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Miranda - so stolz und so süß (German Edition)

Miranda - so stolz und so süß (German Edition)

Titel: Miranda - so stolz und so süß (German Edition)
Autoren: Deborah Miles
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1. KAPITEL
    “Du musst eine Möglichkeit finden, Leo, wie du diese Ehe annullieren lassen kannst!”
    Die Tante schloss die Augen und fächelte sich enerviert Luft zu. Es war ein milder Frühlingstag, aber dennoch brannte im Kamin ein Feuer, sodass der Raum überhitzt war. Am liebsten hätte Leo die Fenster weit aufgerissen, unterdrückte jedoch den Drang. Er beugte sich vor und erwiderte ruhig, aber in festem Ton: “Exaltiere dich nicht so, Tante Ellen. Julian war volljährig und im vollen Besitz seiner geistigen Kräfte. Ich kann verstehen, dass diese Person nicht die Schwiegertochter ist, die du dir gewünscht hast, nehme indes an, dass er dir in dem Brief den Grund dafür erläutert hat, warum er die Ehe mit ihr eingegangen ist.”
    “Er hat irgendwelchen Unsinn darüber geschrieben, sie hätte seiner Hilfe bedurft, weil ihr Vater gestorben und sie in einer sehr misslichen Lage gewesen ist”, erwiderte Tante Ellen in hysterischem Ton. “Diesen Brief hat mein armer Junge offenbar unter Druck verfasst, oder er war bereits zu krank.” Sie schluckte und holte dann tief Luft. “Manche Passagen waren unleserlich und wahrscheinlich auch nicht von großer Bedeutung. Er enthielt ohnehin nicht viele Fakten, sondern nur die Bitte, Miranda freundlich aufzunehmen. Und jetzt weiß ich auch, warum Julian sich nicht ausführlicher über seine Frau geäußert hat.”
    “Verrate es mir, Tante Ellen.” Leos Stimme klang gelangweilt.
    Sie warf ihm einen wütenden Blick zu, zwang sich jedoch zur Mäßigung. Ihr war klar, dass er sie für etwas überspannt hielt, doch selbst er musste einsehen, dass sie sich zu Recht aufregte. “Diese Person, die sich die Countess of Ridgeway nennt, ist verrufen, Leo! Ich wäre nicht im Mindesten überrascht, wenn sie Ridgeway gar nicht geheiratet hätte. Andererseits war er ein Schwächling, doch das tut hier nichts zur Sache. Als ich von Julian erfuhr, er sei verheiratet, habe ich den Namen seiner Frau nicht mit dem Count of Ridgeway in Verbindung gebracht. Natürlich war ich enttäuscht, habe mir jedoch gesagt, dass er sich aus Großherzigkeit mit dieser Person vermählt hat. Du weißt, dass er immer sehr hilfsbereit war.”
    “Komm endlich zur Sache, Tante Ellen!”
    “Gestern habe ich von Lady Petersham, die zurzeit in Italien weilt, einen Brief erhalten, in dem sie mir schreibt, Ridgeway habe kaum nachdem er seine erste Gattin, ein reizendes, liebenswürdiges Geschöpf, zu Grabe getragen hatte, zum zweiten Mal geheiratet und sei mit seiner Gemahlin nach Italien gezogen. Er ist vor einem Jahr gestorben, und mein armer, armer Julian habe dann die Witwe zur Frau genommen.”
    Leo fragte sich, worauf die Tante hinauswollte. Schon vor einem Jahr hatte sie ihm von der Hochzeit seines Vetters und dessen Tod berichtet. Natürlich hatte es ihm leid getan, dass Julian gestorben war. Das traurige Kapitel war jedoch mittlerweile für ihn abgeschlossen gewesen. Jetzt stellte die Situation sich indes ganz anders dar, denn die Tante hatte ihm erzählt, ihre Schwiegertochter sei nach England unterwegs und gedenke, sich am nächsten Tag bei ihm einzufinden. Über diese Neuigkeit war er nicht erfreut.
    Seit achtzehn Jahren war er das Familienoberhaupt, inzwischen fünfunddreißig und überzeugt, über genügend Lebenserfahrung zu verfügen. Er wusste, er war attraktiv, strahlte jedoch eine gewisse Kühle aus, die manche Leute daran zweifeln ließ, dass er ein Herz hatte. Julian, der eine sehr gute Menschenkenntnis gehabt hatte, hätte diese angebliche Gefühlskälte als Schutzschild gegen die großen Belastungen bezeichnet, denen Leo schon von früher Jugend an ausgesetzt gewesen war, und als Folge des von ihm als oberflächlich und nichtssagend empfundenen Lebens.
    Er führte zwar ein geordnetes Dasein und verfügte über ein jährliches Einkommen von zwanzigtausend Pfund, hatte jedoch in letzter Zeit oft den Eindruck gehabt, es fehle ihm etwas. Wäre er sentimental gewesen, hätte er angenommen, er sehne sich nach Liebe, doch er war viel zu pragmatisch, um sich romantischen Neigungen hinzugeben.
    “Julian war bestimmt vernünftig genug, sich eine Frau zu nehmen, die weder seinem guten Namen noch seiner gesellschaftlichen Stellung Schande machte, Tante Ellen!”
    “Du scheinst noch immer nicht begriffen zu haben, Leo!”, entgegnete Mrs Fitzgibbon schrill. “Diese Person ist inakzeptabel. Mir ist völlig unerklärlich, warum er sie geheiratet hat. Wahrscheinlich hat sie sich bei ihm

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