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London Killing - Harris, O: London Killing - Belsey Bottoms Out

London Killing - Harris, O: London Killing - Belsey Bottoms Out

Titel: London Killing - Harris, O: London Killing - Belsey Bottoms Out
Autoren: Oliver Harris
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Aber es tat auch niemand so, als hätten sie nicht die gleichen Gründe dafür.
    Die Putzfrau übergab ihm mit einer feierlichen Geste die Schlüssel des Anwesens. Da, wo sie herkam, machte man das vielleicht so, dachte Belsey. Vielleicht sahen sie so was jeden Tag.
    »Darf ich Sie zu einem Drink einladen?«, fragte Belsey.
    »Nein«, sagte sie.

4
    Belsey fuhr am East-Heath-Parkplatz vorbei. Den Streifenwagen hatten sie abgeschleppt. Es war nichts mehr zu sehen, nicht mal die Glassplitter.
    Er grübelte darüber nach, welche Radarkamera ihn letzte Nacht aufgenommen haben könnte, welche Kameras das Gesicht des Fahrers aufzeichneten. Er hielt neben dem U-Bahn- Depot in der Highgate Road und blieb kurz im Wagen sitzen. Dann stieg er aus und tauchte in die schäbige Geschäftigkeit der Kentish Town Road ein.
    Was hatte er getan?
    Er ging ins Bürgerbüro und holte sich eine Broschüre mit dem Titel »Wege aus der Privatinsolvenz«. Dann ging er zu Tote, dem Buchmacherladen, wo an einer Plastiktheke heiße Getränke und Snacks verkauft wurden. Er hatte gerade noch genug Kleingeld für einen Kaffee. Belsey suchte sich einen Platz im hinteren Teil des Ladens. Er schluckte vier Paracetamol und blätterte in der Broschüre: Machen Sie eine Liste mit Ihren täglichen Ausgaben. Seien Sie ehrlich. Er legte die Broschüre mit der Vorderseite nach unten auf den Tisch.
    Die vergangene Nacht markierte einen Einschnitt in seinem Leben. Das spürte Belsey. Sie war eine Brandschneise. Er versuchte die Nacht vom Ende her zu rekonstruieren: vom demolierten Auto zurück bis zu den Ereignissen, die dazu geführt hatten. Der Wagen gehörte zum Revier Kentish Town. Wenn er in Kentish Town gelandet war, hatte er sich in der Gegend wahrscheinlich noch irgendwo einen Absacker genehmigen wollen. Er erinnerte sich jetzt, dass er in einem Laden in der Fortress Road Zigaretten hatte kaufen wollen, dass aber seine Brieftasche weg gewesen war. Das war einen Block vom Revier Kentish Town entfernt.
    Während er seinen Kaffee trank, kamen die ersten Zocker des Tages herein. Er stand auf und überließ sie ihrem Glück.
    Der Empfang im Revier Kentish Town war mit einem Polizeianwärter besetzt: ein Frischling, vielleicht neunzehn, gebleichtes blondes Haar. Belsey zeigte seine Marke.
    »Nick Belsey. Revier Hampstead. Hab gehört, euch ist ein Streifenwagen abhandengekommen.«
    »Richtig.«
    »Wann war das?«
    »Gemeldet um 3 Uhr 17.«
    »Inspector Gower würde gern die Bänder sehen.«
    Der Frischling schaute verunsichert. »Die Aufzeichnungen von unserem Parkplatz?«
    »Richtig. Wissen Sie, wo die aufbewahrt werden? Ich meine, wo die Festplatte ist, auf denen die Aufnahmen gespeichert werden?«
    »Ja.« Dann tauchte Detective Constable Robin Oakley auf, und Belsey sah seine Felle schon davonschwimmen. Belsey und Oakley hatten zusammen an Lehrgängen teilgenommen. Er fuhr einen Nissan GT-R, sammelte Kampfsportwaffen und war ein Großmaul.
    »Nick«, sagte Oakley und beäugte Belseys Schnittwunden. »Was ist mit deinem Gesicht passiert?«
    »Sind letzte Nacht ein Handy und eine Brieftasche abgegeben worden?«
    »Warum?«
    »Weil ich meine verloren habe«, sagte Belsey.
    Oakley fand das sehr komisch. »Hat irgendwer Nick Belseys Brieftasche abgegeben?«, brüllte er. »Die könnte überall sein, Nick. Wenn du weißt, was ich meine?«
    »Nein.«
    Oakley grinste. Der Frischling schaute verwirrt. »Soll ich mich jetzt um die Sache mit dem Parkplatz kümmern?«
    »Ist schon okay«, sagte Belsey. »Nicht so wichtig.«
    »Welche Sache mit dem Parkplatz?«, fragte Oakley.
    »Nichts. Hast du eine Zigarette?«
    Sie gingen nach draußen. Oakley zog eine Zehnerpackung Superkings aus seiner Brusttasche und gab Belsey eine.
    »Was ist los mir dir, du durchgeknallter Mistkerl?«, sagte Oakley.
    »Hast du mich letzte Nacht gesehen?«
    »Halb London hat dich gesehen.«
    »Wo war ich?«
    »Hast du mit deinem Boss gesprochen?«
    »Gower? In letzter Zeit nicht.«
    »Jesus!« Oakley musste sich sehr zusammenreißen, um nicht laut loszulachen, das war ihm anzusehen. »Wo bist du gelandet?«
    »Warum?«
    »Nick, du musst unbedingt mit Gower reden.«
    »Also gut. Was habe ich angestellt?«
    »Irgendwann warst du im Lorenzo’s.«
    »Jesus!« Belsey schloss die Augen. Lorenzo de Medici’s war eine koksverseuchte Spelunke hinter der Tottenham Court Road. Tagsüber war Lorenzo’s ein mittelmäßiger Pasta schuppen, aber er hatte eine Alkohollizenz bis fünf Uhr morgens und wurde

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