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L'Adultera

L'Adultera

Titel: L'Adultera
Autoren: Theodor Fontane
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Kommerzienrat van der Straaten
    Der Kommerzienrat van der Straaten, Große Petri-
    straße 4, war einer der vollgiltigsten Finanziers der Hauptstadt, eine Tatsache, die dadurch wenig alte-riert wurde, daß er mehr eines geschäftlichen als
    eines persönlichen Ansehens genoß. An der Börse
    galt er bedingungslos, in der Gesellschaft nur bedin-gungsweise. Es hatte dies, wenn man herumhorchte,
    seinen Grund zu sehr wesentlichem Teile darin, daß
    er zu wenig »draußen« gewesen war und die Gele-
    genheit versäumt hatte, sich einen allgemein giltigen Weltschliff oder auch nur die seiner Lebensstellung entsprechenden Allüren anzueignen. Einige neuerdings erst unternommene Reisen nach Paris und Ita-
    lien, die übrigens niemals über ein paar Wochen hinaus ausgedehnt worden waren, hatten an diesem
    Tatbestande nichts Erhebliches ändern können und
    ihm jedenfalls ebenso seinen spezifisch lokalen
    Stempel wie seine Vorliebe für drastische Sprüchwörter und heimische »geflügelte Worte« von der derbe-
    ren Observanz gelassen. Er pflegte, um ihn selber
    mit einer seiner Lieblingswendungen einzuführen,
    »aus seinem Herzen keine Mördergrube zu machen«
    und hatte sich, als reicher Leute Kind, von Jugend
    auf daran gewöhnt, alles zu tun und zu sagen, was
    zu tun und zu sagen er lustig war. Er haßte zweier-
    lei: sich zu genieren und sich zu ändern. Nicht als ob er sich in der Theorie für besserungsunbedürftig
    gehalten hätte, keineswegs, er bestritt nur in der
    Praxis eine besondere Benötigung dazu. Die meisten

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    Menschen, so hieß es dann wohl in seinen jederzeit
    gern gegebenen Auseinandersetzungen, seien ein-
    fach erbärmlich und so grundschlecht, daß er, verglichen mit ihnen, an einer wahren Engelgrenze stehe.
    Er sähe mithin nicht ein, warum er an sich arbeiten und sich Unbequemlichkeiten machen solle. Zudem
    könne man jeden Tag an jedem beliebigen Konven-
    tikler oder Predigtamtskandidaten erkennen, daß es
    doch zu nichts führe. Es sei eben immer die alte Geschichte, und um den Teufel auszutreiben, werde
    Beelzebub zitiert. Er zög' es deshalb vor, alles beim alten zu belassen. Und wenn er so gesprochen, sah
    er sich selbstzufrieden um und schloß behaglich und gebildet: »O rühret, rühret nicht daran«, denn er
    liebte das Einstreuen lyrischer Stellen, ganz besonders solcher, die seinem echt-berlinischen Hange
    zum bequem Gefühlvollen einen Ausdruck gaben.
    Daß er eben diesen Hang auch wieder ironisierte,
    versteht sich von selbst.
    Van der Straaten, wie hiernach zu bemessen, war
    eine sentimental-humoristische Natur, deren Beroli-
    nismen und Zynismen nichts weiter waren als etwas
    wilde Schößlinge seines Unabhängigkeitsgefühls und
    einer immer ungetrübten Laune. Und in der Tat, es
    gab nichts in der Welt, zu dem er allezeit so beständig aufgelegt gewesen wäre wie zu Bonmots und
    scherzhaften Repartis, ein Zug seines Wesens, der
    sich schon bei Vorstellungen in der Gesellschaft zu zeigen pflegte. Denn die bei diesen und ähnlichen
    Gelegenheiten nie ausbleibende Frage nach seinen
    näheren oder ferneren Beziehungen zu dem Gutz-
    kowschen Vanderstraaten ward er nicht müde,

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    prompt und beinahe paragraphenweise dahin zu be-
    antworten, daß er jede Verwandtschaft mit dem von
    der Bühne her so bekannt gewordenen Manasse
    Vanderstraaten ablehnen müsse, erstens weil er sei-
    nen Namen nicht einwortig, sondern dreiwortig
    schreibe, zweitens weil er trotz seines Vornamens
    Ezechiel nicht bloß überhaupt getauft worden sei,
    sondern auch das nicht jedem Preußen zuteil wer-
    dende Glück gehabt habe, durch einen evangelischen
    Bischof, und zwar durch den alten Bischof Roß, in die christliche Gemeinschaft aufgenommen zu sein, und
    drittens und letztens, weil er seit längerer Zeit des Vorzugs genieße, die Honneurs seines Hauses nicht
    durch eine Judith, sondern durch eine Melanie ma-
    chen lassen zu können, durch eine Melanie, die, zu
    weiterem Unterschiede, nicht seine Tochter, sondern seine »Gemahlin« sei. Und dies Wort sprach er dann
    mit einer gewissen Feierlichkeit, in der Scherz und Ernst geschickt zusammenklangen.
    Aber der Ernst überwog, wenigstens in seinem Her-
    zen. Und es konnte nicht anders sein, denn die junge Frau war fast noch mehr sein Stolz als sein Glück.
    Älteste Tochter Jean de Caparoux', eines Adligen aus der französischen Schweiz, der als Generalkonsul
    eine lange Reihe von Jahren in der norddeutschen
    Hauptstadt gelebt hatte, war sie ganz und gar

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