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Magnolia Steel – Hexennebel

Magnolia Steel – Hexennebel

Titel: Magnolia Steel – Hexennebel
Autoren: Sabine Städing
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Prolog
    Professor Benjamin Schnuck war kein ängstlicher Mann. Sonst wäre er sicher nicht in die Mansardenwohnung unter dem Dach seines Museums gezogen. In eine Wohnung, deren nächste Nachbarn ägyptische Mumien, mongolische Reiterkrieger und ein sechs Meter hoher Tyrannosaurus Rex waren. Nein, ängstlich war Professor Schnuck nicht. Im Gegenteil, er hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, nach Museumsschluss einen letzten Rundgang durch alle Abteilungen zu machen, um sich zu vergewissern, dass die Fenster geschlossen und die Alarmanlagen eingeschaltet waren, bevor er sich in seiner Wohnung an den Schreibtisch setzte und mit dem Übersetzen maurischer Texte begann. Professor Schnuck war eine Koryphäe auf dem Gebiet der Ägyptologie und ein gefragter Experte alter Schriften.
    Auch am heutigen Abend drehte er noch eine letzte Runde durch das Museum. Nachdenklich blieb der Professor vor den hohen Flurfenstern stehen und blickte durch die blanken Scheiben zu einem milchigen Mond hinauf. Es war seltsam, welche Streiche einem die Ohren mitunter spielten, wenn man allein und alles um einen herum völlig still war. Gerade glaubte er, Schritte zu hören. Leise, tappende Schritte. Lauschend drehte er sich um. Nichts. Natürlich nicht!
    Gemächlich setzte er seinen Rundgang fort und schaute auch noch einmal bei den ägyptischen Mumien vorbei. Auch hier schien alles in bester Ordnung. Kanopen, Amulette und andere Schätze standen sicher verwahrt hinter verschlossenen Vitrinen, und auch die Sarkophage lagensäuberlich in Reih und Glied nebeneinander. Alles Zeugen einer längst vergangenen Zeit.
    Es war nur ein Gefühl, das den Professor innehalten und die Deckenbeleuchtung einschalten ließ. Irgendetwas stimmte nicht. Prüfend ließ Professor Schnuck seinen Blick durch den Raum gleiten. Tatsächlich! Der Deckel eines Sarkophags war verrutscht, sodass eine handbreite Öffnung zu sehen war. Das war wirklich ungeheuerlich. Gleich morgen früh würde er Herrn Sparbier, den Museumswärter, zur Rede stellen. Wieder und wieder predigte er seinen Mitarbeitern, gerade die ägyptische Abteilung im Auge zu behalten. Es war schließlich kein Geheimnis, welche Faszination die alten Mumien auf lebende Menschen ausübten. Es mussten mindestens drei Männer angepackt haben, um den schweren Deckel anzuheben, und so etwas durfte einfach nicht unbemerkt bleiben! Ärgerlich schaltete Professor Schnuck das Licht wieder aus und stieg die schmale Treppe zu seiner Wohnung hinauf. Er schlüpfte aus seinen Schuhen, kochte sich in der Küche einen Becher Jasmin-Tee und setzte sich mit der dampfenden Tasse an seinen Schreibtisch. Seit Tagen beschäftigte er sich mit einem äußerst interessanten Text der Sarazenen. Es ging darin um eine Rezeptur, mit deren Hilfe man das ewige Leben erlangen konnte. Im Schein seiner Schreibtischlampe versank das Zimmer um ihn herum in dunkle Schatten, und der Professor tauchte ein in die geheimnisvolle Welt der alten Schrift.
    Plötzlich glaubte er, ein leises Klingeln zu hören. Wie Schellen an einem Glockenbaum. Der Professor blickte kurz von seiner Arbeit auf und schüttelte den Kopf. Tappende Schritte, klingelnde Glöckchen, er musste wirklich einmal seine Ohren untersuchen lassen. Vielleicht arbeitete er einfach zu viel. Gerade beugte er sich wieder über seinen Text, als er erneut ein Geräusch vernahm, das in seiner Wohnung nichts zu suchen hatte. Es kam aus der Küche und erinnerte ihn an einen tropfenden Wasserhahn. Patsch   – patsch   – patsch. Unwillig stand der Professor auf. Was war denn heute Nacht bloß los? Hatte er etwa vergessen, denverflixten Hahn zuzudrehen? Mit Schwung betrat er die Küche und blieb wie angewurzelt stehen. Eine grüne, schleimige Masse tropfte aus dem Wasserhahn und sammelte sich in der Spüle. Überrascht trat der Professor näher. Was zum Teufel war das?
    Er sollte es nicht erfahren, denn das schleimige Etwas tropfte bereits über den Rand zu Boden und glitt lautlos wie eine Schlange zur Tür hinaus, weiter über den Flur, bis ins Arbeitszimmer.
    Fassungslos folgte Professor Schnuck dem unheimlichen was-auch-immer-es-war, und blieb erneut wie angewurzelt stehen. Er blickte geradewegs in die Mündung einer altertümlichen Pistole. Das musste ein schlechter Scherz sein, anders konnte sich Professor Schnuck das, was er dort sah, nicht erklären.
    Auf seinem Schreibtisch saß ein kleinwüchsiger Mann mit Schnabelschuhen und Narrenkappe und grinste ihn höhnisch an. In der einen Hand

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