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Lebenslänglich

Lebenslänglich

Titel: Lebenslänglich
Autoren: Liza Marklund
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Juni
DIENSTAG, 3. JUNI
    Der Funkspruch kam um 3 Uhr 21. Er ging von der Landeseinsatzzentrale an alle Streifenwagen im Bereich Stockholm City und war kurz und nichtssagend.
    «70 an alle Einheiten. Verdacht auf Schusswaffengebrauch in der Bondegatan.»
    Mehr nicht. Keine genauere Adresse, keine Angaben über Opfer oder darüber, wer den Vorfall gemeldet hatte.
    Trotzdem zog sich Ninas Magen auf unerklärliche Art zusammen.
    Die Bondegatan ist lang, da wohnen bestimmt tausend Menschen.
    Sie sah, dass Andersson auf dem Beifahrersitz die Hand ausstreckte, und griff rasch selbst nach dem Hörer des Funktelefons, drückte den Sendeknopf und bog gleichzeitig in die Renstiernas gate ein.
    «Hier 1617», antwortete sie. «Wir sind nur einen Block entfernt. Habt ihr eine Hausnummer? Kommen.»
    Andersson seufzte theatralisch und schaute demonstrativ aus dem Beifahrerfenster.
    Nina warf ihm einen Seitenblick zu, während sie den Wagen Richtung Bondegatan lenkte.
    Heul doch, Milchgesicht.
    «70 an 1617», sagte die Funkstimme wieder. «Ihr seid am dichtesten dran. Bist du das, Hoffman? Kommen.»
    Der Streifenwagen war auf ihre Dienstnummer eingetragen. Vor jedem Schichtbeginn gehörte es zur Routine, die Fahrzeugnummer und die eigene Dienstnummer in das Central Operative Planning System einzugeben, sinnigerweise kurz COPS genannt. So konnte der Einsatzkoordinator in der Leitstelle immer sehen, wer in welchem Streifenwagen unterwegs war.
    «Korrekt», antwortete sie. «Ich biege jetzt in die Bondegatan ein.»
    «Wie sieht's aus? Kommen.»
    Sie ließ den Wagen ausrollen und blickte an den schweren Steinfassaden zu beiden Seiten der Straße hinauf. Die erste Morgendämmerung hatte die Häuser noch nicht erreicht, sie kniff die Augen zusammen, um die Konturen in der Dunkelheit zu erkennen. In einer Mansardenwohnung auf der rechten Seite brannte Licht, ansonsten war alles ruhig und dunkel. Offenbar war in dieser Nacht Straßenreinigung und somit Parken verboten, weshalb die Straße besonders leer und verlassen wirkte. Ein rostiger Peugeot stand einsam und mit einem Strafzettel versehen am unteren Ende kurz vor der Nytorgsgatan.
    «Hier rührt sich nichts, soweit ich feststellen kann. Welche Hausnummer soll das sein?
    Kommen.»
    Der Diensthabende nannte die Adresse, und ihr wurde eiskalt:
Das ist Julias Nummer, das ist Julias und Davids Adresse.
    Und er hat eine Wohnung in Söder, Nina! Gott, wird das schön sein, endlich rauszukommen aus diesem Loch!
    Nimm ihn nicht nur wegen der Wohnung, Julia …
    «Fahrt hin und seht euch um, 1617, unauffällig …»
    Sie ließ die Seitenscheiben herunter, um die Geräusche der Straße besser hören zu können, legte den Gang ein, löschte die Scheinwerfer und fuhr langsam zu der wohl-bekannten Adresse, ohne Blaulicht und Martinshorn. Andersson hatte sich wieder gefangen und beugte sich vor zur Windschutzscheibe.
    «Glaubst du, hier ist was?», fragte er.
    Ich hoffe bei Gott, dass hier nichts ist!
    Sie hielt vor dem Haus und stellte den Motor ab, beugte sich vor und spähte die graue Betonfassade hinauf. Aus einem Fenster im zweiten Stock fiel Licht.
    «Wir müssen selbstverständlich davon ausgehen, dass die Situation kritisch ist», sagte sie kurz angebunden und griff wieder nach dem Funkgerät. «1617 hier, wir sind vor Ort, im Haus scheinen Leute wach zu sein. Sollen wir auf 9070 warten? Kommen.»
    «9070 ist draußen in Djursholm», erwiderte der Kollege in der Leitstelle.
    «Die Nobel-Morde?», wunderte sich Andersson, und Nina winkte ihm zu, dass er still sein solle.
    «Sind andere Wagen in der Gegend? Oder das Einsatzkommando? Kommen», sagte sie ins Mikrofon.
    «Kanalwechsel», sagte der Wachhabende. «An alle, wir gehen auf 06.»
    «Schlimme Geschichte, das mit den Nobel-Morden», sagte Andersson. «Hast du gehört, dass sie das Schwein gefasst haben?»
    Im Wagen wurde es still. Nina merkte, wie die schusssichere Weste an den Lendenwirbeln drückte. Andersson wurde unruhig und spähte die Fassade hinauf.
    «Kann ja genauso gut auch falscher Alarm sein», sagte er, um seinen Enthusiasmus zu dämpfen.
    Lieber Gott, mach, dass es falscher Alarm ist!
    Im Funkgerät rauschte es, jetzt auf einer Einzelfrequenz.
    «So, dann wollen wir mal sehen, sind alle auf Empfang? 1617, kommen.»
    Sie drückte wieder den Sendeknopf, fühlte ihren Mund trocken werden, hielt sich krampfhaft an Formalitäten und Routinen fest.
    «o6, wir sind drauf, kommen.»
    Die anderen antworteten ebenfalls, zwei Streifen

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