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Midnight Breed 06 - Gesandte des Zwielichts-neu-ok-16.11.11

Midnight Breed 06 - Gesandte des Zwielichts-neu-ok-16.11.11

Titel: Midnight Breed 06 - Gesandte des Zwielichts-neu-ok-16.11.11
Autoren: Lara Adrian
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1
     
    BERLIN, DEUTSCHLAND
    Der Vampir hatte keine Ahnung, dass im Dunkel
der Tod auf ihn lauerte.
    In seiner Gier war er mit all seinen Sinnen
völlig auf die halb nackte Rothaarige in seinen Armen konzentriert, die ihn mit
kaum gezügelter Lust betatschte. Zu fiebrig, um zu bemerken, dass sie in seinem
Schlafzimmer im Dunklen Hafen nicht allein waren, öffnete er mit einem mentalen
Befehl die geschnitzten Türflügel und führte seine willige, keuchende Beute
hinein. Die Frau schwankte auf ihren hohen Absätzen, sie entwand sich ihm
lachend und drohte ihm mit dem Finger.
    „Hans, du hass mir zzu viel Schampuss
eingeflößt“, nuschelte sie und stolperte in den dunklen Raum.
    „Mir iss ganz komisch.“
    „Das geht vorbei.“ Auch der deutsche Vampir
klang undeutlich, wenn auch nicht vom Alkohol berauscht wie seine arglose
amerikanische Gefährtin. Seine Fangzähne füllten ihm den Mund aus, Speichel
überflutete seine Zunge in Vorfreude auf Nahrung.
    Er folgte ihr mit bedächtigen Bewegungen,
schloss die Tür hinter sich und schlich auf sie zu. Seine Augen glühten,
transformierten sich von ihrer natürlichen Farbe zu etwas Jenseitigem. Obwohl
die junge Frau die Veränderung, die er durchmachte, gar nicht zu bemerken
schien, hielt der Vampir seinen Kopf gesenkt, während er sich ihr näherte,
bemüht, die verräterische Hitze seines blutdurstigen Blicks zu verbergen. Außer
dem verdeckten bernsteinfarbenen Glühen seiner Augen und dem schwachen Glanz
der Sterne auf der anderen Seite der hohen Fenster, die auf das
Privatgrundstück des Dunklen Hafens blickten, gab es kein Licht im Raum. Aber
als Stammesvampir sah er auch ohne Licht.
    Genau wie der andere, der gekommen war, um ihn
zu töten.
    Aus den Schatten auf der anderen Seite des
großen Raumes beobachteten dunkle Augen, wie der Vampir seine Blutwirtin von
hinten packte und zur Sache kam. Als die erste kupfrige Duftwolke aus der
geöffneten menschlichen Ader drang, schossen die Fänge des Beobachters
reflexartig aus seinem Zahnfleisch. Auch er war ausgehungert, mehr, als er
zugeben wollte, aber er war zu einem höheren Zweck hierhergekommen, als seine
eigenen Grundbedürfnisse zu befriedigen.
    Was er wollte, war Rache. Gerechtigkeit.
    Diese Mission war es, die Andreas Reichens Füße
wie angewurzelt auf dem Boden hielt, während der andere Vampir am anderen Ende
des Raumes in blinder Gier trank. Er wartete, geduldete sich nur, weil er
wusste, dass der Tod dieses Mannes ihn der Erfüllung des Schwurs einen Schritt
näher bringen würde, den er vor etwa zwölf Wochen geleistet hatte... in der
Nacht, als seine Welt in Trümmer und Asche zerfallen war.
    Reichens Selbstbeherrschung war hauchdünn.
    Innerlich tobte er von der Hitze seiner Wut.
Seine Knochen fühlten sich unter seiner Haut an wie heiße Eisenstangen. Sein
Blut rauschte durch seinen Körper wie flüssiges Feuer, das ihn vom Scheitel bis
zur Sohle versengte. Jeder Muskel, jede Zelle in ihm schrie mit einer Wildheit
nach Vergeltung, die an nukleare Kernschmelze grenzte.
    Nicht hier, warnte er sich. Nicht so.
    Wenn er jetzt seiner Wut nachgab, würde er
einen hohen Preis dafür zahlen, und bei Gott, das war dieser Hundesohn nicht
wert.
    Reichen hielt diesen explosiven Teil seines
Selbst in Schach, aber die Anstrengung kam einen Sekundenbruchteil zu spät. Das
Feuer, das bereits in ihm anschwoll, brannte durch seine hauchdünne
Selbstbeherrschung...
    Der andere Vampir hob abrupt den Kopf vom Hals
der Frau. Er atmete scharf durch die Nase ein, dann grunzte er animalisch ...
beunruhigt. „Da ist wer.“
    „Was sagst du?“, murmelte sie, immer noch
benommen von seinem Biss. Er verschloss ihre Wunde mit seiner Zunge und stieß
sie von sich. Sie stolperte nach vorn, stieß dabei leise ein paar deftige
Flüche aus. Sobald ihr träger Blick auf Reichen traf, entfuhr ihr ein gellender
Schrei. „Oh mein Gott!“
    Reichen spürte, wie seine Augen von dem
bernsteinfarbenen Feuer seiner Wut schwelten und seine Fangzähne durch sein
Zahnfleisch stießen, in Bereitschaft für den bevorstehenden Kampf. Er trat
einen Schritt aus dem Schatten.
    Wieder schrie die Frau auf, ihr Blick voller
Panik, wilder Hysterie. Sie sah sich schutzsuchend nach ihrem Begleiter um,
doch der Vampir hatte keine Verwendung mehr für sie. Herzlos stieß er sie aus
dem Weg und preschte vorwärts. Durch die Wucht des Stoßes ging sie zu Boden.
    „Hans!“, schrie sie. „Um Gottes willen, was ist
hier los?“
    Zischend stellte sich der

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