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Max Perplex

Max Perplex

Titel: Max Perplex
Autoren: Hen Hermanns
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1.

    Das Gewerbe eines Privatdetektivs kann man gegen eine geringe Gebühr beim Ordnungsamt anmelden. Ein anständiges Firmenschild kriegt man in Köln jederzeit bei einem der über sechzig darauf spezialisierten Unternehmen. >Max Reinartz, Investigator< stand auf dem Schild an meiner Bürotür. Wenn man so einen Unsinn wie >Privatdetektei< oder >Ermittlungen< an der Tür stehen hat, beträgt das durchschnittliche Honorar 500 Mark pro Tag plus Spesen, dazu kommt manchmal noch eine Erfolgsprämie von rund 5000 Mark. Ist man Investigator, kann man das Honorar ungeniert verdoppeln. Es klingt einfach nach mehr, vielleicht, weil irgendwie auch Terminator drinsteckt. Voraussetzung ist natürlich in allen Fällen, daß man auch einen Klienten hat. Ich hatte bisher noch keinen. Aber ich war ja auch erst seit ein paar Wochen im Geschäft. Und im Schließfach meiner Bank lag eine Summe, mit der ich noch für eine ganze Weile gut über die Runden kommen konnte. »Wunschlosigkeit macht still, und die Welt wird von selber recht«, hatte der alte Meister Laotse im Tao te king geschrieben. Ein Klient würde also irgendwann schon kommen, da machte ich mir überhaupt keine Sorgen. Und bis dahin konnte ich in Ruhe die Welt mit staunender Ironie betrachten und alles ohne Böswilligkeit umwerfend komisch finden. Genau so, wie es sich für einen anständigen Taoisten oder einen, der gerne einer sein wollte, gehörte.

    Es war 11 Uhr. Ich ging runter zum Briefkasten. Ich machte Fortschritte. Zum ersten Mal seit vier Wochen hatte ich Post. An Max Reinartz, Investigator. Das war ich. Leider war es nur Werbung. Man bot mir einen Detektiv-Fernkurs an. Ich stieg wieder hoch, warf die Junk-Mail in den Papierkorb und öffnete das Fenster. Auf der Rückseite einer nach Osten abziehenden Störung verstärkte sich der Hochdruckeinfluß und führte milde Luftmassen heran. Für Ende Februar war es schon schön frühlingshaft. Von meinem Bürofenster aus konnte ich auf den Stadtgarten sehen, der immer mehr in Hundescheiße versank. Ich versank ins Grübeln.

    Ich gab meinem Leben als Privatdetektiv noch zwei Wochen. Dann würde ich mir eine bessere Geschäftsidee einfallen lassen müssen. Drüben öffnete gerade das >Stadtgarten-Restaurant<. Ich kriegte Lust auf ein Weizenbier und ging rüber.

    Ganz dicht war ich ja wohl nicht. Daß ich mit meinem alten Freund Hartmut Knodt vor ein paar Monaten für mehrere Stunden einen Waffenhändler beschattet hatte und uns dabei fünfhunderttausend Dollar in die Hände gefallen waren, bewies nicht unbedingt ein Talent für meinen neuen, selbstgewählten Beruf. Der Typ war mitten auf der Düsseldorfer Königsallee von Mossad-Leuten umgenietet worden, und ich hatte unbemerkt sein Geldköfferchen an mich nehmen können. Reine Chuzpe, mehr nicht. Aber ich fand das Detektivspiel auf jeden Fall besser und aufregender, als eine Werbeagentur oder ein Restaurant zu eröffnen, auch wenn ich in diesen Branchen mehr Erfahrung hatte. Und mit dem halben Liter Weizenbier im Bauch sah sowieso alles schon wieder ganz anders aus. Richtige Taoisten trinken zwar keinen Alkohol, aber da man das Tao auch nicht mit dem Tao erklären kann, gibt es keine richtigen Taoisten.

    Also orderte ich ein zweites Weizen. Die Kellnerin sah mich leicht vorwurfsvoll an. Sie hatte langes gelocktes Haar, das irgendwie von einem Haarband gebändigt wurde. Schwarzer Pulli, ein ziemlich scharfer schwarzer Mini, schwarze Strümpfe, schwarze Reeboks. Keine schwarzen Augen, sondern hellblaue. Meine Güte. »Neu hier?« fragte ich.
    »Ja, warum?«
    »Nur so, hab dich noch nie hier gesehen. Ich heiße Max.«
    »Sonst noch was, Max?«
    Klar, ich bin ein berühmter Privatdetektiv und habe gegenüber mein Büro, und da ist auch eine Klappliege drin, und ich stehe auf Lockenluder wie dich.
    »Keniaböhnchen mit Shrimps«, sagte ich. »Und wie heißt du?«
    »Schmitz.«
    »Kein Vorname?«
    »Nee. Sag einfach Schmitz zu mir. Sagen alle.«
    Schmitz nahm das leere Bierglas vom Tisch und stolzierte zur Theke. Schmitz gefiel mir. Ich merkte, daß mein Blick an ihr kleben blieb. Ich löste ihn, so gut es ging, und ließ ihn zur Wand schweifen. Was da hing, gefiel mir überhaupt nicht. Die großformatige Einfallslosigkeit der Möchtegern-Kunstszene. Schmitz war höchstens Anfang Zwanzig, rief ich mich zur Ordnung. Ich war also mindestens fünfzehn Jahre älter. Und erst gestern abend war mir mein Alter mal wieder schmerzlich klargeworden. Im Fernsehen wurde >Der

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