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LIEBE DEINEN NÄCHSTEN Noah Fitz Thriller (German Edition)

LIEBE DEINEN NÄCHSTEN Noah Fitz Thriller (German Edition)

Titel: LIEBE DEINEN NÄCHSTEN Noah Fitz Thriller (German Edition)
Autoren: Noah Fitz
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schritt er auf den Eingang zu. Die Tür war nur angelehnt und nicht abgeschlossen. Ohne ein knarrendes Geräusch von sich zu geben, schwang die alte schlichte Tür auf. Raphael spürte die kalte Klinke der kleinen Tür in seiner Hand. Einem Déjà-vu gleich, blieb er wie angewurzelt stehen. Das Innere des Gotteshauses sah genauso aus wie vor dreiundzwanzig Jahren. Die gleichen Blumen zierten die Bänke, auch der weiße Blumenstrauß befand sich über dem Altar. Raphael konnte die Tränen nicht zurückhalten, noch nie war er sentimental gewesen, bis zum jetzigen Augenblick. Raphael lief durch den geschmückten Mittelgang der alten Kirche, so wie damals, nur ohne seine Braut und ohne Gäste. Zwei Stühle standen vor dem Kreuz Jesu. Raphael schaute zur schmucklosen Decke. Er sah den Erzengel Gabriel, etwas fehlte an der weißen Skulptur, es war anders als damals.
    Schließlich fiel es ihm wieder ein. Der lange spitze Dolch. Einer Legende nach war die Waffe ein Sakrileg. Die schlanke Waffe konnte einem Sterbenden eine zweite Chance geben. Wenn man inständig seine Sünden bereute und sein Herz vor Gott ausschüttete, durfte der Reumütige sein Leben wiederholen. Ab dem Punkt an, an dem er seine Todsünde begann. Nur musste man von der heiligen Waffe sterben, durch einen Stoß ins verdorbene Herz des Sünders. Raphael schauderte immer bei der biblischen und wie so oft unglaubwürdigen Geschichte. Wer würde sich wohl umbringen lassen, damit er vielleicht sein Leben neu gestalten konnte?
    Tief in seinem Unterbewusstsein hörte er seine eigene Stimme: „Du.“
    Raphael winkte diese irrsinnigen Wahnvorstellungen beiseite. Wer an nichts glaubt, darf keine Wunder erwarten. Er glaubte an kein Leben danach und keine zweite Chance, die jeder einmal in seinem Leben bekommen kann . 'Man muss nur daran glauben' , so ein Schwachsinn.
    Er senkte seinen Blick von der Decke, es tat in seinem Nacken weh. Ein Luftstrom ließ ihn erschaudern, dem schenkte er jedoch keine Aufmerksamkeit. Morgenstern dachte an seine Frau Daniela.
    Das Gesangbuch lag auf dem rechten Platz, so wie auch damals. Raphael nahm es an sich. Der Stuhl knarzte leise, als er sich setzte und das Buch auf der angegebenen Seite aufschlug. Anstatt eines Liedes lag da ein von Hand beschriebenes Blatt Papier mit Fotos ihm zuerst unbekannter Frauen und auch Männer. Der trübe Schleier aus Vergessenheit entschwand, die Gesichter krochen aus seinem Gedächtnis heraus. Als Raphael sich die Augen grob mit dem Handrücken von den sich anbahnenden Tränen trocken rieb, erkannte er darin die Opfer. „Gabriella, Maria, Eva, Tamara, Klaudia“, es waren die Namen der fünf verstümmelten Prostituierten, die er laut vorlas. „Gabriella verkaufte ihre fünfjährige Tochter an einen Millionär, der Kinderschänder durfte das kleine Geschöpf als ein Haustier misshandeln und zum Sex zwingen. Maria trieb fünfmal ab, das letzte Kind war schon im siebten Monat, den Embryo warf sie ihren Hunden wie ein Stück Fleisch zum Fressen vor.“ So ging es weiter. Eine schöne, geordnete Handschrift beschrieb die Untaten der toten Sünder. Ein dicker Kloß hing in Morgensterns Hals, der ihn beim Schlucken hinderte. Er saß wie betäubt da. Sein Kopf fühlte sich wattig an. „Sofia: erdrosselte ihr Kind unter Drogeneinfluss. Versteckte es im Keller ihres Ehemannes. Der unschuldige Ehemann sitzt immer noch im Gefängnis. Sie hatte ein Alibi von ihrem Liebhaber. Kraft ...“, er sah den Mann, welcher seine Frau operiert hatte, es war auch der gekreuzigte, kahl geschorene Tote, „ ... trank vor jeder Operation. War bei den Anonymen Alkoholikern ein Stammmitglied.“ Das letzte Wort war dick unterstrichen. Raphael blieb der Atem weg. Seine Hände zitterten, sodass er Mühe hatte, weiter lesen zu können.  „Drei Kinder, ein Mann und eine Frau starben in den letzten fünf Jahren von seiner Hand. Sein letztes Opfer: Daniela Morgenstern.“ Raphael kämpfte gegen seinen Magen an, der plötzlich zu rebellieren begann. Vater Gabriel rächte sich an dem Mann, der seine Frau auf dem Gewissen hatte? Alles um ihn herum begann sich zu drehen. Raphael war so darin versunken, dass er nichts um sich herum wahrnahm. Er las aufgeregt weiter. Die Toten hätten nicht unterschiedlicher sein können, eins war bei allen gleich: Sie hatten unschuldige Menschen wissentlich getötet. Auf dem letzten Foto schaute Raphael einen Mann an. Es war ER, nur jünger. So sah er am Tag seiner Hochzeit aus. Jung, unbekümmert,

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