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Liebster Mitbewohner

Liebster Mitbewohner

Titel: Liebster Mitbewohner
Autoren: Fiona Winter
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hervorrief, herunter. „Was machst du hier?“, fragte ich freundlich. Und fügte mit einem scharfen Seitenblick auf Daniel hinzu: „Ich wusste gar nicht, dass ihr beide noch Kontakt habt.“
    „Ich wüsste nicht, was dich das anginge.“
    Nur mit Mühe gelang es mir, Felix‘ scharfem Blick standzuhalten.
    „Also… das ist jetzt wirklich eine blöde Situation“, sagte Daniel unbeholfen. „ Felix, ich weiß nicht, ob du das mitbekommen hast… aber Maja würde auch gerne hier wohnen. Ich habe echt keine Ahnung, was ich machen soll. Von mir aus könntet ihr auch gern beide bleiben. Vielleicht macht ihr das am besten unter euch aus?“ Ein hoffnungsvoller Blick erst zu Felix, dann zu mir.
    Fast tat er mir leid. Aber wirklich nur fast. Ich war ewig mit ihm befreundet – eigentlich stand mir seine volle Unterstützung zu. Dafür, dass er mir diese verweigerte, sollte er eigentlich hierbleiben und weiterleiden. Doch seine Anwesenheit machte die Situation nicht unbedingt einfacher. Also nickte ich. Mit einem dankbarem Blick zog er sich in sein Zimmer zurück.
    Als ich mich wieder Felix zuwandte, war der Platz, an dem er eben noch gestanden hatte, leer. Aus den Augenwinkel sah ich, wie seine Zimmertür von innen zugeschoben wurde. Ich reagierte ohne Nachzudenken. Mit einem großen Schritt platzierte ich meinen Fuß zwischen Tür und Rahmen.
    „Was soll das?“, kam es ärgerlich von innen. Felix verstärkte den Druck auf die Tür.
    Doch ich trug meine schweren Winterstiefel. Da konnte er drücken, wie er wollte. „Du hast Daniel gehört. Wir sollen das unter uns klären.“
    Mit einem genervten Seufzer öffnete Felix die Tür gerade so weit, dass er mich ansehen konnte ohne sich den Hals zu ver renken. „Da gibt es nichts zu klären. Ich wohne hier. Du nicht.“
    „Aber ich brauche dieses Zimmer. Ich weiß nicht, wo ich sonst hin soll!“
    „Wo genau ist das mein Problem?“
    „Was machst du überhaupt hier?“, rief ich wütend. „Bist du nach dem Zivi nicht nach Berlin gezogen? Warum bist du auf einmal wieder in der Stadt? Und warum suchst du dir nicht vorher eine Wohnung?“
    „Warum nimmst du nicht das Angebot von deinem Ex an und bleibst bei ihm, bis du was Neues gefunden hast?“
    Ich erstarrte. Hatte er etwa alles, was ich Daniel im Flur erzählt hatte, mit angehört? Ich spürte, wie mir das Blut ins Gesicht schoss. „Das geht dich überhaupt nichts an!“
    „Meine Rede. Wenn du jetzt freundlicherweise deinen Fuß aus meiner Tür nehmen könntest?“
    „Vergiss es!“ Ich verpasste der Tür einen Stoß, so dass sie in Felix’ Richtung aussc hlug. Er rettete sich mit einem Sprung nach hinten aus der Gefahrenzone. Ich nutzte die Gelegenheit und schob mich ins Zimmer.
    „Geht’s noch?“, giftete Felix. „Das ist mein Zimmer!“
    „Jetzt nicht mehr.“ Ich sah mich um. Der etwa fünfzehn Quadratmeter große Raum wirkte ungewöhnlich leer. An Möbeln gab es nur, was Daniels Ex-Mitbewohner dagelassen hatte: Das breite, sperrige Bett mit eine m metallenen Nachtisch daneben, einen hässlichen alten Kleiderschrank und ein Monster von einem abgenutzten Sofa. Ich ließ mich auf dem schwarzen Lederbezug eben jenes Monsters nieder. „Ich bleibe hier. Entweder du gehst freiwillig… “
    „Oder?“ Felix starrte kalt auf mich herab.
    Ich zuckte mit den Achseln. „Ich brauche eine Unterkunft, ob ich sie jetzt mit dir launischer Zicke teilen muss, oder nicht.“
    „ Teilen? “
    Ich antwortete nicht, doch streckte mich demonstrativ auf dem Sofa aus.
    „Du hast sie ja echt nicht mehr alle! Ich teile mein Zimmer nicht!“
    „Dann geh doch.“ Ich schenkte ihm ein liebenswürdiges Lächeln.
    Felix sah aus, als würde er mich jeden Moment am Kragen packen und eigenhändig aus dem Zimmer schleifen.
    Ich krallte mich vorsichtshalber am Sofa fest, bereit, so viel Widerstand wie möglich zu leisten.
    Felix machte einen Schritt auf mich zu, die Hände zu Fäusten geballt.
    „I ch bin stärker, als ich aussehe“, warnte ich. Das stimmte. Trotzdem blieb ich eine eins sechzig kleine Person und Felix eine mindestens eins achtzig große. Ich versuchte, überzeugend und furchtlos auszusehen.
    Felix starrte mich an und plötzlich hob sich sein rechter Mundwinkel. Nur minimal, doch es erinnerte trotzdem an ein äußerst schiefes Lächeln. Dann war es auch schon wieder vorbei und zurück blieb der bekannte grimmige Gesichtsausdruck. Einen Moment lang stand er so da, dann entspannten sich plötzlich seine

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