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Lichtschwester

Lichtschwester

Titel: Lichtschwester
Autoren: Marion Zimmer Bradley
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Einleitung
     
    Auch dieses Jahr habe ich etwa doppelt so viele gute Geschichten erhalten, wie ich gebrauchen konnte. So mußte ich auch dieses Mal wieder in letzter Minute die mühsame Endauswahl treffen, die mehr meiner strikten Umfangsvorgabe als den Qualitätsunter-schieden der angebotenen Manuskripte geschuldet ist.  Das liegt zum Teil daran, daß das nun ein bekannter Markt ist und ich daher keine unsäglichen Texte mehr bekomme. Die Herzchen, die mir mit Rotstift Epen auf Packpapier malten, haben sich wieder in ihr Schneckenhaus verkrochen. Lachen Sie nicht - ich hatte früher oft mit Leuten zu tun, die mir Raumfahrtgeschichten anboten, oder mit Frauen, die mehr an feministischer Botschaft zu bieten hatten als an erzählerischem Können. Aber sie wissen nun, daß sie da bei mir an der falschen Adresse sind und das sie, wenn sie mir ein dreiseitiges, mit einfachem Zeilenabstand getipptes Blankversepos schicken, als Antwort nur eine Anleitung zur Manuskripterstellung oder vielleicht ein Exemplar meiner Ratschläge an junge Autoren erhalten. So schafft man sich einen Markt ... Das es ihn gibt, ist zumindest zum Teil das Verdienst von Daw Books. Die gängige Lehre besagt noch immer, Kurzgeschichten seien unverkäuflich. Aber das all diese Anthologien noch immer auf dem Markt sind und viele davon auch in England, Deutschland und Italien erschienen sind, beweist wohl das Gegenteil.
     So habe ich dieses Jahr trotz zahlreicher Gesundheitsprobleme meinen sechzigsten Geburtstag habe ich im Krankenhaus verbracht, die endgültige Textauswahl im Krankenbett getroffen - mehr gute Manuskripte als je zuvor erhalten. Wenn Sie also Ihre Geschichte hier nicht wiederfinden, dann heißt das nicht, daß sie schlecht gewesen sein müsse. Nein, denn ich bekam viele Storys, die ich im ersten Jahr dieser Reihe - wie mein älterer Sohn das ausdrückt - mit »großen Freudenschreien« begrüßt und in Druck gegeben hätte, die aber nun in einer Flut von anderen Geschichten untergingen. Ich muß meine Ablehnungen daher mehr und mehr mit meiner rigiden Umfangsvorgabe begründen.
     Wie ich unter diesem jetzt fast zu reichen Angebot auswähle?  Nun, zum einen, indem ich nach alten Bekannten suche - weil ich weiß, daß einige der Autoren, von denen ich schon etwas veröffentlicht habe, immer für eine gute Geschichte gut sind - wobei ich jedoch genau hinschaue, ob sie sich nicht wiederholen. Denn das ist eine der Gefahren bei Geschichten über Serienheldinnen (und bei Serien überhaupt), daß man immer wieder dasselbe Buch - dieselbe Story - schreibt. Wenn ich dann (wie das jedem Autor oder Herausgeber oft passiert) ratlos bin, frage ich mich, ob meine Leser das wirklich wollen: dieselben Geschichten immer und immer wieder vorgesetzt zu bekommen.
     Aber es freut mich natürlich sehr, wenn ich von meinen bewährten Autorinnen Storys erhalte, auf die ich von vornherein berechtigte Hoffnungen setzen kann. Eine der wichtigsten, aber schwierigsten Herausgeberaufgaben besteht jedoch darin, neue Autoren zu finden. Denn Autoren sind sterblich (und daß wir das alle sind, habe ich ja eben nachdrücklich und schmerzlich am eigenen Leibe erfahren). Autoren finden neue, interessante Aufgaben, die ihnen alle Muße, alle Lust zum Schreiben nehmen. Sie erhalten einen Lehrauftrag, bekommen wieder Kinder, gehen in die Flitterwochen oder auf eine Weltreise oder publizieren Romane, was ihnen kaum noch Zeit für Kurzgeschichten läßt... und was soll dann der arme Herausgeber machen?
     Daher begrüße ich die tägliche Flut neuer Manuskripte stets von ganzem Herzen, hoffe ich doch ständig, darin eines zu entdecken, das so gut ist, daß ich es einfach haben muß. Mein Vetter gab mir neulich einen Button mit dem Spruch »So viele Bücher und so wenig Zeit«. Als Herausgeberin bin ich versucht, ihn etwas abzuwandeln, zu sagen: »So viele Manuskripte und so wenige Marktnischen. «
     Aber mein Ruf wird auch künftig lauten: Schickt mir etwas, was ich drucken kann! Ein Großteil der eingehenden Storys ist immer noch hoffnungslos miserabel; doch mein Problem ist nicht mehr die Fülle schlechter, sondern die Überfülle guter Texte - zumindest für diese Anthologie. Aber wenn das Ihnen den Mut rauben könnte, wären Sie auch nicht Autor geworden. Ich habe mir eine Tafel mit dem Spruch Niemand hat dir verboten, Klempner zu werden, über den Schreibtisch gehängt. An dem richte ich mich an schwierigen Tagen auf; ich hätte ja jederzeit Klempnerin werden können

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