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Liebling verzweifelt gesucht

Liebling verzweifelt gesucht

Titel: Liebling verzweifelt gesucht
Autoren: Bettina Eveline u Lemke Kosenbach
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Ich lebe für die Tiere
    Tiere habe ich schon immer geliebt. Meine ersten Lebensjahre verbrachte ich in einem idyllischen Bergdorf im österreichischen Pinzgau in der Nähe von Zell am See. Unser Haus war umgeben von Bauernhöfen. Tiere gehörten zu unserem Leben dazu. Die Hühner von den Nachbarhöfen liefen auf der Straße herum, es gab Hunde, Katzen und Kühe auf den Weiden. Hin und wieder stand eine Kuh mitten in unserem Garten. Wenn das passierte, brachten wir sie ohne viel Aufhebens wieder auf ihre Weide zurück. Es war für uns normal, gut mit den Tieren umzugehen. Meine Familie hatte einen Hund und mehrere Katzen.
    Als ich erwachsen war, habe ich mir in meiner ersten eigenen Wohnung in München ein Aquarium mit Fischen zugelegt. Oft saß ich stundenlang davor und beobachtete das bunte Treiben hinter den Glasscheiben. Es hatte etwas so Beruhigendes. Mein nächstes Tier war ein Hamster. Ich übernahm ihn von einem Bekannten, der ihn nicht mehr haben wollte. Danach hatte ich ein Kaninchen. Leider mochte es keine Artgenossen. Es war ein Albino mit roten Augen und einem chronischen Schnupfen. Auch dieses Tier hatte ich von einer Frauaus meinem Bekanntenkreis übernommen, da sie es nicht länger betreuen konnte. Einen Garten hatte ich damals nicht, aber das Kaninchen durfte frei in meiner Wohnung herumlaufen. Sein Käfig stand immer offen. Ich hing sehr an ihm und versuchte alles Mögliche, um seinen Schnupfen wegzubekommen, doch auch zahlreiche Besuche beim Tierarzt halfen nicht weiter. Trotzdem ist es acht Jahre alt geworden.

    Danach hatte ich nacheinander mehrere Hunde aus dem Tierheim. Alle waren aufgrund ihrer Vorgeschichte besonders pflegebedürftig. Da war zum Beispiel Dingo, ein kleiner Mischling, der aus dem Kosovo stammte. Er war von einer engagierten Tierfreundin aufgelesen worden, die zahlreiche herrenlose Tiere aus dem ehemaligen Kriegsgebiet gerettet hat, die dann in Deutschland an tierliebe Menschen vermittelt wurden. Die Tiere konnten erst an der Grenze von Vertretern der deutschen Tierschutzvereine in Empfang genommen werden. Dingo fehlte ein Bein, aber er war ein unglaublicher Kämpfer und sein Lebenswille reichte für zwei Hunde. Trotz seiner Behinderung kam er sehr gut zurecht und man spürte, dass er »da sein« wollte. Er war ein fröhlicher kleiner Kerl. Zu der Zeit, als Dingo bei mir war, nahm ich zudem die langhaarige Perser-Chinchilla-Katze Sandy aus dem Tierheim auf. Sie war völlig abgemagert in einem Schacht gefunden worden und verstand sich überhaupt nicht mit ihren Artgenossen. Aber sie mochte Hunde. Dingo gegenüber verhielt sie sich absolut cool, obwohl der anfangs sehr skeptisch war und ziemlich unfreundlich dreinblicken konnte. Irgendwie wusste sie, wie sie mit ihm umgehen musste. Sie marschierte seelenruhig an ihm vorbei, während er sie angespannt fixierte. Nach einem halben Jahr hatte er sich an sie gewöhnt und akzeptierte sie. Oft lagen sie – mit gebührendem Abstand – gemeinsam auf dem Bett. Erauf der einen, sie auf der anderen Seite, ohne sich dabei anzusehen. Es war, als hätten sie stillschweigend ein Übereinkommen getroffen, dass jeder der Beteiligten ein bestimmtes Herrschaftsgebiet für sich beanspruchte, das vom anderen auch nicht infrage gestellt wurde. Ein Bild für die Götter.

    Seit ich im Tierheim arbeite, betreue ich in besonderen Fällen vorübergehend auch Pflegehunde. So war zum Beispiel einmal ein sehr alter Hund bei mir, dessen Besitzer ins Krankenhaus musste. Es gab keine Angehörigen oder Freunde, die sich um das Tier kümmern konnten. Und für den Hund wäre ein Aufenthalt im Tierheim eine zu große Belastung gewesen. Aber bei aller Tierliebe muss man auch vernünftig bleiben und oft Nein sagen. Sonst gerät man in Gefahr, sich selbst zu vernachlässigen.

    Seit einigen Jahren ist der schwarze Chow-Chow-Mischling Shadow mein treuer Begleiter. Er kommt ebenfalls aus dem Tierheim. Er war als junger Hund in einem finsteren Schuppen gehalten worden und hatte anfangs panische Angst davor, im Dunklen alleine zu bleiben. Außerdem leidet er an Arthrose und einer Allergie. Seine Panik hat er mittlerweile überwunden. Heute kann ihn nichts mehr aus der Ruhe bringen. Natürlich ist seine Pflege etwas aufwendiger als bei einem rundum gesunden Hund. Aber auch kranke, schwierige oder einfach pflegebedürftige Tiere haben es verdient, dass wir uns um sie kümmern. Sie danken es uns jeden Tag mit ihrer Liebe und Treue.
    Bevor ich begann, im Münchner Tierheim

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