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Merry Ex-Mas

Merry Ex-Mas

Titel: Merry Ex-Mas
Autoren: Sheila Roberts
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1. KAPITEL
    Wenn eine Frau sehr viel Glück hat, entpuppt sich hin und wieder ein Tag als genauso perfekt, wie sie ihn sich ausgemalt hat. Dies wird so ein Tag, dachte Cass Wilkes, als sie den Teller mit dem tranchierten Truthahn auf den Esstisch stellte.
    Lächelnd betrachtete sie noch einmal ihr Werk. Wirklich alles wirkte vollkommen – angefangen beim guten Porzellan und den funkelnden Kristallgläsern über das Thanksgiving-Gesteck, das sie im Blumenladen Lupine Floral gekauft hatte, bis hin zu dem köstlichen Duft nach Kräutern und Gewürzen, der durch ihr altes viktorianisches Haus zog. Wenn man aus dem Fenster im Esszimmer blickte, hatte man ein winterliches Postkartenmotiv vor Augen – die Bäume und Büsche ihres Vorgartens waren von frostigem Weiß umhüllt, und in der Ferne ragten schneebedeckte Berge gen Himmel.
    Sogar Frau Holle hatte ein Einsehen gehabt: Es hatte gerade rechtzeitig aufgehört zu schneien, damit die Straßen für die Reisenden wieder freigeräumt werden konnten. Anders als im letzten Jahr war Icicle Falls voller Touristen, die sich ein langes Wochenende gönnten. Das war natürlich gut fürs Geschäft, vor allem, wenn man eine Konditorei sein Eigen nannte. An diesem Wochenende würden Lebkuchenfiguren in allen erdenklichen Formen aus der Tür des Gingerbread-Hauses marschieren, und im Gegenzug würden die Dollars direkt auf Cass’ Bankkonto wandern – was eine gute Sache war. Denn sie vermutete, dass sie in absehbarer Zeit – vielleicht in einem Jahr oder so – eine Hochzeit würde ausrichten müssen.
    Aus dem Wohnzimmer drangen Freudengeschrei und lautes Klatschen. Vermutlich näherte sich das Footballspiel, das im Fernsehen übertragen wurde, dem Ende, und offenbar hatte das favorisierte Team einen Touchdown geschafft.
    „Okay, das war alles aus der Küche“, sagte Dot Morrison, Cass’ Mentorin und ehemalige Chefin, während sie eine Schüssel mit Truthahnfüllung sowie eine Schüssel mit Kartoffelbrei auf den Tisch stellte. Normalerweise hätte Dot mit ihrer Tochter Thanksgiving gefeiert, doch Tilda hatte Dienst, fuhr Streife und sorgte dafür, dass Icicle Falls geschützt wurde vor … ja, wovor eigentlich? Ihre Stadt war nicht gerade ein Hort der Kriminalität.
    Dot hatte sich zur Feier des Tages extra herausgeputzt. Sie trug Jeans und ein weißes T-Shirt mit einem Truthahn darauf, der ein Schild hochhielt, auf dem stand: „Geht neue Wege: Serviert Schinken.“ Dot, der das Breakfast-Haus gehörte, wo es das leckerste Frühstück der Stadt gab, hatte Cass vor Jahren dazu ermuntert, neue Wege zu gehen. Sie hatte ihr sogar das Geld geliehen, damit sie die Bäckerei aufmachen konnte. Damit hatte sie in Cass’ Augen ein lebenslanges Anrecht auf Einladungen zu Thanksgiving.
    „Sag den Clowns da drüben Bescheid“, sagte Dot jetzt. „Es gibt nichts Schlimmeres als kaltes Essen.“
    Cass fiel da so einiges ein, was schlimmer war … Steuern, Pilzinfektionen, Exmänner.
    O nein, sie würde sich ihren perfekten Feiertag nicht mit Gedanken an ihren Ex verderben. Dieser Mann, diese egoistische, unwürdige Ratte, die versucht hatte, die Kinder an diesem Wochenende zu einem Kurztrip nach Vail fortzulocken, der …
    Nein, nein, nein. Sie würde jetzt keinen Gedanken mehr an Mason verschwenden Schließlich war Erntedank, die Zeit, in der man dankbar für das sein sollte, was man hatte.
    Die drei Menschen, für die sie besonders dankbar war, saßen nebenan im Wohnzimmer – ihre Kinder Danielle, Willie und Amber. Danis Freund Mike war ebenfalls da. Zusammen mit ihrer Tochter kuschelte er in einem großen Sessel.
    Die zwanzigjährige Dani war die Älteste von Cass und ihre rechte Hand in der Bäckerei. Sie hatte die Leidenschaft ihrer Mutter für alles, was mit dem Backen zu tun hatte, geerbt. Nachdem sie ein Jahr am örtlichen College studiert hatte, hatte sie sich dafür entschieden, lieber Vollzeit in der Bäckerei zu arbeiten. Cass hatte gehofft, dass sie wenigstens noch ein Jahr lang zur Schule gehen würde, doch Dani hatte das nicht interessiert. „Von dir kann ich viel mehr lernen als von irgendeinem College-Professor“, hatte sie zu ihrer Mutter gesagt. Was das Backen anging, was sollte Cass da schon groß erwidern? Dani hatte ja recht.
    Amber, ihre Jüngste, saß mit hochgezogenen Beinen in einer Sofaecke und schrieb eine SMS. Noch vor wenigen Monaten hatte sie Cass ein paar weitere graue Haare beschert, weil sie mit Leuten herumgehangen hatte, mit denen keine Mutter ihr

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