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Necromancer - The Death of the Necromancer

Titel: Necromancer - The Death of the Necromancer
Autoren: Martha Wells
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1
    D ie nervenaufreibendsten Unternehmungen waren immer die, bei denen man den Vordereingang benutzen musste. Und dieser Vordereingang war wirklich imposant.
    Im grauen Mondlicht ragte die monumentale, mit vielen erleuchteten Fenstern durchsetzte Fassade von Mondollot House vor Madeline auf. Auf dem gemeißelten Giebelrelief hoch über der Straße tobte eine verbissene Schlacht zwischen den Heerscharen des Himmels und der Hölle; die Gewänder todgeweihter Heiliger und die Schleier der Engel flatterten wie Banner im Wind oder hingen anmutig über die Steinbaldachine der oberen Fenster. Von einem offenen Balkon war Musik zu hören, die die eintreffenden Gäste begrüßte. Die später hinzugefügten gläsernen Wandleuchten über und neben der Tür machten dagegen einen eher unangenehmen Eindruck: Das unstete Flackern und die eigentümliche Farbe des Gaslichts ließen an das Tor zur Hölle denken. Keine besonders glückliche Wahl, aber die Duchess of Mondollot hat sich noch nie durch Zurückhaltung oder Geschmack hervorgetan. Made line unterdrückte ein ironisches Lächeln.
    Trotz der kühlen Nachtluft und des eisigen Windes vom Fluss drängten sich auf dem breiten marmornen Säulengang mehrere Besucher, die das berühmte Giebelfeld bewunderten.
Madeline schob die Hände tiefer in den Muff. Sie zitterte, teils vor Kälte, teils vor Anspannung. Nachdem sie dem Kutscher ihre Anweisungen erteilt hatte, entfernte er sich mit seinem Gespann. Ihr Begleiter Reynard Morane kam zu ihr zurückgeschlendert, und sie bemerkte ein paar Schneeflocken auf den Schultern seines Überziehers. Sie hoffte, dass das Wetter noch bis später am Abend hielt. Ein Desaster nach dem anderen . Ungeduldig schüttelte sie den Kopf. Gehen wir erst mal rein.
    Reynard bot ihr den Arm an. »Bereit, meine Liebe?«
    Mit einem leisen Lächeln hakte sie sich ein. »Ganz und gar.«
    Sie schlossen sich den Menschen an, die zum Eingang strömten.
    Durch die hohen offenen Türen fiel warmes Licht auf die abgenutzten Pflastersteine. Zu beiden Seiten standen Diener in antiquierter Livree mit Kniehosen und silberbetressten Jacken. Der Mann hingegen, der die Einladungen in Empfang nahm, trug einen Frack nach der neuesten Mode. Das wird doch wohl nicht der Butler sein . Reynard überreichte den Umschlag aus Leinenpapier, und Madeline hielt den Atem an, als der Mann ihn öffnete.
    Sie waren auf ehrliche Weise an diese Einladung gekommen. Allerdings hätte sie sich wenn nötig auch an den besten Fälscher der Stadt wenden können: einen fast blinden Greis, der in einem feuchten Keller in der Nähe von Philosopher’s Cross arbeitete.
    Plötzlich nahm sie oben unter dem Dachvorsprung, wo das Licht der Gaslampen nicht hinreichte, eine leichte Bewegung wahr. Madeline blickte nicht hinauf, und auch Reynard war nicht anzumerken, ob ihm etwas aufgefallen war.
Ein Informant hatte ihnen erzählt, dass der Zauberer der Mondollots die Tür von einem alten, mächtigen Schutzgeist bewachen ließ, um zu überprüfen, ob die Gäste irgendwelche magischen Gerätschaften mit sich führten. Madeline drückte ihren Pompadour fester an sich. Zwar war keiner der Gegenstände darin magischer Natur, aber bei einer Durchsuchung würde jeder Zauberer von noch so geringen Fähigkeiten sofort erkennen, wozu sie dienten.
    »Captain Morane und Madame Denare«, sagte der Mann. »Willkommen.« Er gab die Einladung an einen Lakaien weiter und verneigte sich vor ihnen.
    Sie wurden ins Vestibül geführt, wo sogleich Diener erschienen, um Madeline Paletot und Muff sowie Reynard Überzieher, Stock und Zylinder abzunehmen. Eine sittsame Dienstmagd kniete sich zu Madelines Füßen nieder und wischte mit einem eigens für diesen Zweck angefertigten Silberbesteck aus Bürste und Schäufelchen Spuren von Kies weg, die am Saum ihres Satinrocks hingen. An Reynards Arm schritt Made line durch die Vorhalle in das dichte Gewühl des eigentlichen Empfangsraums.
    Auch wenn die Teppiche mit Leintüchern bedeckt und die empfindlicheren Möbelstücke entfernt worden waren, erweckte der Saal den Eindruck üppiger Pracht. Aus dem schweren Schnitzwerk lugten vergoldete Putti herab, und die Deckenfresken zeigten segelnde Schiffe vor der Westküste. Madeline und Reynard folgten dem Strom, der sich über die Flügeltreppe und durch die Tür in den Ballsaal wälzte.
    Bienenwachs - die müssen die ganze Nacht die Böden gebohnert haben. Die Gerüche von Bienenwachs, Sandelholz, Patchuli und Schweiß hingen schwer in der

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