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Macabros 054: Femgericht der Kugelköpfe

Macabros 054: Femgericht der Kugelköpfe

Titel: Macabros 054: Femgericht der Kugelköpfe
Autoren: Dan Shocker
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Dr. Clark Longfield stieg langsam die Treppe empor.
    Er wirkte müde und abgeschlagen. Longfield, seit neun Jahren
Chefarzt der Klinik, sah um Jahre gealtert aus.
    Nachdenklich und ernst verließ er zu vorgeschrittener Stunde
den Keller. Hier unten hatte er sich vor gut zwei Jahren einen Raum
eingerichtet, der stets verschlossen war, zu dem nur er die
Schlüssel besaß und über den niemand hier in der
Klinik etwas Näheres wußte.
    Longfield fühlte sich schwach und abgeschlagen, er
führte seinen schlechten Zustand auch darauf zurück,
daß er voll im Streß stand und nichts für seine
körperliche Ertüchtigung tun konnte.
    Vor zwei Jahren war das noch anders gewesen.
    Da trieb er regelmäßig Sport und hielt sich damit
fit.
    Außer der täglich einfallenden Arbeit in der Klinik gab
es etwas, das ihn viele Stunden seiner Zeit kostete: das
Geschöpf im Keller, von dem niemand außer ihm etwas
wußte.
    Longfield atmete tief durch.
    Der Korridor lag mattbeleuchtet vor ihm. Stille herrschte in den
Krankenzimmern. Um diese Zeit – wenige Minuten nach Mitternacht
– spielte sich hier nicht mehr viel ab.
    Die Klinik, die einer privaten Gesellschaft gehörte, nahm
keine Schwerkranken auf. Hier kamen nur Frauen zur Entbindung. Es
handelte sich um eine Spezialklinik für Gynäkologie.
    Die Räume, wo die Neugeborenen lagen, waren schallisoliert.
Über Fernsehkameras wurden die Betten der Säuglinge
überwacht.
    Longfield, jetzt Mitte Vierzig, arbeitete am Tag zwischen
zwölf und vierzehn Stunden.
    Er drückte fast lautlos die Tür ins Schloß. Wenige
Schritte neben dieser Tür gab es den Aufzug. Den hatte er
früher immer benutzt, wenn er nach unten wollte. Jetzt zog er
das Treppenlaufen vor.
    Der Arzt warf einen Blick in die Wachstation, wo die
Nachtschwester ihren Dienst versah.
    Schwester Jane wandte den Kopf, als Longfield eintrat.
    »Sie sind immer noch hier, Doktor?« fragte sie
verwundert.
    Longfield nickte. Er nahm Platz im Sessel vor dem Fenster.
»Wie Sie sehen, Schwester – ja.«
    »Sie ruinieren Ihre Gesundheit, Doc.«
    Er zuckte die Achseln, lehnte sich zurück und schloß
halb die Augen. »Manchmal nimmt die Arbeit kein Ende,
Schwester.«
    Sie wußte nicht, daß er aus dem Keller kam. Schwester
Jane nahm offensichtlich an, daß er sich bis jetzt in seinem
Arbeitszimmer aufgehalten hatte.
    Absichtlich tat er so, als ob er dort länger als normal zu
tun hatte. Auch wenn er abends nicht mehr arbeitete, ließ er
das Licht brennen, und ein Schild vor der Tür kündete
davon, daß er nicht gestört werden wollte.
    Seine lange Anwesenheit in der Klinik erklärte sich auch
daraus, daß Dr. Longfield an einem Buch arbeitete, über
das er nichts Näheres hatte verlautbaren lassen.
    Er preßte die Augen zusammen und rieb sie sich.
    »Dann werde ich Sie jetzt nicht länger mit meiner
Anwesenheit irritieren, Schwester«, bemerkte er trocken und
erhob sich ruckartig. »Am liebsten würde ich jetzt hier
sitzen bleiben und gar nichts mehr tun. Aber bis nach Hause werde ich
wohl noch kommen.«
    Dr. Longfield hatte manchmal eine merkwürdige Art an sich. Da
sagte er einfach etwas, von dem man nicht wußte, ob man sich
darüber amüsieren oder es ernstnehmen sollte.
    Longfield wohnte nur wenige Schritte von der Klinik entfernt.
Jenseits des Parks gab es einen kleinen Hügel, wo mehrere
Bungalows standen. Einer dieser Bungalows gehörte dem
Junggesellen.
    Das Gelände lag ungefähr sechshundert Meter vom
Krankenhaus entfernt.
    »Irgendwelche Komplikationen sind wohl kaum zu
erwarten«, murmelte er beiläufig und wie in Trance, als
befände er sich mit seinen Gedanken ganz woanders. »Mrs.
Beverton schläft auch ruhig?«
    »Ja. Sie hatte am späten Abend noch mal heftige
Schmerzen. Ich habe ihr eine Spritze gegeben. Seither schläft
sie ruhig und tief. Ich war vor wenigen Minuten nochmal bei ihr im
Zimmer. Es ist alles in Ordnung, Doc.«
    Longfield nickte. »Dr. Harries weiß ja
Bescheid…« Er ging. Die Blicke der dunkelhaarigen Schwester
verfolgten ihn.
    Jane Osly war verwundert. Das sah man ihr an. Longfield machte
einen abwesenden und unkonzentrierten Eindruck. So stark wie heute
war ihr das noch nie aufgefallen.
    Es schien, als ob er noch etwas sagen wollte, aber dann
unterließ er es doch.
    Die schlanke, gutaussehende Jane ging noch bis zur Tür des
Raumes, von dem aus sie auch über die Monitore die
Säuglinge beobachten konnte, und blickte dem Chefarzt nach, wie
er zum Ausgang eilte.
    Schlüssel rasselten.
    Als

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