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Mondglanz

Mondglanz

Titel: Mondglanz
Autoren: Ann Aguirre
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1
    Das Schiff pflügt durch die Wolken.
    Unter uns liegt der Raumhafen, weiß wie Knochen unter der bleichen Sonne. Er sieht verlassen aus. Der Zahn der Zeit hat mächtig an ihm genagt – eindeutig ein Relikt aus einer längst vergangenen Epoche.
    Früher einmal haben die Ithorianer das Weltall erforscht, aber jetzt nicht mehr. Vor vielen Jahrhunderten haben sie sich ganz auf ihren Heimatplaneten zurückgezogen und alle Handelsbeziehungen abgebrochen.
    Meine Aufgabe ist es, das zu ändern.
    Der Komplex hat die Form einer Kuppel, und ganz oben befindet sich eine Öffnung für die Schiffe. Sieht beunruhigend aus, wie ein Schlund, der uns verschlucken will. Unser Pilot weiß, was er tut, aber er ist kein Künstler wie Marsch. Dennoch bringt er uns schneller runter, als mir lieb ist.
    Ich bin nicht bereit.
    Trotzdem gehe ich zur Ausstiegsrampe, wo meine Crew bereits wartet. Der Rest der Besatzung steht zu beiden Seiten aufgereiht und grüßt uns. Die meisten von ihnen sind Klansleute, die anderen haben einmal zu den Besatzungen der Frachter gehört, die wegen des Krieges auf Lachion gestrandet sind. Die Zeit an Bord war zu kurz, um mir ihre Namen und Gesichter zu merken.
    Die meisten werden an Bord der Triumph bleiben. Sonst würden die Ithorianer nur Panik bekommen und glauben, wir wollen sie erobern. Die Tatsache, dass sie uns überhaupt haben landen lassen, ist bemerkenswert genug. Winzige Schritte vor einem hoffentlich großen Sprung für die Menschheit.
    Ich betrachte Jael, Hammer, Dina, Marsch und Vel. Jael ist mein Bodyguard und sieht eigentlich viel zu gut aus für seinen Job. Außer man blickt ihm direkt in die Augen. Dann merkt man, wie tief dieses Wasser ist. Wir alle haben unsere Geheimnisse, aber Jaels dürften mit Abstand die finstersten sein. Mir fallen auf Anhieb ein Dutzend Konsortien ein, die ihn nur zu gern in die Finger bekommen würden, um ihn zu klonen.
    Jael ist ein Züchtling, einer der wenigen Überlebenden des Idealen-Genom-Projekts. Die meisten seiner Art wurden verrückt oder sind jung gestorben. Nur ganz wenige haben es bis ins Erwachsenenalter geschafft, und Jael hat unglaublich viel durchmachen müssen. Aber weil Tarn – der Konglomeratsbeamte, der das Sagen bei dieser Mission hat – ihn bezahlt, ist er jetzt für meine Sicherheit verantwortlich.
    Constance ist ein ähnlicher Fall. Es gab eine Zeit, da war sie nur eine kleine silberfarbene Kugel, die Mair Dahlgren gehörte. Jetzt ist sie so viel mehr als nur eine mit künstlicher Intelligenz ausgestattete PA, und auch wenn ich es jemand anderem gegenüber niemals zugeben würde, habe ich den Eindruck, dass sie sich ständig weiterentwickelt. Mit jeder Inkarnation lernt sie dazu, erforscht die Welt und definiert ihren Daseinszweck ständig neu. Jetzt, da sie sich frei bewegen kann, ist sie fest entschlossen, zur perfekten Assistentin zu werden.
    Als Constance endlich damit fertig ist, mich von oben bis unten zu mustern, sagt sie: »Sie sind absolut passend gekleidet, Sirantha Jax.«
    Hammer unterdrückt ein Grinsen. Sie ist Pilotin. Wir haben sie während der letzten Klanfehde auf Lachion aufgelesen. Sie ist groß gewachsen, schlank wie eine Messerklinge, hat dunkle Haut und dichte schwarze Locken. Ihre Augen glänzen wie die einer Raubkatze, und sie ist so tödlich, dass sie einen Gegner mit dem kleinen Finger erledigen kann. Buchstäblich. Während unseres letzten Einsatzes fand ich heraus, dass sie sich eine Miniatur-Giftspritze in den kleinen Finger hat implantieren lassen. Hammer ist jemand, mit dem man sich besser nicht anlegen sollte. Ursprünglich hat sie auf Gehenna für Madame Kang gearbeitet, doch als ihr Haus fiel, zerstreuten sich die Überlebenden übers ganze Universum, um dem mörderischen Schicksal ihrer Herrin zu entgehen. Ihre Geschicke verschlugen Hammer auf einen Frachter, der das Pech hatte, genau dann Lachion anzufliegen, als der schwelende Konflikt zwischen den McCulloughs und Gunnar-Dahlgren offen ausbrach. Glücklicherweise hat sie im Lauf der Zeit ein Faible für Dina entwickelt und scheint ganz auf unserer Seite zu stehen.
    Dina ist die Schiffsmechanikerin und kennt sich am besten von uns allen mit den Bordwaffen aus. Das hört sich an, als wäre sie kalt und hart wie Diamant, aber mit dem herzförmigen Gesicht und den grünen Augen ist sie zudem noch ziemlich hübsch. Trotzdem sieht man ihr nicht an, dass sie eine verbannte Prinzessin ist. Sie wird nie nach Tarnus zurückkehren können. Ihre Familie ist

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