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Löffelchenliebe (German Edition)

Löffelchenliebe (German Edition)

Titel: Löffelchenliebe (German Edition)
Autoren: Julia Kaufhold
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die ihre Urlaubsfotos herumzeigen, und wenn die Bilder auch noch gut sind, also nicht so Fotos, auf denen ein Pärchen vorm Eiffelturm oder vorm Las-Vegas-Schild mit abgeschnittenen Füßen rotäugig in die Kamera starrt.
    Oder wenn ich sonntags beim Joggen an der Alster einen Hürdenlauf um Paare mit Kindern veranstalte, die selig lächelnd riesige Eistüten vor sich hertragen. Kein Wunder, dass ich nur einmal im Jahr joggen gehe ! Ach, oder wenn ich sonntagabends alleine Tatort gucke und mir vorstelle, wie viel schöner es wäre, einen Mann neben mir sitzen zu haben, an dessen warme Seite ich mich schmiegen und zu dem ich sagen kann: Bäh, ich kann den Schlauchbootlippen-Schmollmund der Thomalla nicht mehr sehen – den ich dann nachmachen würde, was viel lustiger wäre, als die Lippen alleine, ohne Publikum umzustülpen. Ich kann das übrigens ziemlich gut, meine Oberlippe berührt dabei fast die Nasenspitze, schade, dass es hier keine Videobotschaft wie bei Nur die Liebe zählt gibt.
    Apropos: Sehr, sehr selten rutscht mir die Hand auf der Fernbedienung aus und, schwups, bin ich bei Kai Pflaume oder auf den Klippen von Cornwall gelandet. Und schon dreht jemand den Wasserhahn in meinen Augen auf. Jetzt haben sie Nur die Liebe zählt auch noch abgesetzt, da kann ich ja lange warten,dass was passiert. Denn was ich mich eigentlich gar nicht traue, laut zu sagen: Ich bin so weit, dass ich freudig aufspringen würde, wenn Kai Pflaume plötzlich an meine Tür klopfte: »Hast du eine Ahnung, Anna, wer dich überraschen möchte ?« Ich würde rufen: »Nein ! Aber können wir jetzt endlich in den Love-Caravan ?«
    »Huhu, Erde an Anna: Ziehst du die an, oder sollen die in den Koffer ?«
    Ich starre verwirrt auf die blitzblank geputzten Stiefel in Inas Hand. Hm, das ist wieder so eine Grundsatzfrage: schmerzfreie Zwergin oder Selbstbewusstsein auf Hühneraugen ? Ich glaube, ich packe einfach vier Paar Stiefel ein, zwei schwarze und zwei braune, je einmal mit flachem und mit hohem Absatz. Ach ja, und Pumps. Auch vier Paar. Man weiß ja nie.
    »Triff dich doch noch mal mit dem zweiten Klaus. Der war doch ganz nett, oder ?«
    »Unter gar keinen Umständen ! Eher gehe ich ins Kloster.«
    Klaus 2 war das dunkelste Kapitel meiner Blind-Date-Geschichte. Und das, obwohl die erste Stunde unseres Treffens ausgesprochen gut verlief. Erst quatschten wir darüber, wie peinlich wir beide es im Grunde finden, bei einer Online-Singlebörse angemeldet zu sein, dann darüber, wie typisch es für jeden von uns ist, sich über die Dinge zu stellen, statt offen zu sagen: Ja, ich suche einen Partner. Dann lachten wir und redeten über unsere Lieblingsfilme, die sich einander erstaunlich ähnelten. (Natürlich hatte ich nur eine bestimmte, männeradäquate Auswahl meiner Lieblingsfilme aufgezählt und meine persönlichen Evergreens wie Dirty Dancing , Before Sunrise oder Die Brücken am Fluss sowie alle Filme mit Hugh Grant geflissentlich unterschlagen.)
    Als ich von der Toilette zurückkam, passierte es.
    »Du«, sagte Klaus 2, »da hinten ist was mit deinem Rock.«
    Ich tastete nach hinten, das Blut schoss mir ins Gesicht. Der Klassiker ! Statt des Rocks befühlte ich meine dick ausgebeulte Strumpf- und Unterhose, immerhin meine schönste – was in diesem Augenblick ein schwacher Trost war –, in die sich das Hinterteil des Rocks verfangen hatte. Schlimmerweise wurde in diesem Augenblick, wie so oft, wenn mir etwas Peinliches passiert, meine unglückliche Neigung aktiviert, so zu tun, als sei alles volle Absicht.
    »Das muss so«, sagte ich betont beiläufig und: »Was hältst du eigentlich von Memento ?«
    »Das sah aber vorhin noch ganz anders aus.« Klaus ließ nicht locker.
    »Also ich fand bei Memento ja großartig, wie die Geschichte rückwärts erzählt wurde. Da musste man ganz schön mitdenken. Ach, und hast du Dogville gesehen ?«
    Das Gespräch wollte nicht mehr so recht in Gang kommen. Irgendwann fragte Klaus halbherzig: »Wie fandest du Fight Club ?«
    »Supergut !«, rief ich im Brustton der Überzeugung und zupfte heimlich an meiner Windel. Zu meiner Schande hatte ich den Film nie gesehen, aber ich wusste, dass es einer der Filme ist, die man gesehen haben muss.
    »Und was hat dir daran besonders gut gefallen ?«, fragte Klaus und schielte auf mein ausgestopftes Hinterteil. Und dann auf mein tief ausgeschnittenes Dekolleté. Unauffällig schob ich die Brust ein wenig weiter vor.
    »Äh, na, die Kämpfe. In dem Club«, sagte

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