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Macabros 026: Elixier der Verdammnis

Macabros 026: Elixier der Verdammnis

Titel: Macabros 026: Elixier der Verdammnis
Autoren: Dan Shocker
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Mit einem Telefongespräch fing alles an…
    Sheila Martens, in Birmingham lebende Seherin, die von sich
behauptete, Gedanken und Nachrichten aus dem Jenseits zu empfangen,
war nicht erstaunt, als kurz vor zehn Uhr abends ihr Telefon
anschlug. Sie war es gewohnt, noch sehr spät Anrufe zu
empfangen. Sie war jedoch immerhin erstaunt, als der Teilnehmer sich
meldete.
    »Donovan Bradley«, sagte eine markante, angenehme Stimme
am anderen Ende der Strippe.
    »Der Donovan Bradley, der Schauspieler?«
    »Ja.«
    Zu ihrem Kundenkreis gehörten prominente Politiker, Maler und
Schriftsteller ebenso wie Schauspieler. Es war »in«, bei
Sheila Martens eine Sitzung abzuhalten, Kontakte zum Jenseits
aufzunehmen, und die daran teilgenommen und Fragen gestellt hatten,
waren begeistert und schockiert. Ein Leben nach dem Tod – gab es
das wirklich? Wenn man Sheila Martens erlebte, lautete die Antwort
klar und eindeutig: ja!
    Sie vermochte zu überzeugen, und auch die größten
Skeptiker mußten zugeben, daß von dieser kleinen,
unscheinbaren und jungen Frau etwas ausging, dem man sich nur schwer
entziehen konnte.
    Ihr Name war in bestimmten Kreisen bekannt und hatte einen guten
Klang. Sheila Martens wurde weiterempfohlen. Daß jetzt Donovan
Bradley sich meldete, erfüllte sie mit besonderem Stolz und mit
Genugtuung.
    Wer kannte ihn nicht – den Tausendsassa Callaghan, jene
tolle, vor Manneskraft strotzende Figur, die Bradley darstellte und
die ihm auf den Leib geschrieben schien? Woche für Woche erlebte
man seine neuesten Abenteuer auf dem Fernsehschirm. Dann waren die
Straßen in den englischen Städten und Dörfern wie
ausgestorben. Callaghan bannte die Leute vor die Röhren. Es gab
kaum jemand, der von den tolldreisten Abenteuern Callaghans –
zwischen Bett und Galgen, wie ein Kritiker mal amüsiert
geschrieben hatte – nicht begeistert war.
    Jerome Callaghan lebte im Mittelalter, konnte reiten, fechten,
Bogen schießen und lieben wie kein Zweiter. Wie ein Robin Hood
verbarg er sich mit seinen Vertrauten in den Wäldern,
überfiel die Reichen und gab den Armen. Die Soldaten des
Königs und die Sheriffs waren hinter ihm her, und mehr als
einmal sah es so aus, als ob Callaghans Kopf rollen würde. Doch
irgendeine Schöne – meist sogar aus dem feindlichen Lager
– war wieder mal dem Charme des tollen Callaghan erlegen und
versteckte ihn in ihrem Wäscheschrank, unter ihrem Bett oder
noch lieber darin. Die Soldaten des Königs und die Sheriffs
hatten dann wieder mal das Nachsehen.
    »Was verschafft mir die Ehre Ihres Anrufs. Mister Callaghan
– oh, pardon: Mister Bradley?«
    Der so angesprochene Schauspieler lachte leise. »Sie
können mich ruhig Callaghan nennen, Miss Martens. Das bin ich
gewöhnt. Die meisten kennen meinen richtigen Namen gar nicht
mehr. Vielen Kollegen ist das zwar ein Horror, wenn sie einer
Serienfigur nicht mehr entrinnen können, wenn sie
›abgestempelt‹ sind, wie man so schön sagt. Ich habe
nichts dagegen, noch lange Jerome Callaghan zu sein.« Wieder
erfolgte sein Lachen. Sheila Martens wurde an die Fernsehabenteuer
erinnert. So lachte er immer dann, wenn er seinen Häschern
entwischt war. »Warum ich anrufe: ich brauche Ihren Rat, Miss
Martens.«
    »Aber doch nicht jetzt?«
    »Ich habe von einem Kollegen gehört, Sie sollen ganz
entzückend sein. Ich hätte nichts dagegen, Sie noch zu
besuchen.« Der Callaghan, der er im Film war, griff auch auf
sein Privatleben über. »Aber das würde wohl nicht viel
nutzen. Die Sache ist folgende…« Donovan Bradley redete
nicht lange um den heißen Brei.
    Das Medium Sheila Martens erfuhr, daß Bradley die Absicht
hatte, in der Nähe von Coppers, einem kleinen, nur wenige
hundert Einwohner zählenden Dorf rund dreißig Kilometer
von London entfernt, ein altes, einsam stehendes Haus zu kaufen.
    »Ich habe es mir bereits angesehen, Miss Martens. Es ist
bildschön, liegt mitten in einem wildromantischen Park und ist
viele Kilometer von der nächsten Straße entfernt. Ein
Hinweisschild zu diesem alten Haus, das aus dem frühen
sechzehnten Jahrhundert stammt, gibt es nicht. Nur Eingeweihte kennen
es. Ich möchte dieses Haus gern kaufen, Miss Martens.«
    »Dann tun Sie es, wenn Sie es günstig bekommen
können.«
    »Die Sache hat einen Haken: ich bin sehr abergläubisch.
Es wird erzählt, daß es in dem Haus nicht ganz geheuer
zugeht…«
    »Ein Geister-Haus?«
    »Gewissermaßen ja. Zeugen behaupten, darin Schatten
gesehen und Stimmen gehört zu haben. Das Haus

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