben, wach. In meinem Fall kommt noch eine pochende Erektion hinzu.
    Ernsthaft? Sie haben mir gerade den Blinddarm rausgenommen, alles tut weh und mein Schwanz ist schon wieder einsatzbereit. Und zwar so einsatzbereit, dass ich glaube, bei der kleinsten Bewegung zu explodieren. Ich bin 25 Jahre alt, weit entfernt von einer Jungfrau und kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal einen feuchten Traum hatte. Doch jetzt habe ich die Befürchtung, ich bin kurz davor. Noch bin ich nicht ganz bei der Sache, aber dass ich in einem Krankenhausbett liege, ist mir schmerzlich bewusst. Wäre ich zuhause, würde ich einfach meine Hand unter die Decke schieben und mich um das Problem kümmern. Hier weiß ich nicht, wer reinplatzen könnte, geschweige denn, was mich unter meiner Bettdecke erwartet. Oh Gott, habe ich vielleicht einen Katheter? Nun muss ich mich mal vortasten. Gleichzeitig versuche ich, meine verklebten Augen zu öffnen, obwohl die Sonne tief steht und mir durchs Fenster grell ins Gesicht scheint.
    "Nicht an den Bauch gehen, mein Schatz. Du bist gerade operiert worden." Die Stimme meiner Mutter und ihre Hand auf meinem Oberarm sorgen augenblicklich dafür, dass jedes Blut meine Schwellkörper verlässt. Wenigstens das ist erstmal erledigt.
    "Kannst du?", krächze ich leise und zeige auf die Schnabeltasse mit Wasser, die strategisch außerhalb meiner Reichweite platziert ist.
    "Da muss ich erst die Schwester fragen. Ich weiß nicht, ob du etwas zu dir nehmen darfst. Hast du Schmerzen?"
    "Ja, habe ich", schnauze ich sie an. "Nur ein Schluck. Bitte!" Schon tut es mir leid, dass ich sie so angefahren habe, aber ich bin gerade nicht in Stimmung für unnötige Gespräche.
    "Markus, ich gehe lieber fragen." Sie streichelt mir durch die Haare und ist im nächsten Moment aus dem Zimmer verschwunden. Verfluchte Scheiße, ich will doch nur mal meinen Mund durchspülen und mich nicht druckbetanken.
    Wenige Minuten später kommt eine blutjunge Schwester in den Raum, den ich glücklicherweise bis jetzt noch alleine belege. Auf den ersten Blick ist sie ein bildhübsches Mädchen mit langen, blonden Haaren, die in einem geflochtenen Zopf an ihrem schmalen Rücken hinabhängen. Sie hat dichte, braune Wimpern und rosige Wangen. Dabei scheint sie völlig ungeschminkt.
    "So, Herr Paul. Dann wollen wir mal Fieber und Blutdruck messen, und wenn da alles in Ordnung ist, dürfen sie in kleinen Schlucken höchstens ein Drittel von dem Becher trinken. Brauchen sie etwas gegen die Schmerzen?"
    Erst jetzt bemerke ich den Infusionsschlauch in meiner Hand. Als sich die hübsche Schwester von mir abwendet, um das Ohrthermometer vorzubereiten, riskiere ich einen kurzen Blick unter meine Decke. Gott sei Dank, kein Katheter in meinem Schwanz, dafür aber ein Drainageschlauch, der an einem der drei verbundenen Einschnitte herausschaut.
    "Haben sie Schmerzen?", erschreckt mich die Stimme neben mir aus meinen Erkundungen hoch. Ich glaube, das hat sie schon einmal gefragt. Erschrocken lasse ich die Bettdecke fallen. Das ist auch besser so, denn die zierlichen, warmen Finger, die sich um meinen Unterarm schließen, verbessern gleich meinen Blutfluss. In gerade nicht gewünschten Regionen.
    "Es lässt sich aushalten", lüge ich. "Wo ist meine Mutter?"
    "Die habe ich in die Cafeteria geschickt. Sie ist seit letzter Nacht durchweg hier und hält Wache. 'Lässt sich aushalten', bedeutet aus Männersprache übersetzt, 'Es wird Zeit, sonst gehe ich die Wände hoch'?, fragt sie mit einem verschlagenen Grinsen.
    Fantastisch. Innerhalb weniger Momente hat sie mich als Weichei und Muttersöhnchen geoutet. Dabei wäre die Kleine durchaus einen Versuch wert. Das heißt, wenn ich aus diesem OP-Hemdchen raus bin und ich nicht mehr unkontrolliert hart werde.
    "Für die Nacht könnte ich schon etwas vertragen", gebe ich schließlich zu.
    "Dann sag ich gleich der Stationsschwester Bescheid."
    "Sind sie keine Schwester?", frage ich. Gerade misst sie die Temperatur in meinem Ohr und legt dabei eine Hand auf meine Schulter. Das verursacht mir eine Gänsehaut bis in die Zehenspitzen. Obwohl, kann man in den Zehenspitzen

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