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Leider schon vergeben!

Leider schon vergeben!

Titel: Leider schon vergeben!
Autoren: Jessica Fox
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Kapitel eins
    M ist!»
    Fern Moss sah sich erschrocken nach dem Auto neben ihr um. Sie hatte sich den Kopf verrenkt, um zu erkennen, ob die Getränkehandlung noch offen hatte, und gar nicht gemerkt, wie nahe sie dem glänzenden roten Blech gekommen war. Seitwärts Einparken war noch nie ihre Stärke gewesen, und ihr betagter VW Käfer hatte natürlich keine schicke Servolenkung, sodass erst ein grässlich knirschendes Geräusch Fern auf seine verhängnisvolle Zuneigung zu einem Mercedes aufmerksam machte.
    «O nein!» Fern versuchte, auf die Bremse zu treten, als sie mit ihrem Plateaustiefel abrutschte und stattdessen auf dem Gaspedal landete. Ein unschöner Ruck nach vorn machte ihr Auto zum stolzen Besitzer dreier Seitenspiegel, von denen einer mit Elektronik ausgestattet und damit erheblich teurer war als die beiden anderen.
    «Verdammt! Verflixt und zugenäht!» Vor lauter Verzweiflung ließ Fern die Stirn auf das Lenkrad sinken. Ade, Schadenfreiheitsrabatt! Hallo, wütender Mercedes-Fahrer!
    Vielleicht sollte sie immer erst ihr Horoskop lesen, bevor sie in diesem Jahr auch nur einen Fuß vor die Haustür setzte. In Ferns Leben ging nämlich gerade einiges schief. Seb hatte sie verlassen, und er würde sicher nicht zurückkommen. Nein, falsch: Seb hatte sie verlassen, und Fern würde
ihn
nicht mehr zurücknehmen. Egal, wie leid es ihm angeblich tat und wie oft er beteuerte, dass Vanessa ihm überhaupt nichts bedeutet hatte und er doch eigentlich Fern liebte! Es war vorbei. Da konnte er so oft anrufen und SMS schicken, wie er wollte. Sie würde sich nicht umstimmen lassen.
    Fern würgte den Motor ab und atmete tief durch. Ihr Seelenleben glich einer offenen Wunde, und jedes Mal, wenn sie sich Seb und Vanessa zusammen vorstellte, kam es ihr vor, als zöge jemand einen Stacheldraht durch ihre Eingeweide. Wie sollte sie je über diesen Verrat hinwegkommen? Ihr war immer noch zum Heulen zumute, wenn sie daran dachte, dass sie nie wieder in der Kneipe mit Seb über einen Insider-Scherz lachen, nie wieder ihre Finger durch seine seidigen schwarzen Haare gleiten lassen oder sich abends an ihn kuscheln würde. Aber deshalb würde sie doch noch lange nicht nachgeben und ihm alles verzeihen, oder?
    Nein, verdammt nochmal, auf keinen Fall!
    Seufzend öffnete Fern das Handschuhfach, fegte Zeitschriften, Kassetten samt Kabelsalat und einen Tampon auf den Boden, bis – na bitte! Da war ja ihre Notfallschokoladenration.
    Sie riss die Verpackung eines Dairy-Milk-Riegels auf und biss ein großes Stück ab. Wenn je eine Frau einige tausend Kalorien verdient hatte, dann sie. Denn war Schokolade nicht ein Ersatz für Liebe? In vielerlei Hinsicht hatte Schokolade der Liebe sogar einiges voraus: Die Schokolade ließ nie die getragenen Socken auf den Fußboden fallen oder die Klobrille hochgeklappt, sodass man mitten in der Nacht fast in die Schüssel fiel. Schokolade betrog einen auch ganz sicher nicht mit einer blonden, salzstangendürren Tussi aus dem Büro. Bei Schokolade wusste jede Frau genau, woran sie war.
    Fern war sich hingegen nie so ganz sicher gewesen, woran sie bei Seb war. Und das hatte sie stets als gleichermaßen aufregend wie frustrierend empfunden. Sein Job als Werber bei einer von Londons führenden Agenturen war ziemlich glamourös, und es hatte Fern auf jeden Fall Spaß gemacht, an diversen Veranstaltungen in Hotelbars und schicken Restaurants teilnehmen zu dürfen. Seb hatte Charme und Charisma und sah mit seinen schwarzen Haaren und den dunklen Augen auf klassische Art gut aus. Das Leben mit ihm war nie konventionell gewesen, und es hatte immer Spaß gemacht. Selbst ihre Streite waren legendär: Bei zwei kreativen Menschen wie ihnen war es in Ferns Augen wohl kaum verwunderlich, dass sie sich mitunter in die Haare kriegten, und bei den Versöhnungen, die stets gefolgt waren, hatten sich die kleinen Meinungsverschiedenheiten immer gelohnt.
    Doch an all das wollte Fern jetzt nicht denken, nicht auf dem Weg zum Junggesellinnenabschied ihrer besten Freundin. Heute ging es darum, Zoe und Steves Beziehung zu feiern, nicht über den Schrotthaufen ihrer eigenen nachzugrübeln.
    Apropos Schrotthaufen: Sie sollte sich vielleicht besser überlegen, wie sie den Schaden wiedergutmachen konnte, den sie soeben dem Mercedes neben sich zugefügt hatte.
    Also riss sie aus einer der Zeitschriften eine Seite heraus und schnappte sich einen Augenbrauenstift aus dem Sammelsurium auf der Armaturenbrettablage,

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