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Lee, Sharon & Miller, Steve - Liaden 2 - Der Agent und die Söldnerin

Lee, Sharon & Miller, Steve - Liaden 2 - Der Agent und die Söldnerin

Titel: Lee, Sharon & Miller, Steve - Liaden 2 - Der Agent und die Söldnerin
Autoren: Steve Sharon & Miller Lee
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1
    Standardjahr 1392

     
     
     
    Der Mann, der nicht Terrence O’Grady war, hatte Ruhe bewahrt.
    Und genau das, folgerte Sam, diente als eindeutiger Beweis. Terry war noch nie ruhig geblieben, wenn die Aussicht auf einen handfesten Kampf bestand.
    Pete, der links von Sam und hinter dem Gefangenen ging, war sich da nicht so sicher. Allem Anschein nach hatten sie tatsächlich Terrence O’Grady dingfest gemacht. Er entsprach exakt der Beschreibung: lockiges, hellbraunes Haar, Stupsnase, blassblaue Augen und eine altertümliche Brille mit schwarzem Gestell. Außerdem zog er das linke Bein nach, was laut Dossier auf einen Unfall zurückzuführen war, der aus seiner Zeit als Minenarbeiter im Terado-Gürtel stammte.
    Vor einer Tür, die tief in die Ziegelmauer der Gasse eingelassen war, blieben sie stehen. Russ, der vorneweg marschierte, hob die Faust und hämmerte zweimal gegen das schwere Kreelholz.
    Während sie warteten, lauschten sie den nächtlichen Geräuschen der Stadt. Dann schwang die Tür lautlos in gut geölten Angeln auf, und sie blickten in einen langen Korridor.
    Als Pete über die Schwelle schritt, biss er auf die Zähne und starrte konzentriert auf den Rücken des vor ihm gehenden Mannes – der nicht Terrence O’Grady war. Vielleicht nicht.
    Der Rücken war in keiner Weise bemerkenswert; der Mann war schmächtiger als Pete, ging leicht vornübergebeugt und ließ die Schultern hängen. Terrence O’Grady, stand in der Akte, war für einen Terraner schlank und kleinwüchsig, seine Körpergröße lag gut sechs Zoll unter dem Durchschnitt. Das machte ihn zu einem wertvollen Partner für den massigen Sam, der zwar mühelos die wuchtige Bergwerksausrüstung bewegen konnte, aber kaum geeignet war, die kleinen Felsspalten, Krater und Verwerfungen zu erforschen, in denen sich ergiebige Erzadern befinden mochten.
    Sam und Terry verdienten im Gürtel gutes Geld. Dann gab Terry den Bergbau auf und kaufte sich ein Stück Land mit einer Atmosphärenkuppel darüber; fortan beschäftigte er sich mit Landwirtschaft, der Gründung einer Familie und sogar mit Politik.
    Acht Jahre später erhielt Sam via Bounce-Kom eine Nachricht von Terrys Frau: Terrence O’Grady war verschwunden.
    Sam machte sich auf, um mit der Frau und der Familie zu sprechen, wie es sich für einen alten Freund gehörte; er stellte Fragen und schnüffelte herum. Obwohl man keine Leiche fand, behauptete Sam, Terry müsse tot sein. Es passte ganz und gar nicht zu ihm, einfach alles im Stich zu lassen und abzuhauen. Und in Anbetracht dessen, dass Terry ein ausgefuchster Bursche war, wenn es darum ging, Unfälle zu vermeiden – und falls ihm doch einmal etwas passierte, immer noch mit einem blauen Auge davonzukommen –, musste ihm schon jemand gewaltsam das Lebenslicht auspusten, sollte er nicht an Altersschwäche sterben.
    Sam kam zu dem Schluss, Terry müsse vor drei Jahren ermordet worden sein.
    Doch seit Kurzem kursierten Gerüchte, und dann tauchte diese Person hier auf; mit dem Gesicht und dem Namen eines Mannes, der als tot galt.
    Pete schüttelte sich, als sie um eine scharfe Ecke bogen, und wäre um ein Haar gegen den Gefangenen geprallt.
    »Pass doch auf!«, zischte Sam giftig.
    Sie passierten eine Biegung des Korridors und gelangten in ein hell erleuchtetes, verlassenes Büro.
    Der Mann, der nicht Terrence O’Grady war, hätte beinahe gelächelt.
    Von diesem Punkt an kannte er die Anlage sämtlicher vierzehn Suiten in dem Gebäude, die Voltspannung der Beleuchtungskörper, die Positionen von Türen und Fenstern, die Umgebungstemperatur und selbst die Farben und Muster der Teppiche.
    Er sah, wie sich in seiner Mentalschleife eine Ziffer von ‚7 auf ‚85 veränderte. Kurz darauf sprang eine weitere Zahlenangabe von ‚5 auf ‚7 um. Der erste Wert zeigte an, wie günstig die Chancen für eine Erfolgreiche Mission standen; der zweite machte eine Aussage über die Chancen seines Persönlichen Überlebens. In letzter Zeit übertrafen die CEM-Daten deutlich die CPÜ-Werte.
    Seine Bewacher blieben vor einem Aufzug stehen, und beide Zahlen stiegen um einen Punkt an. Als sich die Lifttüren vor einem Büro im dritten Stock öffneten, fing die Schleife an zu flackern und erlosch – je näher eine Aktion heranrückte, umso ungenauer wurden die Kalkulationen.
    Der Schreibtisch war wunderschön mit seinen Intarsienarbeiten aus Teak und Rotholz, Hölzer, die man von der Erde importiert hatte.
    Der Mann, der hinter dem Schreibtisch saß, stammte

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