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Kriegerin der Nacht

Kriegerin der Nacht

Titel: Kriegerin der Nacht
Autoren: Lisa J. Smith
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K APITEL E INS
     
    In der Shopping Mall war es so friedlich. Nichts wies auf das schreckliche Ereignis hin, das bevorstand.
    Sie sah aus wie jede andere Shopping Mall in North Carolina an einem Sonntagnachmittag im Dezember. Modern. Bunt dekoriert. Voller Kunden, die wussten, dass es nur noch zehn Einkaufstage bis Weihnachten waren. Es war wohlig warm, trotz des frostigen grauen Himmels draußen. Sicher.
    Nicht die Art von Ort, an dem ein Ungeheuer auftauchen würde.
    Kelly ging an einer kleinen Ausstellung - »Santa Claus damals und heute« - vorbei, alle Sinne wach und geschärft. Die Blicke, die sie im Spiegel der Schaufenster auf sich selbst erhaschte, zeigten ihr ein Mädchen im Highschool-Alter in knapp geschnittenem Overall, mit glattem schwarzem Haar, das ihr bis über die Hüften fiel, und kühlen grauen Augen. Aber sie wusste, dass jeder, der sie genau beobachtete, wahrscheinlich etwas anderes sehen würde - eine Art pirschender Anmut in ihrem Gang und ein inneres Leuchten, wenn der Blick der grauen Augen sich auf etwas konzentrierte.
    Raksha Kelly sah nicht ganz menschlich aus. Was kaum überraschend war, denn sie war kein Mensch. Sie war eine Gestaltwandlerin. Und wenn sie auf jemanden den Eindruck eines halb gezähmten Panthers machte, dann lag dieser Jemand damit genau richtig.
    »Okay, an alle.« Kelly berührte die Nadel an ihrem Kragen, dann drückte sie mit einem Finger auf den fast unsichtbaren Empfänger in ihrem Ohr und versuchte, die Weihnachtsmusik auszublenden, die die Shopping Mall erfüllte. »Erstattet Bericht.«
    »Winnie hier.« Die Stimme, die durch den Empfänger kam, war hell, beinahe singend, aber professionell. »Ich bin bei Sears. Habe noch nichts gesehen. Vielleicht ist sie nicht hier.«
    »Vielleicht«, sagte Kelly knapp in die Nadel - bei der es sich um einen extrem teuren Miniatursender handelte. »Aber angeblich liebt sie Shoppingtouren und ihre Eltern meinten, sie sei auf dem Weg in diese Richtung. Es ist die beste Spur, die wir haben. Haltet weiter die Augen offen.«
    »Nissa hier.« Diese Stimme war kühler und weicher, emotionslos. »Ich bin auf dem Parkplatz und fahre am Eingang Bingham Street vorbei. Nichts zu berichten - Moment.« Eine Pause, dann sprach die geisterhafte Stimme erneut, diesmal mit großer Anspannung: »Kelly, wir haben Schwierigkeiten. Gerade ist eine schwarze Limousine vor Brody’s vorgefahren. Sie wissen, dass sie hier ist.«
    Kellys Magen krampfte sich zusammen, aber sie ließ sich nichts anmerken. »Bist du dir sicher, dass sie es sind?«
    »Ich bin mir sicher. Sie steigen aus - zwei Vampire und ... noch etwas anderes. Ein junger Mann, eigentlich noch ein Junge. Vielleicht ein Gestaltwandler. Ich kann es nicht genau sagen; er ähnelt nichts, was ich je zuvor gesehen habe.« Die Stimme klang beunruhigt, und das beunruhigte Kelly. Nissa Johnson war ein Vampir mit einem Gehirn wie eine Bibliothek. Etwas, das sie nicht erkannte?
    »Soll ich parken und zu dir kommen, um dir zu helfen?«, fragte Nissa.
    »Nein«, antwortete Kelly scharf. »Bleib beim Wagen; wir werden ihn für eine schnelle Flucht brauchen. Winnie und ich werden uns darum kümmern. Richtig, Winnie?«
    »Richtig, Boss. Ich werde sogar allein mit ihnen fertig; du kannst in Ruhe zuschauen.«
    »Schau du lieber mal, dass du deine große Klappe in den Griff kriegst«, antwortete Kelly, musste dabei aber gegen ein grimmiges Lächeln auf ihren Lippen ankämpfen. Winnifred Arlin war das genaue Gegenteil von Nissa - eine ziemlich emotionale Hexe. Ihr außergewöhnlicher Sinn für Humor hatte schon so manch schwarzen Augenblick aufgehellt.
    »Ihr beide bleibt wachsam«, sagte Kelly jetzt vollkommen ernst. »Ihr wisst, was auf dem Spiel steht.«
    »Richtig, Boss.« Diesmal klangen beide Stimmen gedämpft.
    Sie wussten es tatsächlich.
    Nämlich die ganze Welt.
    Das Mädchen, nach dem sie suchten, konnte die Welt retten - oder sie zerstören. Nicht dass dieses Mädchen eine Ahnung davon gehabt hätte ... noch nicht. Ihr Name war Iliana Harman und sie war als ein menschliches Kind aufgewachsen. Sie hatte keinen blassen Schimmer davon, dass in ihren Adern Hexenblut floss und dass sie eine der vier Wilden Mächte war. Jene vier Wilden Mächte, denen es bestimmt war, gegen die Zeit der Dunkelheit zu kämpfen, die bevorstand.
    Sie wird ziemlich überrascht sein, wenn wir es ihr sagen, dachte Kelly.
    Das setzte allerdings voraus, dass Kellys Team sie aufspürte, bevor die Bösen es taten. Aber sie

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