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Meine Schwiegermutter ist cooler als deine

Titel: Meine Schwiegermutter ist cooler als deine
Autoren: dtv
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Behalter war und Unsinn von einer Wohnung in die andere geschleppt
     habe, von Braunschweig nach Hamburg nach München nach Grado: einen Nachtschrank aus Kindertagen, einen kaputten Deckenfluter,
     Nachschlagewerke aus meinem abgebrochenen Studium und eine bleischwere 5 000er-Rolle Adressaufkleber mit Lochung am Rand,
     wie es vor zwanzig Jahren für Drucker notwendig war. Konvertiten sind immer die schlimmsten. Daher schmeiße ich jetzt alles,
     wirklich alles, weg. Ich würde sogar mich selbst wegschmeißen, wenn es keine Verwendung mehr für mich gäbe.
    Laura ist ein Behalter. Ich vermute, die meisten Frauen sind Behalter. Wie ließen sich sonst die opulent gefüllten Kleiderschränke
     erklären? Lauras Spezialität: Sie benutzt leere Weinkartons, um Dinge darin aufzuheben und in unserer Garage zu stapeln. Leere
     Weinkartons gibt es bei uns reichlich, dafür sorge ich. Bloß versäumt Laura es, die Kartons auch zu beschriften. Inzwischen
     bräuchten wir einen Bergführer, um uns zwischen den Kartongebirgen in der Garage nicht zu verlaufen. Neulich wollte sich ein
     Freund von mir einen Bohrer ausleihen. Ich schickte ihn in die Garage. Ich habe ihn (den Freund, nicht den Bohrer) seitdem
     nicht mehr gesehen. Wahrscheinlich taucht er (der Freund, nicht der Bohrer) irgendwann wieder auf. So in circa 3 000   Jahren und mumifiziert. Wie Ötzi.

|42| Minnie kommt, und die Chinesen zittern
    Ja ja, schon klar, Italiener tragen dauernd Dolce & Gabbana und Gucci, und ihre Sonnenbrillen im Haar kosten mehr
     als ein Monatsgehalt. Aber wenn sie mal einen Dreierpack Schlüpfer brauchen oder Tennissocken, dann gehen sie auf den Markt.
     In jeder italienischen Stadt ist mindestens einmal pro Woche ein Hier-kriegst-du-einfach-alles-Markt; in Grado findet er samstags
     statt, und zwar in der Nebensaison auf der Isola della Schiusa und in der Hauptsaison hinten bei der Città Giardino. Falls
     Sie mich und Minnie mal einkaufen sehen wollen. Gemeinsam. Denn für die Samstage, die ich viel lieber am Meer, in einer Kaffeebar
     am Hafen, auf dem Golfplatz oder am besten an allen drei Orten nacheinander verbringen würde, hat Minnie ein unausgesprochenes
     Gesetz aufgestellt, das gewissermaßen qua Gewohnheitsrecht in unsere Familie dekretiert wurde. Es lautet: Sie und ich sind
     am Samstag auf dem Markt.
    Vor ein paar Monaten machte ich nämlich einmal den Fehler, ihr anzubieten, sie zum Markt zu begleiten. Das Angebot war nicht
     frei von Eigennutz, weil ich an jenem Vormittag auf die Kinder aufzupassen hatte, und ein Bummel über den Markt erschien mir
     allemal erstrebenswerter |43| als das vierzehnte Legen eines Dornröschen-Puzzles. Zudem kann Minnie in kritischen Situationen (Windeln) verlässlich mit
     anpacken. Also, ich bot ihr höflich an, sie auf ihrem samstäglichen Marktgang zu begleiten. Und seit diesem Tag ist es ein
     fester, ja unumstößlicher Bestandteil des Wochenendes, jeden Samstag von 10 bis 12   Uhr mit Minnie einzukaufen. Ich kann nichts dagegen machen, ich sitze am Samstag bei meinem Frühstück in einer Bar, und Minnie
     kommt rein, mustert mich kurz kritisch (sie will, dass ich mich »italienischer« anziehe, siehe auch Seite 56   f.). Dann bestellt sie mit lauter Stimme und ohne sich umzudrehen beim Barpersonal einen
caffè schiumato
; das ist wieder eine dieser italienischen Besonderheiten, die man auch nach langen Jahren nicht richtig durchschaut – es
     ist kein
caffè macchiato caldo
mit aufgeschäumter Milch, und es ist auch kein
caffè macchiato freddo
mit einem Schuss kalter Milch, sondern ein
caffè mit der Idee einer aufgeschäumten Milchkrone
, und Gott bewahre, sollte es aus Versehen doch einmal ein
caffè macchiato caldo
werden. Und dann ziehen wir los, mal mit Kindern, mal ohne.
    Der Markt und Minnie, das sind wirklich dicke Freunde. Diese Krimskramsmärkte sind italienweit fest in der Hand von Chinesen.
     Ganze Familien stehen an den Ständen, inklusive der halbwüchsigen Buben. Das mit den Chinesen war nicht immer so, doch die
     heimischen Verkäufer haben es von Jahr zu Jahr schwerer. Die wenigen wirklich italienischen Stände werben verzweifelt für
     ihre Produkte mit grünweißroten Fahnen oder mit Pappschildern, auf denen »Made in Italy« steht, aber der Kampf ist ziemlich
     aussichtslos. Wer mit einem der wenigen italienischen Marktstandbetreiber spricht, hört nur Klagen – so ähnlich wie |44| hierzulande bei den Taxifahrern, wo ja offenbar auch nichts mehr zu verdienen

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