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Land der guten Hoffnung

Land der guten Hoffnung

Titel: Land der guten Hoffnung
Autoren: Unbekannter Autor
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D. B. Blettenberg - Land der guten Hoffnung
    Helm Tempow, früher Entwicklungshelfer, ist ein erfolgreicher privater Ermittler in Berlin. Über einen Agenten beauftragt ihn der Hamburger Reeder Carsten, den Kopf einer Entführerbande zu finden, der vor Jahren seine Tochter Rena gekidnappt und nach Zahlung eines hohen Lösegeldes wieder freigelassen hatte. Wahrscheinlicher Aufenthaltsort: Westkap,
    Südafrika. Tempow, der Ich-Erzähler, reist nach Südafrika, doch schon bald gestaltet sich der Auftrag als heikel, denn überraschenderweise mischt sich Rena in die Suche mit ein. Sie will wissen, wer von den Kidnappern sie damals verfuhrt hat (Stockholm-Syndrom) und Vater ihrer Tochter ist. Mit seinen Recherchen löst Tempow eine Kette dramatischer Ereignisse aus und deckt dunkle Geschäfte im Umfeld der bewegten Geschichte des Landes seit Ende der Apartheid aus. Der ambitionierte Roman des vielfach ausgezeichneten Autors erzählt eine interessante, auch psychologisch ausgeklügelte Story mit markanten Figuren vor einer realpolitischen Kulisse.
    Und bohrten gleich zwölf Kugeln dich jetzt in Staub, nicht halten könnt’ ich mich, und jauchzt und weint und spräche: Du gefällst mir!
    Natalies Liebesbekenntnis aus „Prinz Friedrich von Homburg“  Heinrich von Kleist
    If you follow every dream, you might get lost... „ The Painter “
    Neil Young

Witterung aufnehmen Berlin, Ende Oktober 2003
Kapitel 1
    „Sie müssen den Mann unbedingt finden.“
    „Keine einfache Aufgabe.“ Ich sah durch das geöffnete Fenster auf die trübe Brühe im Bootshafen.
    „Deshalb zahlen wir auch so gut.“
    Stamms Lächeln erlosch erst, nachdem ich es mit einem kurzen Seitenblick zur Kenntnis genommen hatte. Er war sich seiner Sache absolut sicher. Ich suche und finde. Das ist mein Job. Früher oder später spüre ich sie alle auf. Trotzdem wiegelte ich ab. „Die Westkap-Provinz ist ungefähr dreimal so groß wie die Schweiz.“
    Einer der Pensionäre, die sich als Freizeit-Skipper aufspielten, rammte mit seinem Motorboot einen Poller, dann noch einen und schließlich den Steg. Der Alte fuhrwerkte mit dem Ruder herum und brüllte seine Frau an, die im Zuge des Anlegemanövers beinahe über Bord gegangen wäre. Sie trug elegantes Weiß, rutschte auf den Knien herum und brachte gerade noch rechtzeitig die Leine aus, bevor die Wucht des Aufpralls den Bootsrumpf zurück ins Hafenbecken schickte. Ein Pekinese rettete sich mit einem Sprung von Bord und machte kläffend auf die Havarie aufmerksam.
    „Sie schaffen das schon“, sagte Stamm. „Das Western Cape ist ja nicht ganz Südafrika.“
    Natürlich war es machbar. Aber eine gesunde Skepsis schadet nie - weder Auftragnehmer noch Auftraggeber. Und auch dem Mittler nicht, der mir gerade Mut zusprach. In der Unterhaltungsindustrie hätte er sich vermutlich Agent genannt. Soviel ich wusste, war er Anwalt und firmierte unter dem Namen Dr. Dietrich Stamm in Hamburg. In den letzten sechs Jahren hatte er mir drei Aufträge vermittelt. Alles absolut seriös. Vom Briefing bis zum Honorar. Pragmatisch, dezent und zuverlässig. Deshalb hörte ich ihm auch diesmal gut zu.
    Während auf der Uferpromenade zwei weitere hoch betagte Freizeitkapitäne Beifall klatschten und voller Häme lachten, schrie der frustrierte Skipper Gattin und Hund an. Auch diesmal hatte sich Stamm einen ausgefallenen Treffpunkt ausgesucht. „Nehmen Sie die S-Bahn bis zur Endstation Hennigsdorf“, waren seine Worte bei unserem Telefonat gewesen. „Von dort fahren Sie am Besten mit dem Bus bis zur Haltestelle Havelpromenade in Nieder Neuendorf. Sie können natürlich auch ein Taxi nehmen.“ Was ich vorsichtshalber getan hatte. Ich kenne das Berliner Umland zwar recht gut, aber die Ecke, die Stamm für unser Gespräch ausgewählt hatte, war auch für mich Neuland. Wer rechnet schon im Landkreis Oberhavel mit einer Art Billigkopie von Key West und einer geballten Ladung wohlhabender Rentner, die Florida zur Ehre gereicht hätten? Die Neubausiedlung zwischen dem Nieder Neuendorfer See und dem Havel Kanal sah aus, als wäre sie von einem Privatsender als Kulisse für die deutsche Variante der Truman Show errichtet worden. Die Komparsen, die das Szenario mehr bevölkerten als belebten, schienen Jahrzehnte lang in Mallorca geübt und einen Abschlusskurs in Miami absolviert zu haben, bevor sie die hiesigen Immobilien besetzt hatten. Das Penthouse, in dem unser Treffen stattfand, bot einen guten Ausblick über den Hafen. Vom Kanu

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