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Nacht Der Begierde

Nacht Der Begierde

Titel: Nacht Der Begierde
Autoren: Charlene Teglia
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KAPITEL 1
    E s ist unglaublich, wie viel sich von einer Sekunde zur nächsten verändern kann.
    Gerade eben noch war ich allein im Leder-Laden Tysons Corner und damit beschäftigt, Waren einzuräumen. Ich hängte Jacken auf die Bügel zurück, die jemand anprobiert, sich dann aber gegen sie entschieden hatte. Oder die, was noch wahrscheinlicher war, nur deshalb anprobiert wurden, weil ich mich dann nach ihnen umdrehen und sie vom Ständer angeln musste. Einen Nachmittag dieser Art hatte ich gerade hinter mir.
    Und dann stellten sich mir plötzlich die Nackenhaare auf. Mein erster Gedanke war
«Ach du Scheiße, jetzt wirst du ausgeraubt».
In diesem Fall würde ich schlicht und einfach die Kasse öffnen, damit die Idioten sie ausräumen konnten. Es gibt Dinge, für die man sich einsetzt, aber ein schlechtbezahlter Job in einem Einkaufszentrum gehört ganz bestimmt nicht dazu.
    «Ich will   … diese da», sagte eine Stimme dicht an meinem Ohr. Die Stimme klang tief, männlich und erinnerte mich an ein Knurren. Ihr Besitzer atmete aus, und ein warmer Hauch strich über die bloße Haut meines Nackens. Ich wünschte, meine Haare wären nicht ganz so kurz geschnitten. Der Atem dieses seltsamen Mannes bescherte mir ein merkwürdiges Gefühl von Verwundbarkeit.
    Ich drehte mich um und brachte ein bisschen Abstand sowie eine braune, lederne Bomberjacke zwischen uns.Jetzt sah ich erst, mit wem ich es eigentlich zu tun hatte. Seine Augen waren dunkelbraun, aufgehellt durch ein bisschen Bernstein. Sein Haar hatte eine ähnliche Farbe. Es fiel ihm auf die Schultern, obwohl es durch die Locken etwas kürzer aussah. Ein entschlossener Ausdruck lag auf seinem slawisch aussehenden Gesicht, und obwohl er nicht viel größer als einen Meter achtzig war, wirkte jeder Zentimeter respekteinflößend. Er trug Jeans, Cowboystiefel und ein weißes, langärmeliges T-Shirt mit Harley-Davidson-Logo, das jetzt, mitten im Winter, unmöglich warm genug sein konnte, selbst hier in Virginia.
    Die Unruhe, die sein Erscheinen in mir ausgelöst hatte, wollte sich jedoch nicht legen, deshalb blieb ich wachsam. Ich habe ein ziemlich gutes Gefühl für brenzlige Situationen, und es hat mich schon zu oft vor Ärger bewahrt, als dass ich es einfach ignorieren konnte.
    «Ich glaube nicht, dass das Ihre Größe ist», sagte ich und hielt weiter das genarbte Leder zwischen uns. Nicht dass es für ihn ein Hindernis dargestellt hätte, aber es war besser als nichts. «Da drüben sind noch mehr.» Ich wies ihm mit einer Kopfbewegung die Richtung, in der sich der Ständer befand. Ich hielt meine Arme dicht an meinem Körper, auf mittlerer Höhe, wo ich mich gut gegen Angriffe von oben oder unten verteidigen konnte.
    Er warf mir einen abschätzenden Blick zu und ging zu den anderen Bomberjacken. Das Atmen fiel mir sofort etwas leichter, als ein paar Schritte Abstand zwischen uns waren.
    «Chandra», sagte er gedehnt. Er hob prüfend einen Ärmel an, während er sprach. «Heißen Sie so?»
    «So steht es auf dem Schild», erwiderte ich und lächelte mit angespanntem Mund. Ich hatte nicht vor, ihn zu irgendwelchen Vertraulichkeiten zu ermuntern. Er war in meinem Laden aufgetaucht, als ich allein war, er war mir viel zu nahe getreten, er hatte mich seinen Atem spürenlassen, und nun sprach er mich auch noch mit meinem Namen an. Das war zwar ein guter Trick, jemanden in Sicherheit zu wiegen: ihn mit Namen anzusprechen. Auf mich hatte es aber den gegenteiligen Effekt.
    «Wussten Sie, dass Chandra ‹der Mond, der leuchtet› bedeutet?»
    «Nein», log ich. Ich hatte das zwar in irgendwelchen Büchern gelesen, aber ich war mir ziemlich sicher, dass es nichts anderes bedeutete, als dass meine leiblichen Eltern Philosophie- oder Soziologiestudenten gewesen waren und mehr Flausen im Kopf hatten als Verstand oder Geld. Sie gaben mich zur Adoption frei, bestanden aber darauf, dass ich den Namen behielt. Wobei ich manchmal schon gedacht hatte, dass sie das gemacht hatten, um mich irgendwann einmal wiederfinden zu können. Es gibt ja schließlich nicht so viele rothaarige Frauen Anfang zwanzig mit Sanskrit-Namen.
    «Träumst du manchmal von uns?» Er hob den Kopf, während er mich das fragte, den Blick gespannt auf meine Augen gerichtet.
    «Ich habe eine Menge Träume. Jeder träumt von etwas.» Ich lockerte meine Muskeln, bereit, wegzurennen oder mich zur Wehr zu setzen, wenn es nötig wäre. An dieser Begegnung war mir alles suspekt. «Mein Lieblingstraum ist es, etwas zu

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