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K.O. vor der ersten Runde (German Edition)

K.O. vor der ersten Runde (German Edition)

Titel: K.O. vor der ersten Runde (German Edition)
Autoren: Sissi Kaipurgay
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K.O. vor der ersten Runde 1
     
    Ich steh im 'Goldenen Hirsch' und gucke nichtsahnend umher, als plötzlich ein Kerl in mein Sichtfeld gerät, den ich noch sehr gut kenne: Mein alter Schulfreund Dennis, der sich von mir abgewandt hatte, als ich ihm beichtete, dass ich auf Kerle stehe. Genau dieser Mann kommt auf mich zu und ich...ich gehe in die Knie...
     
    +++++
     
    Im ‚Goldenen Hirsch‘ ist viel los. Ich stehe am hinteren Tresen , wie immer, und beobachte die Platzhirsche, die sich ihre Beute aussuchen und nach hinten abschleppen, um sie dort, im Halbdunkel des Darkrooms, durchzuficken. Mir ist heute nicht danach, denn mein Hintern brennt noch von gestern. Nein, ich habe mich nicht ficken lassen, sondern es mir selbst besorgt. Dabei bin ich wohl etwas in Ekstase geraten und habe zu heftig mit dem Plastikspielzeug herumgefuhrwerkt.
     
    Einen Blowjob, den könnte ich schon vertragen, aber es finden sich nicht viele Kerle, die vor einem Zwerg wie mir auf die Knie gehen würden. Mir ist das eigentlich egal, denn ich möchte schon lange nicht mehr mit irgendwem ficken, sondern nur mit dem Richtigen. Ich bin mir so sicher, dass er irgendwo ist Wir müssen uns nur noch finden.
     
    „Ein Pils“, bestelle ich bei der Tresenschlampe und werfe ihr, nachdem sie eine Flasche vor mir abgestellt hat, ein paar Münzen hin bevor ich nach dem Bier greife.
     
    Langsam trinke ich und schaue mich weiter um. Niemand, der auch nur annähernd nach Mr. Right aussieht, befindet sich hier. Die Typen wirken alle so abgefuckt. Ich will einen normalen Kerl ohne Lack- oder Ledervorliebe. Einen Mann eben, mit dem ich ganz normal leben, lachen und etwas unternehmen kann. Auch im Bett, klar.
     
    Ich stelle die halbvolle Flasche hinter mich und gehe ein wenig tanzen. Nach zehn Minuten gebe ich das jedoch auf, weil ich zu oft angegangen werde. Klar, ich bin mit meiner schmalen Statur und geringen Größe ein Angriffsziel aller Kerle, die auf Twinks stehen. Außerdem verleihen mir meine schwarzen Haare und die Mandelaugen ein exotisches Aussehen, das diesen Sommer wohl Mode zu sein scheint.
     
    Genervt stelle ich mich wieder an den Tresen und greife nach meiner Bierflasche, aus der ich einen kräftigen Zug nehme. Ich habe sie kaum abgesetzt, als eine tiefe Stimme in mein Ohr brummt: „Hallo Kleiner, du siehst echt scharf aus.“
     
    Ich drehe mich um und stehe Goliath gegenüber, einem David Hassel-Dingenskirchen Verschnitt, auf den ich so gar nicht stehe. Er ist der absolute Platzhirsch hier und ich musste ihn schon mehrfach in seine Schranken verweisen. Ich trete einen Schritt zurück und nehme in diesem Moment aus dem Augenwinkel einen Mann wahr, den ich seit bestimmt drei Jahren nicht mehr gesehen habe. Genauso lange ist es her, dass ich mein Abitur gemacht und die Schule verlassen habe. Damals habe ich Dennis von weitem gesehen und einen letzten Blick auf ihn geworfen.
     
    Nun ist er hier und strebt auf mich zu. Ich glotze ihn an und merke, wie meine Beine weich werden. Sehr weich und wacklig. Mir ist schwindelig und Goliath kommt grinsend näher, dann gehen bei mir alle Lampen aus.
     
    „Liam, wach auf“, höre ich eine Stimme nah an meinem Ohr.
    Ich ruckle meine verklebten Lider hoch und entdecke – Dennis, dessen Gesicht über mir schwebt. Mein alter Freund und – nein, wir sind ja keine Freunde mehr. Nicht mehr, seit ich ihm gebeichtet habe, dass ich auf Männer stehe.
    „Hau ab“, murmele ich schwach.
    Mein Kopf dröhnt, als wäre der ganze Musikantenstadl dort drinnen und spielt Blasmusik. Blasen? Moment! Wo bin ich…? Ich schaue mich um, soweit ich das mit meinem schmerzenden Schädel kann, und finde ein fremdes Zimmer. Muss wohl Dennis‘ Schlafzimmer sein. Wie bin ich hierhergekommen? Meine letzte Erinnerung ist der Club und Goliaths fiese Fresse. Hat der mir irgendetwas in mein Getränk getan? Es muss so sein, ich werde nie ohnmächtig und das eine Bier rechtfertigt meinen Kopfschmerz nicht.
    „ Wie bin ich hierher…?“, frage ich heiser.
     
    „Trink das“, sagt Dennis und drückt mir ein Glas in die Hand, bevor er leise seufzt und fortfährt: „Ich habe dich getragen und bin mit einem Taxi hierher. Du warst total besoffen und dann – dann warst du so geil. Wir haben es die ganze Nacht getrieben.“
    „Nein.“ Ich will es brüllen, aber es verkommt zu einem Krächzen.
    Mittlerweile sitze ich aufrecht und schlucke schnell das prickelnde Gift, das mir Dennis gegeben hat.
     
    „Niemals“, sage ich mit

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