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Nacht der Dämonen

Titel: Nacht der Dämonen
Autoren: David C. Smith & Richard L. Tierney
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PROLOG
     
    Bereits in der Stunde, da ich geboren ward -
    War mein Weg bestimmt, jeder Dorn und jeder spitze Stein;
    Mein Erbe sind die öden Weiten dieser Welt,
    Mein Herz ist taub geworden von der Pein.
    Bevor ich noch das Licht der Welt erblickt,
    War mein Becher schon mit bitt’rem Gift gefüllt.
     
    ROBERT E. HOWARD
    ›Die Jahre sind wie ein Messer‹
     
    Aus dem Schlaf gerissen warf sie die Decke zurück, setzte sich auf ihrem Lager auf und griff nach dem Dolch, alles in einer Bewegung. Das heisere Brüllen, das sie geweckt hatte, erhob sich erneut irgendwo innerhalb der Festungsmauern. Sie ahnte, dass die Botschaft Gefahr für sie barg.
    »Hauptmann Vos ist tot – ermordet! Hauptmann Vos ist ermordet!«
    Mit der flinken Geschmeidigkeit der Katze erhob die Frau sich lautlos. Sie setzte die gestiefelten Füße auf den Boden, zog den Dolch aus der Scheide und wartete, hochaufgerichtet. Im Grau des nahenden Morgens schimmerten die Blättchen ihrer Schuppenrüstung matt.
    Schritte hallten auf dem Gang – die Schritte vieler Männer – und das Rasseln von Waffen und Rüstungen. Stumm wartete die Frau, die Rechte mit dem Dolch erhoben, während die Linke den Schwertgriff umklammerte. Die Schritte kamen näher – näher – und ihre Tür wurde aufgestoßen.
    »Hyrkanische Teufelin!«
    Sie duckte sich im plötzlichen grellen Lichtschein und drückte die Schultern gegen den geschlossenen Fensterladen. In den flackernden Flammen glänzte ihr rotes Haar, und ihre glatte Haut wirkte bleich.
    »Das ist sie!«
    »Ergreift sie!«
    Einer der Bewaffneten – ein großer Schwarzbärtiger mit wild funkelnden Augen – lachte hässlich. Mit dem Dolch in der Hand trat er näher und sagte:
    »Was, Rote Sonja – kein Blut auf deiner Klinge? So schnell hast du es abgewischt? Hast du dir eingebildet, wir würden dich nicht verdächtigen – Ausländerin!«
    Die Rote Sonja genannte Frau richtete sich hoch auf. Der Dolch in ihrer Faust zuckte bedrohlich. Ihre saphirblauen Augen huschten von einem finsteren Gesicht zum anderen. »Vos ist tot?« fragte sie.
    »Als ob du das nicht wüsstest!« brüllte ein stämmiger Mann aus der hinteren Reihe des sich durch die Tür drängenden Trupps. »Leutnant Keldum hat dich gesehen!«
    »Keldum!« Blitzend bedachten Sonjas Augen den Schwarzbärtigen. »Du behauptest, du hättest gesehen, wie ich Vos tötete?«
    Keldum lächelte selbstherrlich. »Ja, hyrkanische Teufelin. Und jetzt …«
    »Du lügst!« Ihre Hand schwang zurück und vor und etwas Silbernes schien aus ihren Fingern zu springen.
    Keldum hatte nicht mit ihrer Flinkheit gerechnet. Nur seine Reflexe retteten ihn vor dem geworfenen Dolch – und möglicherweise die Tatsache, dass die Rote Sonja noch eine Spur schlaftrunken war. So bekam nicht Keldum die Klinge in die Kehle, sondern der Mann hinter ihm, der röchelnd zu Boden sank.
    Sonja zog das Schwert, schlug den Fensterladen hinter sich auf, sprang auf das steinerne Fenstersims und hinaus. Ihre Kammer war im Erdgeschoß, so landete sie schnell im Gras und rannte bereits, ehe sie ihr Gleichgewicht ganz wiedergewonnen hatte.
    Keldum lief zum Fenster und brüllte: »Haltet sie auf! Ich will sie lebend!«
    »Ergreift sie!« schrie ein anderer.
    »Wo ist die Patrouille?«
    »Bringt die Hyrkanierin zurück!«
    Keldum sprang aus dem Fenster. Die anderen folgten ihm. Sie behinderten einander in ihrer Hast und stolperten.
    Die Rote Sonja erreichte die nahe Stallung. Sie schwang sich. auf den Rücken ihres gesattelten Rotschimmels, riss am Zügel und galoppierte davon. Morast spritzte unter den Hufen des Hengstes, während er durch den morgendlichen Bodennebel dahingaloppierte, fort von dem wütenden Gebrüll Leutnant Keldums und seiner aufgebrachten Soldaten.
    »Wo ist die Patrouille?« schrie Keldum. »Zehn Silber-Stücke für die Festnahme der Frau!«
    »Schließt das Tor!«
    »Fasst die Frau!«
    Die Rote Sonja ritt nicht zum Tor, das eilig geschlossen wurde, sondern zu einem schmalen Eingang in der Südmauer. Das Gebrüll hatte die beiden Wachen dort aus dem Schlaf gerissen. Sie fassten ihre Speere und versuchten, sich gegenseitig zur Seite zu drängen – wegen der von Leutnant Keldum ausgesetzten Belohnung.
    Wütend entriss Keldum einem Schützen den Bogen, legte einen Pfeil an und schoss auf Sonjas Pferd. Der Pfeil sirrte durch das trügerische Licht. Er verfehlte die Frau nur knapp und bohrte sich in die Festungsmauer.
    »Mitra!« fluchte Keldum verärgert und warf den Bogen

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