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Kriminalgeschichte des Christentums Band 04 - Fruehmittelalter

Kriminalgeschichte des Christentums Band 04 - Fruehmittelalter

Titel: Kriminalgeschichte des Christentums Band 04 - Fruehmittelalter
Autoren: Karlheinz Deschner
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Jesus Christus wird zum germanischen Haudegen oder Vom »Griff ins Leben«

    Der Machtgedanke wurde ein wesentliches Bekehrungsmotiv. Also mußte alles, was an Mächtigem, Magischem, an Amuletten, Orakeln, Zaubersprüchen in den heidnischen Kulten vorhanden, wirksam war, durch die Stärke, die allvermögende Magie des christlichen Glaubens überwunden werden, zumal mit dem Heiligen- und Reliquienkult. Am sichersten aber erwies sich die Quelle übernatürlicher Kraft durch die Potenz des christlichen Idols im Krieg, und innerhalb des Krieges wieder in der Schlacht. »Erweist sich Christus
hier
als der Helfer, so ist er es in dem ureigensten Lebensbezirk der Germanen. So wird er schon von hier aus
der
Heiland« (Schmidt). 14
    Allerdings wurde das Christentum von Anfang an mit seiner Übernahme durch die Germanen auch nationalisiert, germanisiert. Und nicht erst in christlichen Epen erschien den Germanen Christus als eine Art Volks- und Gaukönig. Die Franken hielten sich sofort für seine besondere Gefolgschaft, sein bevorzugtes, sein auserwähltes Volk. Die Krieger scharten sich um ihn, wie sie sich um ihre Fürsten scharten. Auch der Heilige wird jetzt als Held Christi und Gottes empfunden, germanisches Gefolgschaftsdenken auch auf seine Beziehung zu Gott übertragen, kurz, die herkömmlichen christlichen Begriffe füllen sich »mit einem ganz neuen Inhalt, dem germanisch-aristokratisch-kriegerischen« (Zwölfer). »Aus der Religion des Duldens und Leidens, der Weltflucht und der Weltverneinung haben die mittelalterlichen Germanen eine Kriegerreligion gemacht, aus dem Schmerzensmann einen germanischen Heerkönig, der mit seinen Recken erobernd durch die Lande zieht und dem man durch Kampf zu dienen hat. Der christliche Germane kämpft für seinen Herrn Christus, wie er für seinen irdischen Gefolgsherrn kämpft; selbst der Mönch in der Zelle fühlt sich als Glied der militia Christi« (Dannenbauer). 15
    Und natürlich verstand es der Klerus, die zum römischen Kreuz bekehrten Germanen noch stolz darauf zu machen. So prahlt man im Prolog zur Lex Salica, dem ältesten fränkischen Stammesrecht:

    Der Franken erlauchtes Volk,
    von Gott selbst geschaffen,
    Tapfer in Waffen,
    Fest im Friedensbunde,
    Tiefdenkend im Rat,
    Körperlich edel,
    Von unversehrter Reinheit,
    Erlesener Gestalt,
    Kühn, rasch und ungestüm,
    Zum katholischen Glauben
    bekehrt,
    Frei von Ketzerei ... 16

    Von Gott selbst geschaffen sind nach christlicher Lehre ja alle Völker – aber hofiert wird stets das am meisten, was man am meisten braucht. So treten hier die Franken an die Stelle des Auserwählten Volkes der Bibel, des Volkes Israel. Und in einem jüngeren Prolog der Lex Salica figuriert auch Christus als der eigentliche Herrscher der gens Francorum. Tritt er »selbst an die Spitze der Franken«. Er liebt die der alten Weltmacht weit Überlegenen, »das auserwählte Volk eines neuen Bundes«. »Sie haben die Römer besiegt und das römische Joch abgeschüttelt.« 17
    Bei den Franken, die erst den Drachentöter St. Georg besonders verehrten, dann den Ex-Haudegen Martin von Tours, spielte die größte Rolle das Heer, und darin das meist in Keilform kämpfende Fußvolk. Reiter waren zunächst selten, Pferde wurden normalerweise als Lasttiere gebraucht (erst 626, unter Chlodwig II., erfolgte die erste fränkische Kavallerieattacke gegen die Sachsen). Den Kern der sehr uneinheitlichen Streithaufen bildeten die zuweilen »robustiores« genannten »Elitekämpfer«. Als Nationalwaffe tat die »Francisca« genannte Wurfaxt, die auch im Nahkampf Verwendung fand, ihr Bestes. Ein bewährtes, oft gebrauchtes Befriedungsinstrument war das fränkische Schwert; die Waffe der Führer: das zweischneidige Langschwert, die Spatha; die Waffe des »gemeinen« Mannes: ein kurzes einschneidiges Hiebschwert, der Scramasax – in späterer karolingischer Zeit vom Norden Europas bis in den Orient verbreitet. Den Dolch stießen diese christlichen Kämpfer am liebsten in die Achselhöhle. Auch Lanze und Wurfspeer scheinen nicht selten gewesen zu sein, wohl aber Pfeil und Bogen. 18
    Erstaunt die Aufzählung des Schlacht- und Totschlagarsenals? Doch beruhen die Grundlagen der christlich-abendländischen »Kultur« nicht darauf? Auf »the most efficient military machine in Europe« (McKitterick)? Oder wie es im Schlußwort eines »Kriegshistorikers« heißt: »Wieviel eindrücklicher und einleuchtender erscheint doch alles, wenn die Geschichtsschreibung den Griff ins Leben

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