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Macabros 015: Phantoma - Tochter der Finsternis

Macabros 015: Phantoma - Tochter der Finsternis

Titel: Macabros 015: Phantoma - Tochter der Finsternis
Autoren: Dan Shocker
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Sie wohnte in dem kleinen Haus hinter dem Wald. Das machte die
Sache so reizvoll. Nicht für ihn, sicherlich aber für alle,
die dieses Haus bisher besucht hatten, um die Freuden des Lebens
– wie man so schön sagt – in vollen Zügen zu
genießen. Die Frau mußte schon Klasse sein, daß die
Männer so auf sie flogen. Und sie war Klasse.
    Er kam in das Haus und wurde empfangen wie ein Fürst.
    Er behauptete, die Adresse von einem Freund erfahren zu haben. Das
stimmte nicht ganz. Er kam nicht nur zu seinem Vergnügen,
sondern hauptsächlich in Geschäften.
    Poul MacCatney hatte sich darauf spezialisiert, untreuen
Ehemännern und -frauen ein bißchen auf die Finger zu
sehen. Das Geschäft lief gut. Ein Beweis, daß die Moral
der Leute im Sinken begriffen war.
    Das abseits liegende Haus sollte ein Liebesnest sein. Poul
MacCatney nahm das nicht einfach hin.
    Er hatte den Verdacht, daß die Dame des Hauses eine
verkappte Mörderin war, denn einige ihrer männlichen
Besucher waren später nicht wiedergesehen worden.
    Die Wirklichkeit war schlimmer als sein Verdacht.
    Poul MacCatney hatte es mit Phantoma, der Tochter der Finsternis
zu tun, und ihr Haus war eine Schreckenskammer, die er kennenlernen
sollte.
     
    *
     
    Es war ruhig hier draußen.
    Keine Straße, kein Verkehrslärm.
    Ein leiser Hauch von Musik durchzog den Raum, der in ein
anheimelndes Licht getaucht war.
    Rustikale Einrichtung. Man konnte sich hier wohl fühlen.
    Dieses kleine Haus hatte ein ortsbekannter Industrieller erbauen
lassen und vor einem Vierteljahr als Schenkung einer gewissen Anne
Sitkens übergeben.
    Sie war schwarz und schlank. Wenn sie sich bewegte, brachte
MacCatney es nicht fertig, seinen Blick von ihren wiegenden
Hüften zu nehmen. Er fand, daß der Job, den er da
übernommen hatte, sich diesmal in jeder Hinsicht lohnte.
    Anne Sitkens war eine jener Frauen, denen man auf den ersten Blick
verfiel.
    Sie ging in das Nebenzimmer. Nach der Meinung des Schotten
brauchte sie sehr lange dort.
    Was tat sie da?
    Er erhob sich, näherte sich auf Zehenspitzen der
Verbindungstür und legte behutsam die Hand auf die Klinke.
    Er hatte sich vorgenommen, auf der Hut zu sein und alles zu
beobachten.
    Er preßte die Augen zusammen, weil ihn plötzlich ein
leichtes Schwindelgefühl ergriff.
    »Der Wein…« durchzuckte es ihn.
    Aber er hatte nur ein Glas getrunken. Einen schweren deutschen
Wein, eine Beerenauslese, den der Industrielle direkt aus Deutschland
bezogen hatte.
    War etwas in diesem Wein gewesen?
    Der Schotte konnte es sich nicht vorstellen. Er war sehr
vorsichtig gewesen und hatte aufgepaßt, daß auch Anne
Sitkens vom gleichen Wein trank. Er hatte sie sogar antrinken lassen,
bevor er einen Schluck nahm.
    Er schüttelte sich. In seinen Ohren summte es.
    »Poul!« vernahm er da wie aus weiter Ferne ihre
Stimme.
    Seine Rechte lag auf der kühlen Klinke. Er fühlte sich
angezogen von dem Raum dahinter und gleichzeitig hielt ihn eine
unerklärliche Angst davon ab, die Tür zu öffnen.
    Was war nur los mit ihm?
    Seine Hände zitterten. Eine ungekannte Unruhe erfüllte
ihn. Er fühlte sich so schwach, als würde sein Kreislauf
zusammenbrechen.
    Er hatte einen viel zu niedrigen Blutdruck und wußte, wie so
etwas anfing.
    Verdammt, aber ausgerechnet jetzt!
    Und dann noch bei Anne Sitkens! Es war zum Lachen. Eine solche
Frau brachte den Blutdruck in die Höhe, da fühlte man sich
topfit.
    »Komm herein!« hörte er ihre verführerische
Stimme.
    Anne wußte, daß er vor der Tür stand und
lauschte. Aber wieso?
    Er drückte die Klinke. Es war ihm alles egal. Er nahm einen
tiefen Atemzug und versuchte, die Benommenheit zu
verdrängen.
    Vielleicht war alles, was er über Anne dachte, gar nicht
wahr. Es war möglicherweise nur ihre Masche, sich in ein
Nebenzimmer zurückzuziehen, um die Spannung zu erhöhen. Sie
wußte, daß ein Gast nicht ewig auf ihre Rückkehr
warten würde und dann…
    Poul MacCatney schalt sich einen Narren, unterbrach seine Gedanken
und drückte die Tür weit auf.
    Was er sah, brachte ihn zum Schreien.
    Vor ihm wanden sich zwei riesige Schlangen auf dem Boden. Eine
schnellte sofort zwischen seine Beine und umschlang seine
Fußgelenke.
    Aber das war noch nicht alles.
     
    *
     
    Das Blut in seinen Adern erstarrte zu Eis. Der Atem stockte.
    Was er hier erlebte, konnte er nicht glauben.
    Er sah nur noch Schlangen.
    Wie die Glieder einer Kette, wie ein Vorhang hingen sie vor ihm.
Ihre harten gepanzerten Leiber schwangen leise hin und her.

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