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Neobooks - Transalp 7

Neobooks - Transalp 7

Titel: Neobooks - Transalp 7
Autoren: Marc Ritter , CUS
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    Buch 7
    FREITAG, 13. JULI 2012
Unterwegs zum Pfitscher Joch, 9.07 Uhr
    P etra, 41, aus Aachen und ihr Sohn Greg, 17, waren seit vorgestern wieder unterwegs nach Venedig. Sie setzten die sieben Etappen fort, die sie vor zwei Jahren bereits absolviert hatten. Die letzte hatte sie vom Karwendel bis Mayrhofen im Zillertal gebracht. Diesmal wollten sie es wenigstens bis Belluno schaffen. Im Grunde ihres Herzens reichten die Träume der beiden viel weiter – sie wollten mit schweren Rucksäcken und dampfenden Stiefeln am Lido von Venedig einlaufen. Badezeug hatten sie jedenfalls eingepackt, man konnte ja nie wissen.
    Heute Morgen waren sie früh aufgestanden, hatten den Münchner mit seiner Tochter, wie sie gemutmaßt hatten, in ihrem Viererzimmer weiterschlummern lassen. Sie hatten sich in die Stube zum Frühstück gesetzt. Um kurz nach fünf Uhr morgens saßen in der Gaststube der Hütte nur wenige Fernwanderer, die wie sie die Mittagshitze meiden wollten, und ein paar Gipfelaspiranten. Zwischen Marmeladebroten wurden Wanderkarten ausgebreitet, Sonnencreme aufgetragen, Rucksäcke fertiggepackt. Einige besonders Eifrige legten sogar Gamaschen an, damit der Schnee nicht oben in die Stiefel fiele. Es lag kein Schnee. Das focht diese Leute nicht an. Heute Nachmittag, kurz vor der Ankunft auf der nächsten Hütte, würden sie es gewiss nicht versäumen, den Nordwandblick aufzusetzen.
    Obwohl es reichlich freie Tische gegeben hatte, hatte sich ein Mann zu Petra und Greg gesetzt, der sich als Benno vorstellte. Ob er auch übers Pfitscher Joch ginge? Ja, das würde er. Sie unterhielten sich eine Weile über das Fernwandern im Allgemeinen und kleine Wehwehchen im Besonderen und kamen schließlich überein, die Etappe gemeinsam anzugehen. Petra war ganz froh, weil sie immer noch die Quengeleien ihres Sohnes fürchtete, die sie vor zwei Jahren so genervt hatten. Auch aus anderen Gründen war Petra die Begleitung des Fremden nicht unangenehm. Er war zwar, wie sie schätzte, gut zehn Jahre älter als sie, aber er hatte etwas Verwegenes. Und er trug keinen Ehering.
    Benno Spindler hatte aus der Fundkiste der Hütte einen knatschgelben Rucksack und einen knallroten Anorak gefischt, beides hatten Gäste im letzten Jahr vergessen. Seinen eigenen Anorak verstaute er zusammen mit seinen restlichen Habseligkeiten im Rucksack. Zu dritt verließen sie die Hütte. Spindler trug den roten Anorak, dazu Sonnenbrille und einen bislang herrenlosen Sonnenhut, Modell AOK, mit Reißverschlusstasche. Ein Vierter gesellte sich hinzu: der weiße Schäferhund der Hüttenwirte. In seinen besseren Tagen hatte er Preise bei Schönheitswettbewerben gewonnen. Nun folgte er dem Mann ein Stück, der ihn vorhin mit leckerem Speck versorgt hatte. Der in der Anoraktasche, eingewickelt in eine Papierserviette, noch ein fein duftendes Stück Speck trug.
    Spindler musste einen anderen Gang vortäuschen. Clara Fürst konnte nicht weit sein. Sollte er den Trippelgang machen, mit kleinen, betüterten Schrittchen und wackelnden Schultern? Er entschied sich für den Arbeitergang – den Oberkörper vornübergebeugt, den Kopf tief zwischen die Schultern gezogen.
    Olpererhütte, 9.35 Uhr
    »Wo wart ihr so lange?!«, blaffte Clara Fürst ihre beiden Kameraden an, die gestern Bekanntschaft mit der Militärpolizei gemacht hatten. Es hatte Schwierigkeiten mit den Behörden gegeben. Als nämlich herauskam, dass die beiden gar nicht im Auftrag der Bundesforste unterwegs waren, drohte mächtig Ärger. Das Auto und mit ihm die Funkgeräte wurden erst einmal beschlagnahmt und ins Lager Walchen gebracht, wo bereits die beiden Männer befragt wurden. Erst ein nächtlicher Anruf aus Wien beim wachhabenden Offizier der Militärpolizei bereinigte die Sache geräuschlos. Der Offizier entschuldigte sich, ein Missverständnis, nichts weiter. Die beiden bekamen den Zündschlüssel umgehend ausgehändigt und brausten ab. Die neuen Anweisungen lotsten sie nach Mayrhofen und weiter die Straße zum Schlegeisspeicher hinauf. Von dort aus spurteten sie zur Olpererhütte. Als sie bei Fürst ankamen, waren Spindler und seine Begleiter bereits seit gut zwei Stunden weiter nach Süden unterwegs. Ob es nun Spindlers Verkleidung war oder sein Gang oder die sich inzwischen doch einstellende Müdigkeit der Jägerin Fürst – jedenfalls war das Opfer seinen Häschern entkommen, vorerst.
    »Du gehst jetzt in die Hütte«, sprach Fürst zu einem der beiden Männer, »dich erkennt er wohl nicht

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