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Lavendel-Glorias Letzter Wille ROTE LATERNE Band 7 (Rote Laterne Liebesroman) (German Edition)

Lavendel-Glorias Letzter Wille ROTE LATERNE Band 7 (Rote Laterne Liebesroman) (German Edition)

Titel: Lavendel-Glorias Letzter Wille ROTE LATERNE Band 7 (Rote Laterne Liebesroman) (German Edition)
Autoren: Lisa Thomsen
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   Der Mann im eleganten, grauen Straßenanzug zögerte kurz, bevor er auf die Glocke des Appartements 602 im sechsten Stock eines Frankfurter Hochhauses drückte. Der Mann wirkte ein wenig nervös. Dann bemerkte er, wie sich der Spion verdunkelte, der in der Tür eingelassen war. Schließlich wurde geöffnet.
    In der Türfüllung stand eine junge Frau. Sie trug ein zartes, fliederfarbenes Negligé. Das weizenblonde Haar fiel lockig über die Schultern herab. Die Wohnung war durchhaucht von einem Duft nach Lavendel.
    »Hallo, Gloria«, sagte der Mann.
    »Hallo, Charly«, antwortete Gloria Frederic mit ihrer dunklen, samtigen Stimme. »Schön, dass du pünktlich bist. Komm doch herein, ich habe den Sekt schon kaltgestellt.«
    Er betrat die äußerst geschmackvolle und auch teure Wohnung. Dicke, weiche Teppiche bedeckten die Böden. Die Möbel waren erlesen und samt und sonders Einzelstücke. Es gab zahllose Vasen und Figuren aus kostbarem Porzellan und außerdem viel Plüsch und Brokat. Diese Wohnung war eine Mischung aus unnachahmlicher Eleganz und Behaglichkeit. Mit sehr geschmeidigen Schritten ging Gloria Frederic ihrem Kunden voran.
    »Nimm Platz«, bat sie und machte eine einladende Handbewegung. »Ich hole den Champagner.«
    Der Mann, den sie Charly genannt hatte, blickte sich um. Ja, Gloria hatte Stil. Sie bewies den nicht nur, was ihre Umgebung anbelangte, sondern dieser Stil betraf auch ihre Arbeit. Gloria Frederic hatte bestimmte Prinzipien, von denen sie nicht abwich. Sie war keine der zahllosen gewöhnlichen Dirnen, die in Frankfurt arbeiteten. So erlesen wie alles um Gloria herum, so erlesen war auch ihre Kundschaft.
    Sie hatte die Champagnerflasche bereits geöffnet und trug sie nun in einem Kübel herein, in dem die Eiswürfel leise klirrten. Dann holte sie Gläser aus dem Schrank und schenkte den perlenden Champagner ein.
    »Auf das Wiedersehen, Charly«, sagte sie und hob ihm das Glas entgegen.
    »Auf das Wiedersehen, Gloria!« Sie prosteten einander zu.
    »Wie lange wirst du in Frankfurt bleiben?« fragte sie nun.
    »Ich denke, drei Tage«, gab er zur Antwort. »Dann raus ich wieder einmal rüber nach Rio de Janeiro.«
    »Oh«, sagte sie überrascht und zog die Brauen ein wenig in die Höhe. »Dann werden wir uns ja wohl eine Zeitlang nicht sehen, oder?«
    »Eine Zeitlang wohl nicht, Gloria.« Er griff nach ihrer Hand. Sie ließ sich von ihm sanft in den Arm ziehen. Der Duft, der sie umschmeichelte, schien diesen Mann zu faszinieren. Ihre Haut war weich und fühlte sich warm an. Gloria war die Zärtlichkeit in Person. Bei ihr durfte es nicht zu schnell gehen. Nein, für schnelle Liebe, mit ein paar Mark abgegolten, war Gloria nie zu haben gewesen.
    Seit drei Jahren hatte sie dieses Appartement, und ihre Telefonnummer wurde in bestimmten Kreisen als ein Geheimtipp gehandelt Gloria hatte sich vom übrigen Milieu weitgehend abgesondert. Vor drei Jahren noch hatte sie in einem Eros-Center gearbeitet und festgestellt, dass das Leben dort nicht ihren Vorstellungen entsprach.
    Damals hatte sie sich kurzerhand von ihrem Beschützer Roland Wagner getrennt. Dies war nicht ohne Kämpfe abgegangen. Fünfzehntausend Mark hatte sie ihm an Abfindung zahlen müssen, damit er sie in Ruhe ließ. Heute besuchte er sie ab und zu. Aber er stellte keine Forderungen.
    Ein paar Mädchen aus dem Eros-Center kamen ebenfalls ab und zu einmal zu Gloria. Sie riefen vorher an, kamen und beschwatzten die Ereignisse. In diesem Punkt nämlich unterschied sich Gloria nicht von den übrigen Mädchen, die im Bordellgewerbe arbeiteten.
    Glorias Kunde hatte seinen Binder gelockert. Sie half ihm, sein Jackett auszuziehen. Sie hängte es auf einen Bügel und trug es hinaus in die Garderobe. Alles geschah ohne Eile und Hast. Gloria nahm nicht, wie die meisten Mädchen, mehrere Männer an einem Tag. Ein einziger Kunde genügte ihr, denn Gloria Frederic ließ sich ihre Liebesdienste teuer bezahlen.
    »Musik?«, fragte sie nun mit einem schmeichlerischen Lächeln.
    »Ja, gern«, sagte er. »Chopin, wie immer.«
    Sie stand auf und ging zu der Stereoanlage. Auch hier war alles bestens vorbereitet. Charly bekam das Gefühl, dass Gloria ihn.erwartet hatte. Ja, dieses eben und viele andere Dinge mehr waren das Besondere an diesem Mädchen, das im Milieu Lavendel-Gloria genannt wurde. Diesen Namen hatte Gloria daher bekommen, weil sie stets nur Lavendelparfüm zu benutzen pflegte. Der Duft war zu ihrem Markenzeichen geworden.
    Es konnte passieren,

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