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Mörderische Verstrickungen

Mörderische Verstrickungen

Titel: Mörderische Verstrickungen
Autoren: A George
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|7| 1
    »Also weißt du, Patricia Anne, dass Fred den Boden geküsst hat, war ein bisschen zu viel des Guten. Peinlich.«
    »Er ist ausgerutscht.«
    »Ausgerutscht, so ein Quatsch. Der Mann hat auf allen vieren den Asphalt getätschelt und ›Gott sei Dank!‹ gesagt. Es ist ein Wunder, dass nicht alle über ihn geflogen sind.«
    Ich warf einen Blick nach hinten zu meiner Schwester, die an der Tür zu meinem Hauswirtschaftsraum stand und mir beim Füllen der Waschmaschine zusah. Sie hatte einen grauen Hosenanzug und einen beigefarbenen Rollkragenpullover an, und ich wusste bereits von ihr, dass sie auf dem Weg zu einem Mittagessen war.
    Ich gehörte selbst zu denen, die am Flughafen fast über meinen Mann geflogen wären, verspürte aber nach wie vor das Bedürfnis, ihn zu verteidigen.
    »Er hasst das Fliegen.«
    »Nun, das war mir schon eine Flugstunde von Birmingham entfernt klar. Jedes Mal, wenn ich ihn ansprach, hat er geknurrt. Hast du die Geräusche gehört, die er von sich gab? Es war das reine Knurren. Und die Erdnüsse hat er nicht gekaut. Er hat sie zermalmt.« Mary Alice ließ geräuschvoll ihre Zähne aufeinanderfallen. »So. Gott sei Dank saß ich nicht neben ihm im Flugzeug. Du hast dir deinen Platz im Himmel verdient nach vierzig Jahren Zusammenleben |8| mit diesem Mann.« Sie hielt inne. »Warum sprühst du Glasreiniger auf diesen Ärmelaufschlag?«
    »Weil ich keine Gelegenheit zum Einkaufen hatte. Und das funktioniert genauso gut wie Fleckenentferner.« Ich stopfte das Hemd in die Maschine, schloss die Frontladetür und schaltete den Warmwaschgang ein.
    »Wie kommt’s, dass du keinen Jetlag hast wie ich?«, fragte ich. »Mir ist die ganze Zeit, als drücke etwas auf meinen Schädel.«
    Mary Alice bewegte sich aus der Tür, und ich folgte ihr in die Küche, um dort auf einem Stuhl zusammenzusacken.
    »Ich habe mehr Reserven als du. Mehr gespeicherte Energie. Möchtest du Kaffee?«
    Ich nickte. Sie nahm zwei Becher, goss den Kaffee ein und schob mir den Zucker hin.
    »Weißt du«, erklärte sie ernsthaft, »es ist ganz einfach. Ich bin ein wenig umfangreicher als du, und dieses bisschen Extrafett verleiht mir mehr Energie. Wenn du normal essen würdest, wärst du nicht so müde.«
    Bisschen Extrafett. Ein wenig umfangreicher. Ha! Diese Frau ist ein Meter dreiundachtzig groß und wiegt nach eigenen Angaben hundertdreizehn Kilo, ganz zu schweigen von dem, was sie wirklich auf die Waage stellt. Speziell nachdem sie in Warschau, wo wir die letzten zwei Wochen auf Weihnachtsbesuch bei meiner frisch verheirateten Tochter Haley verbracht hatten, in jedem guten Restaurant aufgeschlagen war. Und glauben Sie mir, es gibt eine Menge guter Restaurants dort.
    »Du hast vermutlich noch abgenommen in Warschau«, fuhr sie fort.
    »Kann sein. So viel, wie wir gelaufen sind.«
    |9| »Und so wenig, wie du gegessen hast.«
    Ich goss Milch in meinen Kaffee und beobachtete den kleinen Strudel, den sie verursachte. Ich würde mich auf keinen Fall auf einen Streit einlassen. Mary Alice war einfach nicht davon zu überzeugen, dass die Tatsache, dass ich knapp dreißig Zentimeter kleiner war als sie und in Größe 36 passte, genetisch bedingt war. Sie schwört, dass es die Folge mangelnder Ernährung ist.
    »Ich habe heute Morgen eine E-Mail von Haley erhalten«, sagte ich. »Sie vermisst uns.«
    »Na klar. Niemand spricht Englisch in Warschau. Niemand. Und nicht mal so was wie einen Wal-Mart gibt es. Bloß all diese steinalten Museen, und dann muss man mit diesen klapprigen Straßenbahnen herumfahren, wenn man irgendwohin will, Himmel noch mal.«
    »Ich fand die Stadt schön.«
    »Da siehst du den Unterschied zwischen dir und mir, Maus. Ich mag es, wenn die Dinge ein wenig schneller vorangehen.«
    »Du meinst so was wie Autobahnen?«
    »Und besseres Fernsehen. Ihre
Glücksrad -Sendung
war jämmerlich.«
    Seufzend ließ ich Mary Alice weiterfaseln. Haley war glücklich, und sie und ihr frisch angetrauter Ehemann sahen es als Chance ihres Lebens an, die ersten Monate ihrer Ehe im kulturreichen Warschau verbringen zu können.
    »Ich muss allerdings sagen«, Mary Alice nahm einen Schluck von ihrem Kaffee, »Neffe scheint Haley glücklich zu machen.«
    Die »Neffe«-Geschichte bedarf einer kleinen Erläuterung. Der zweite Ehemann von Mary Alice hieß ebenfalls Philip Nachman. Haleys neuer Mann ist dessen Neffe und |10| wurde nach seinem Onkel benannt. Haley und Philip sind also Mary Alice’ Neffe und Nichte (Philip durch

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