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Klonk!

Klonk!

Titel: Klonk!
Autoren: Terry Pratchett
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K lonk!
    So klang es, als die schwere Keule den Kopf traf. Der Körper zuckte und sackte in sich zusammen.
    Und es war vollbracht, ungehört, ungesehen: das perfekte Ende, eine perfekte Lösung, eine perfekte Geschichte.
    Aber, wie die Zwerge sagen: Wo es Ärger gibt, findet man immer einen Troll.
    Der Troll sah.
     

     
    E s war ein perfekter Morgen. Er wusste, dass es bald ein ganz und gar nicht perfekter Tag werden würde, aber für ein paar kurze Minuten konnte er sich etwas anderes vormachen.
    Sam Mumm rasierte sich. Es war sein täglicher Akt des Trotzes, eine Bestätigung dafür, dass er der… nun ja, eben der einfache Sam Mumm war.
    Zugegeben, er rasierte sich in einer Villa, und während er sich rasierte, las ihm sein Butler aus der
Times
vor, aber das waren nur die… Umstände. Der Mann, der ihn aus dem Spiegel ansah, blieb Sam Mumm. Es wäre ein wirklich schlechter Morgen, wenn er dort den Herzog von Ankh sähe. »Herzog« war nur eine Tätigkeitsbeschreibung.
    »Die meisten Nachrichten betreffen die gegenwärtige… Zwergensituation, Herr«, sagte Willikins, als Mumm die schwierige Stelle unter der Nase in Angriff nahm. Er benutzte noch immer das offene Rasiermesser seines Großvaters. Auch das diente ihm als Realitätsanker. Außerdem war der Stahl viel besser als der, den man heutzutage bekam. Sybil, die sich durch eine seltsame Begeisterung für moderne technische Spielereien auszeichnete, schlug ihm immer wieder vor, sich einen dieser neuen Rasierapparate anzuschaffen, mit einem kleinen magischen Kobold drin, der mit einer Schere ganz schnell schnitt. Aber davon wollte Mumm nichts wissen. Niemand außer ihm selbst durfte eine scharfe Klinge auch nur in die Nähe seines Gesichts bringen.
    »Koomtal, Koomtal«, brummte er sein Spiegelbild an. »Gibt es nichts
Neues

    »Nicht in dem Sinne, Herr«, sagte Willikins und blätterte zur ersten Seite zurück. »Es wird über die Rede von Grag Schinkenbrecher berichtet. Anschließend kam es zu Unruhen, heißt es. Mehrere Zwerge und Trolle wurden verletzt. Führende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens haben zu Ruhe aufgefordert.«
    Mumm schüttelte den Seifenschaum vom Rasiermesser. »Ha! Na klar haben sie das. Sag mir, Willikins: Warst du als Junge an vielen Raufereien beteiligt? Warst du Mitglied bei einer Bande oder so was?«
    »Ich hatte die Ehre, zu den Unverschämten Jungs der Betrug-und-Schwindel-Straße zu gehören, Herr«, antwortete der Butler.
    »Im Ernst?«, erwiderte Mumm beeindruckt. »Das waren ziemlich harte Kerle, wenn ich mich recht entsinne.«
    »Danke, Herr«, sagte Willikins sanft. »Ich kann voller Stolz darauf hinweisen, dass ich mehr ausgeteilt als eingesteckt habe, wenn es nötig wurde, mit den jungen Männern von der Seilstraße die Frage umstrittener Revierbereiche zu diskutieren. Stauerhaken waren ihre Lieblingswaffen, soweit ich weiß.«
    »Und deine?«, fragte Mumm gespannt.
    »Eine Mützenkrempe mit scharf geschliffenen Münzen, Herr. Eine gute Hilfe, wenn es brenzlig wird.«
    »Bei den Göttern, Mann! Mit so einem Ding zu hantieren kann schnell ins Auge gehen.«
    »Wenn man es geschickt anstellt, ja«, sagte Willikins und faltete sorgfältig ein Handtuch zusammen.
    Und hier stehst du jetzt, in deiner Nadelstreifenhose und der Butlerjacke, glänzend wie Schmalz und fett wie Butter, dachte Mumm, während er unter seinen Ohren alles in Ordnung brachte. Und ich bin Herzog. Das Leben ist voller Überraschungen.
    »Und hast du
jemals
gehört, wie jemand zu Unruhe aufgefordert hat?«, fragte er.
    »Nie, Herr.«
    »Ich auch nicht. So was passiert nur in Zeitungen.« Mumm blickte auf den Verband an seinem Arm. Es war ziemlich unruhig gewesen.
    »Steht in dem Artikel, dass ich persönlich eingegriffen habe?«, fragte er.
    »Nein, Herr. Aber hier steht, dass rivalisierende Gruppen in den Straßen durch die wackeren Bemühungen der Wache auseinander gehalten wurden.«
    »Haben sie wirklich das Wort ›wacker‹ benutzt?«, fragte Mumm.
    »Das haben sie tatsächlich, Herr.«
    »Gut«, brummte Mumm mit widerstrebender Zufriedenheit. »Wird auch erwähnt, dass zwei Wächter zum Gratishospital gebracht werden mussten und einer von ihnen recht schwer verletzt war?«
    »Unerklärlicherweise nicht, Herr«, sagte der Butler.
    »Hm. Typisch. Wie dem auch sei… Lies weiter.«
    Willikins hüstelte höflich. »Vielleicht möchtest du das Rasiermesser senken, bevor du die nächste Nachricht hörst, Herr. Der kleine Schnitt letzte Woche hat

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