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Mädchenhass und Jungenliebe (Junge Liebe )

Mädchenhass und Jungenliebe (Junge Liebe )

Titel: Mädchenhass und Jungenliebe (Junge Liebe )
Autoren: Benjamin Wagner
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nicht sagen, was Sache war, ohne Sätze zu formulieren, die wahrscheinlich er selber noch nicht einmal verstand.
    Dennoch räumte ich ihm genug Zeit ein, wenigstens mehrere Versuche zu unternehmen, um mir das zu sagen, was er mir sagen wollte.
    „Ich hab immer gedacht, ich würde nur für ein Mädchen solche Gefühle haben. Ich mein jetzt nicht unbedingt Sarah, auch wenn ...“
    Ich war drauf und dran, ihm beizubringen, was ein vollständiger Satz war.
    „Ach, ich weiß auch nicht. Ich find dich halt so toll, wie ich noch nie einen anderen toll gefunden hab.“
    Mir wurde nur schrittweise klarer, was er mir hier auf seine - komplizierte - Weise mitteilen wollte.
    „Du findest irgendwann wieder ein Mädchen, das dich glücklich machen kann. Dass das mit Sarah nichts werden würde, hätte ich dir auch vorher sagen können, aber damals hättest du nicht auf mich gehört.“
    Mal wieder hätte ich nicht darauf antworten können, wenn man mich gefragt hätte, warum ich diesen Scheiß laberte.
    „Ja, vielleicht. Aber wenn ich mir vorstelle, mit dir ...“
    Ich überlegte, wann er den letzten ganzen Satz gesprochen hatte. Ich konnte ja noch nicht wissen, dass wenige Sekunden später ein ganzer Satz mit Subjekt, Prädikat, Objekt und Liebesgeständnis folgen sollte.
    „Ich glaube, ich würde lieber mit dir zusammen sein, David.“
    Ich kann schwören, dass diese Worte bis an mein Lebensende in meinem Herzen eingraviert bleiben werden.
    Ihr Klang war schöner als alle Musik auf Erden. Ihr Inhalt war, als würden Milliarden der schönsten Träume gleichzeitig wahr werden.
    „Henning, ich liebe dich“, sagte ich. Es war nicht das erste Mal, dass ich das sagte, aber es war das erste Mal, dass ich die Antwort bekam, die mir sonst nur die entferntesten Träume gaben.
    „David, ich liebe dich auch. Ich hab die ganze Zeit gedacht, dass das einfach nicht sein konnte. Ich konnte nicht glauben, dass ich so bin. Alles war normal in meinem Leben, alles. Und dann kamst du und alles war anders, kannst du verstehen, was das für ein Gefühl war?“
    „Ich kann es nicht nur verstehen, ich kenne es. Es war bei mir genauso. Bevor ich dich kannte, war alles anders. Ich hab durch dich gemerkt, was ich in meinem Leben wirklich brauche.“
    Wir küssten uns. Die Zeit um uns schien still zu stehen und als wir voneinander abließen, sahen wir uns mit verliebten Blicken an. Niemand weinte, niemand rannte weg.
    „Aber eins musst du mir noch verraten“, sagte ich, während er sich fest an mich kuschelte. Die Frage war zwar völlig überflüssig, aber dennoch brannte sie in mir.
    „Wer ist dieser Typ, der dich im Gericht abgeholt hat?“
    Er sah mich an und ein leichtes Schmunzeln machte sich in seinem Gesicht breit.
    „Eifersüchtig?“
    „Eh ...“ Ich hatte ihn gerade erst gewonnen. Unsere Beziehung war in diesem Moment geboren, wie konnte ich da schon eifersüchtig sein.
    Sein Schmunzeln verwandelte sich in ein Grinsen.
    „Das war mein Bruder. Der ist 'n ziemlich korrekter Typ. Der ist der einzige Mensch, mit dem ich in der letzten Zeit über alles reden konnte. Ich hab ihm von dir erzählt und er hat alles verstanden. Ich wusste nicht, dass du ihn nicht kanntest. Er und Lukas sind doch im selben Fußballverein. Die kennen sich doch gut.“
    Lukas' Fußballwelt hatte mich noch nie interessiert, aber mir wurde auf einmal klar, woher Lukas eine Stunde nach meinem Freispruch so perfekt informiert war.
    „Dein Bruder ...“ Ich war natürlich erstmal erleichtert, hätte mir aber auch vor den Kopf hauen können, dass mir so eine simple Erklärung gar nicht erst gekommen war.
    „Du hättest also sein Auto ruhig sauber lassen können.“ Henning fing an zu lachen.
    „Woher ...“ Aber das war jetzt auch egal. Überhaupt war alles egal. Ich hatte Henning und Henning hatte mich. Noch einmal küssten wir uns und der Funken, den er in meinem Herzen entzündet hatte, entflammte lichterloh.
       
     
    Die wahre Liebe war bei mir angekommen.
    Ein Traum war in Erfüllung gegangen.
    Ganz weit hinten in meinem Kopf wusste ich, dass diese Liebe nicht unbedingt ewig halten musste.
    Es könnte sein, dass Henning irgendwann ein Mädchen finden würde, das ihm etwas geben können würde, das ich ihm niemals geben können werde. Genauso gut könnte es sein, dass mir irgendwann klar werden würde, dass meine wirklich große Liebe noch irgendwo anders mit offenen Armen wartet und wir vielleicht mit einer simpleren Vorgeschichte zueinander finden, die es

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