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Mama muss die Welt retten - wie Mütter vom Wickeltisch aus Karriere machen

Mama muss die Welt retten - wie Mütter vom Wickeltisch aus Karriere machen

Titel: Mama muss die Welt retten - wie Mütter vom Wickeltisch aus Karriere machen
Autoren: Aufbau
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ab August 2013 gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf einen Kitaplatz ab einem Lebensjahr – was toll ist, und für Frauen eine Menge verändern wird, wie ich glaube. Solange jedoch die Rahmenbedingungen für arbeitende Mütter nicht auch von Arbeitgeberseite aus flexibler gestaltet werden, wird dadurch nur ein Teil der Probleme von Frauen, die Kinder und Karriere gleichzeitig wollen, gelöst.
    Denn was passiert, wenn das Kind krank ist? Und kleine Kinder sind ständig krank. Das Kindergartenalter ist die Zeit, in der jeder Mensch gewöhnlich die meisten Infekte seines Lebens durchmacht. Zehn bis zwölf Infekte pro Saison seien in dieser Zeit normal, sagt meine Kinderärztin.
    Geschichten von meinen Mama-Freundinnen kenne ich dazu genug, so etwa von meiner Freundin Lisa, deren Zwillinge sich ständig mit dem Kranksein abwechselten. Die beiden sind jetzt vier und sie haben noch nie zwei, drei Wochen ohne Fieber geschafft. Einen treffe es immer, erzählt Lisa.
    Was sollte eine hochqualifizierte Akademikerin wie Lisa mit drei kleinen Kindern in der Berufswelt karrieremäßig also schon groß ausrichten können, wenn alle zwei Wochen zu Hause Husten und andere Atemwegserkrankungen ausbrechen? Theoretisch ist der Arbeitgeber in der Regel zwar dazu verpflichtet, der Mutter und dem Vater zehn Tage im Jahr bezahlt freizugeben. In der Regel wohlgemerkt.
    Aber was ist mit Frauen, die in Führungspositionen sind oder solche anstreben? Nicht jeder kann und will sich einen Babysitter leisten oder kann über Nacht einen auftreiben, wenn das eigene Kind kränkelnd zu Hause liegt, statt in die Kita gehen zu können. Und nicht jeder Job verzeiht es, wenn ein Großprojekt scheitert, man Abgabefristen verpasst oder eine wichtige Präsentation schwänzt, nur weil Junior die Windpocken hat.
    Laut der Münchener Karriereberaterin Madeleine Leitner unterschätzen viele Frauen diese Doppelbelastung und glauben, sie könnten mit Kindern genauso arbeiten wie bisher auch. Das sei jedoch nur selten so, aber Frauen sollten trotzdem stolz auf das sein, was sie leisten. Der Karriereknick für Führungskräfte lasse sich nur mit einer sehr kurzen Babypause komplett abwenden. Denn Mitarbeiterinnen in Teilzeit würden eben keine Topkunden beraten oder große Projekte leiten. Auch Neueinstellungen nach der Elternzeit könnten zum Problem werden: »Wenn ich zwei Bewerberinnen mit vergleichbaren Lebensläufen habe, eine mit kleinem Kind und eine ohne, hat die Mutter keine Chance«, verrät mir eine Freundin und Personalleiterin eines Verlages.
    So sprechen die Zahlen hier wieder einmal für sich: 97 Prozent der Vorstandschefs der börsennotierten Unternehmen in Deutschland sind Männer. 90 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen.
    Dabei stehen jeder Dritten weniger als 1015 Euro im Monat zur Verfügung, um sich und ein Kind zu versorgen. Denn oft arbeiten die Mütter nur in Teilzeit-Positionen. Was ich nur zu gut verstehen kann. Auch ich will als Redakteurin in Teilzeit in meine Zeitungsredaktion zurückkehren, da ich es bei der Aufgabenverteilung in unserer Familie für unrealistisch halte, mit einem Kleinkind Vollzeit arbeiten zu können. Redaktionsschluss für die erste Ausgabe ist täglich um sechs Uhr abends, das heißt, ich wäre erst um sieben bei meinem Sohn in der Kita. Wenn denn nichts dazwischenkommt, und eigentlich kommt doch immer etwas dazwischen. Maxime wäre also mit spätestens einem Jahr wochentags neun Stunden außer Haus. Ich würde ihn unter der Woche nur morgens anziehen, in der Kita abliefern und abends ins Bett bringen. Das ist mir einfach zu wenig. Zumal es in Berlin nur eine Handvoll Kitas gibt, die bis 19 oder 20 Uhr geöffnet haben, und diese oft Mitarbeitern im Schichtdienst von Krankenhäusern vorbehalten sind.
    Also bleibt nur die Teilzeitstelle. Laut Mikrozensus sind in der Bundesrepublik zwar 70 Prozent der Frauen berufstätig, allerdings arbeiten laut Bericht des Statistischen Bundesamtes rund 45 Prozent davon in Teilzeitbeschäftigungsverhältnissen. Allein in Hessen sind in den letzten zehn Jahren 100 000 solcher Stellen bei weiblichen Arbeitnehmern hinzugekommen. Das ist insofern eine gefährliche Entwicklung, als dass Teilzeitstellen auch Teilzeitrenten bedeuten, sprich eine Rente, die eigentlich nicht zum Leben reicht.
    Sofie Geisel hat sich als Leiterin des Netzwerkbüros »Erfolgsfaktor Familie« ausführlich mit dem Thema Teilzeitstellen in Deutschland beschäftigt: Der Haken an diesen Stellen sei, dass sie

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