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Längst vergangen: Thriller (German Edition)

Längst vergangen: Thriller (German Edition)

Titel: Längst vergangen: Thriller (German Edition)
Autoren: John Rector
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ohne Zeugen und Todesfolge, werden selten aufgeklärt.
    Ich weiß das.
    Der Polizist weiß das.
    Ich glaube, auf einer gewissen Ebene weiß das auch Diane, aber wir tun alle so als ob und spielen unseren Part. Wer weiß, vielleicht funktioniert das System ja dieses eine Mal.
    – – –
    Nachdem der Polizist gegangen ist, kommt der Arzt mit Rezepten für Schmerztabletten und Antibiotika zurück. Er gibt sie Diane und sagt: »Halten Sie die Hand sauber und achten sie auf Entzündungen. Vergewissern Sie sich, dass er die Antibiotika nimmt. Wenn Ihnen etwas auffällt, bringen Sie ihn her.«
    Diane verspricht es ihm, und als er weggeht, setzt sie sich neben mich ans Bett.
    »Was hat der Polizist damit gemeint, dass jemand einen Groll gegen dich hegt?«
    »Keine Ahnung.«
    »Hat das etwas mit deinem Dad zu tun?«, fragt sie. »Im Buch hast du ein paar von seinen Freunden erwähnt. Meinst du nicht, dass einer von ihnen das gelesen hat und ...«
    »Jetzt mach mal halblang«, sage ich. »Die beiden Typen heute Abend waren Fremde, die hab ich vorher noch nie gesehen. Wahrscheinlich waren das Junkies, die meinen Ring ins Pfandhaus bringen wollten.«
    »Aber deine Brieftasche haben sie nicht genommen.«
    »Nein«, sage ich. »Die nicht.«
    »Das ist komisch, Jake.«
    »Das ist nun einmal so.« Ich setze mich langsam auf und zeige auf meine Jacke. »Lass uns von hier verschwinden.«
    Diane hilft mir in die Jacke. Meine Rippen sind fest umwickelt, und meine Hand passt nicht durch den Ärmel, darum drapieren wir die Jacke unter meinem Arm wie eine Toga. Albern sieht das aus, und ich muss unwillkürlich schmunzeln.
    Diane nicht.
    »Ich verstehe einfach nicht, warum sie ausgerechnet hinter dir her waren«, sagt sie. »In der Bar waren so viele Menschen, aber auf dich haben sie draußen gewartet. Dafür muss es einen Grund geben.«
    »Ich war allein. Das ist Grund genug.«
    »Du glaubst, das ist es?«
    »Was denn sonst?«
    Diane starrt mich einen Augenblick an, dann schüttelt sie den Kopf und sieht weg. »Weiß ich nicht.«
    Ich nehme ihre Hand. »Wenn man anfängt, Antworten auf die Frage
Warum ich?
zu suchen, dreht man durch. Sie haben mich überfallen, weil ich für sie eine leichte Beute war, weiter nichts.«
    »Aber das ergibt keinen Sinn«, sagt sie. »Du hattest Geld, und sie haben es nicht genommen.«
    »Ich wünschte, sie hätten es getan«, sage ich. »Ich hasse es, den Ring zu verlieren.«
    »Es war nur ein Ring. Wir kaufen einen neuen.«
    »Das dürfen wir nicht. Es bringt Unglück.«
    Diane lacht leise und zärtlich. »Der erste hat nicht gerade Glück gebracht, oder?«
    »Nein«, sage ich. »Anscheinend nicht.«
    – – –
    Als wir das Wartezimmer betreten, sehe ich Doug auf einem Stuhl am Fenster sitzen. Er hat den Kopf zurückgelegt, sein Mund steht offen, und er schnarcht lautstark.
    »War er die die ganze Zeit hier?«, frage ich.
    »Ich glaub schon«, sagt Diane. »Er ist wohl einfach hier geblieben, nachdem er mich angerufen hatte.«
    Ich erinnere mich nicht, wie lange ich auf dem Parkplatz war. Ich weiß nur noch, dass mich jemand an einem Arm hochgezogen hat und ich dann auf Dougs Rückbank saß und er mir immer wieder sagte, ich solle die Hand über meinen Kopf halten.
    »Willst du ihn wecken?«, fragt Diane.
    Ich sage ihr, sie soll es tun, und sie gehorcht.
    Doug schlägt die Augen auf und sieht von Diane zu mir. Beim Anblick meiner Hand zuckt er zusammen. »Scheiße, Jake, was haben sie gesagt?«
    »Anscheinend hat jemand meinen Finger abgeschnitten.«
    Diane blickt mich an und runzelt die Stirn.
    Doug schüttelt den Kopf. »Wer weiß, vielleicht kannst du jetzt besser tippen.«
    »Optimistisch wie immer«, sage ich.
    Doug steht auf, schnappt sich seinen Mantel und lässt ihn über seine Schultern gleiten. »Was hat dir die Polizei erzählt?«
    »Dass sie hart arbeitet und jede Spur verfolgt.« Doug nickt. »Dann ist es wohl nur eine Frage der Zeit.«
    Er zwinkert mir zu.
    Ich muss unwillkürlich schmunzeln.
    Zu dritt überqueren wir den Parkplatz. Ich fühle mich gut, aber Diane hält meinen Arm bei jedem Schritt.
    Doug hängt seinen Gedanken nach.
    »Ich habe nie meine Türen abgeschlossen, bis ich aufs College ging, und weißt du, warum ich damit angefangen habe?« Er wartet die Antwort nicht ab. »Weil immer wieder Leute reinkamen und mir meinen Stoff geklaut haben. Nie wegen so einem Scheiß wie dem hier.«
    »Es ist eine andere Welt.«
    »Und zwar eine, die ich nicht verstehe«, sagt er. »Es ist,

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