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Macabros 112: Totenheer "Nekromos"

Macabros 112: Totenheer "Nekromos"

Titel: Macabros 112: Totenheer "Nekromos"
Autoren: Dan Shocker
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Eve Taskin, Fotomodell aus Bristol, wohnte unweit des Piccadilly
Circus in einem fünfstöckigen Apartmenthaus unter dem
Dach.
    Die junge Frau war so etwas wie eine Karriere-Frau.
    Sie wußte stets, was sie wollte, und was sie wollte, das
bekam sie auch.
    Vor einem Jahr hatte sie sich vorgenommen, Berry Malcolm
kennenzulernen und ihn zum Traualtar zu führen. Malcolm war
reich und gehörte zu den begehrtesten Junggesellen der Insel.
Auf jeder Party kreuzte er mit einer anderen Begleiterin auf, und
seine Liebschaften und ausgefallenen Reisen waren das Kardinalthema
in den Klatschspalten der Regenbogenpresse.
    Eve Taskin schien entweder in der Tat eine
außergewöhnliche Frau zu sein – oder sie hatte den
Schürzenjäger und Weltenbummler verhext.
    Seit zwei Tagen war es amtlich: Berry Malcolm und Eve Taskin
wollten heiraten.
    Vor zwei Tagen traf ein Telegramm bei Eve Taskin ein.
    »Komme Donnerstag nach London + Stop + Bereite alles für
die Hochzeit vor + Stop + Kann ohne dich nicht mehr leben + Stop +
Trauung in der St. Pauls Cathedral + Stop + Flitterwochen in der
Karibik + Stop + Wir werden das glücklichste Paar + Stop + Deine
Wohnung am Piccadilly gibst Du sofort auf + Stop + Als künftige
Mrs. Malcolm lebst Du auf unserem Landsitz in Windsor + Stop + Alles
Weitere mündlich + Stop + In Liebe Berry +«
    Alle weiteren Fototermine hatte das Modell sofort abgesagt, auch
auf die Gefahr hin, für die geplatzten Termine eine saftige
Vertragsstrafe zu zahlen.
    Ihr Leben verlief seit dem Eintreffen des Telegramms in anderen
Bahnen.
    Sie wollte Berry zeigen, daß sie die Qualitäten
besaß, die er vermutete.
    Sie konnte organisieren. Zur Vorbereitung hatte sie achtundvierzig
Stunden Zeit.
    Die Tatsache, daß sie während der letzten Monate sehr
oft in Berry Malcolms Begleitung gesehen worden war, machte einiges
leichter.
    Eve Taskin rief einige maßgebende Leute an, die ihr durch
ihre Beziehungen behilflich sein konnten.
    Sie brauchte zwei Trauzeugen, einen Priester und eine für den
großen Tag reservierte Kirche.
    Gästeeinladungen waren nicht vorgesehen. Berry Malcolm hatte
für die Hochzeitsnacht bereits die Tickets gebucht. Die Maschine
in den fernen Süden startete noch vor Mitternacht…
    Weiteres war nicht bekannt. Berry Malcolm liebte
Überraschungen. Nicht mal seine engsten Freunde durften von dem
Ereignis wissen. So mußte Eve Taskin auch jene Personen zu
strengstem Stillschweigen verpflichten, die die Kirche für die
Trauung vorbereiteten.
    Eve fragte sich zwar, was eine Hochzeit ohne Gäste in einem
so riesigen Gebäude wie der St. Pauls Church sollte, aber in
diesem Fall erfüllte sie Berry Malcolms Wünsche umgehend.
Patriotismus und Nostalgie spielten bei Berry wohl offensichtlich die
entscheidende Rolle. In Londons berühmtem Gotteshaus war er
getauft worden, dort wollte er auch seine Trauung stattfinden
lassen.
    Eve Taskin war überzeugt davon, daß noch eine weitere
Überraschung folgte.
    Aber darüber zerbrach sie sich nicht den Kopf. Für sie
war nur noch maßgebend, daß die zwei Personen, die ihr
besonders am Herzen lagen, als Trauzeugen zu fungieren, auch
kamen.
    Eine Zusage hatte sie bereits.
    Es war die eines alten Bekannten. Er hieß Stuart
Mayburry.
    Sie konnte nicht ahnen, daß sie ebensogut Graf Dracula oder
das Monster Frankenstein hätte einladen können.
    Mayburry war ein Dämon, der sich seiner wahren
Persönlichkeit wieder erinnert hatte.
    In Eve Taskins Schicksal tickte eine Zeitbombe.
     
    *
     
    Ihr dritter Versuch, einen Tag vor der Hochzeit auch Pamela
telefonisch zu erreichen, war erfolgreich.
    Pamela Kilian war eine frühere Freundin von ihr. Sie lebte
ebenfalls in London. Wann immer es ihre Zeit zuließ, trafen sie
sich zu einem Drink oder Plausch. Das war in der letzten Zeit immer
seltener der Fall gewesen. Eve wurde von Terminen geradezu
aufgefressen, und Pamela war nur noch unregelmäßig
erreichbar. Vor drei Monaten hatte die aparte, rothaarige
Engländerin damit begonnen, mit einem Privatdetektiv
zusammenzuarbeiten. Pamela war eine hervorragende Sportlerin und
hatte ihre Fähigkeiten durch Kurse in chinesischen und
japanischen Kampfstil-Arten vervollkommnet.
    Als Mitarbeiterin einer Detektei kam ihr das zugute. Da
mußte man schnell, beweglich und in der Selbstverteidigung
ausgebildet sein, um Gefahren zu begegnen.
    »Na endlich!« Eve Taskin lehnte sich in den Sessel
zurück, streckte die Beine von sich und verdrehte die
schönen grünen Augen. »Seit zwei Tagen versuche

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