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Kleine Fische zählen nicht

Kleine Fische zählen nicht

Titel: Kleine Fische zählen nicht
Autoren: A. A. Fair
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1

    Der Mann, den Elsie Brand in mein Arbeitszimmer führte, war seinem Auftreten nach ein arroganter Typ.
    »Das ist Mr. Donald Lam«, sagte Elsie zu ihm, und mir stellte sie vor: »Mr. Jarvis C. Archer.«
    Er drückte mir überschwenglich die Hand. Ich hatte den Verdacht, er wollte mir mit den paar Unzen zusätzlichem Druck andeuten, daß er mit seinem alles überragenden Verstand die Sachlage abgeschätzt, seine Entscheidung getroffen hatte, und daß er nun bereit war zu handeln.
    Er war etwa Ende der Dreißig, hatte stählerne graue Augen, dunkles Haar, eine hohe Stirn, breite Schultern und einen Bauchansatz.
    »Mr. Lam«, begann er, »ich habe viel über Sie und Ihre Detektei gehört.«
    Ich nickte fast unmerklich.
    »Eine äußerst delikate Angelegenheit macht mir zu schaffen«, fuhr er fort, »und ich benötige die Dienste einer Detektei, der ein Mann und auch eine Frau verantwortlich angehören. Deshalb habe ich mich entschlossen, Sie zu beauftragen.«
    »Verstehe«, sagte ich unverbindlich.
    »Ich möchte keinen Namen nennen, aber ich habe mit einem Geschäftsfreund gesprochen, für den Sie bereits gearbeitet haben. Er hat sich lobend über Sie geäußert. Über Ihre Partnerin Bertha Cool bin ich weniger gut informiert. Können Sie mir über Mrs. Cool etwas sagen?«
    »Nein.«
    »Wie bitte?« fragte er erstaunt.
    Ich lächelte und sagte: »Worte werden Bertha Cool nicht gerecht. Sie müssen sie kennenlernen, um sie richtig zu beurteilen. Soll ich Sie mit ihr bekannt machen?«
    »Nicht, bevor ich nicht noch einige Punkte mit Ihnen besprochen habe. Ich vermute, daß Bertha Cool ebenfalls tüchtig ist?«
    »Sehr tüchtig sogar.«
    »Für eine Frau ist das ein seltsamer Beruf. Ist Mrs. Cool körperlichen Gefahren überhaupt gewachsen?«
    »Mrs. Cool«, sagte ich, »ist jeder Situation gewachsen.«
    Archer musterte mich nachdenklich. »Hm. Verstehe.«
    »Wozu müssen Sie ein Team haben, das aus einer Frau und einem Mann besteht?« fragte ich.
    »Ich möchte eine Leibwache für eine junge Frau engagieren. Die Bewachung muß lückenlos, also Tag und Nacht erfolgen, und es wäre natürlich nicht zu vertreten, daß ein Mann die Nachtschicht übernimmt. Andererseits ist für die Bewachung am Tage unbedingt ein Mann erforderlich.«
    Wieder beäugte mich Archer abschätzend.
    »Wie reagieren Sie auf Gewaltanwendung, Mr. Lam?« erkundigte er sich.
    »Ich versuche zunächst, ihr aus dem Weg zu gehen.«
    »Sie haben kaum die Statur, die man bei einem Detektiv erwartet.«
    »Stimmt haargenau«, antwortete ich müde. »Und da Sie für die junge Frau, die Sie erwähnten, offenbar so etwas wie einen Preisboxer suchen, sollten Sie sich besser an ein anderes Unternehmen wenden.«
    »Moment mal, nicht so hastig«, fuhr er mir in die Parade. »Das habe ich nicht behauptet, und ich möchte nicht, daß Sie mir Worte in den Mund legen. Die Situation, um die es hier geht, ist sehr merkwürdig; sie ist in der Tat einmalig und möglicherweise nicht ganz ungefährlich. Ich habe aber gehört, daß Sie Gefahren äußerst kaltblütig hinnehmen. Nach meinen Informationen sind Sie ein heller Kopf, der aus jeder Klemme einen Ausweg findet.«
    »Sie sollten von dem, was Sie gehört haben, nur die Hälfte glauben«, entgegnete ich. »Falls Sie die Sache mit Mrs. Cool besprechen wollen? Sie hat eine Verabredung und geht in ein paar Minuten.«
    »Schön. Dann werde ich alles Weitere mit Ihnen beiden besprechen.«
    Ich ließ mich mit Bertha verbinden.
    »Was ist nun schon wieder los?« fragte Bertha borstig, als sie meine Stimme erkannt hatte.
    »Ein Mr. Jarvis C. Archer ist bei mir«, sagte ich. »Er möchte uns quasi als Leibwache anheuern, und zwar in Tag- und Nachtschicht. Dich für die Nacht, mich bei Tage.«
    »Der Kerl ist wohl nicht bei Trost! Ein Zwölfstundentag? Wofür hält der sich eigentlich? Sag ihm, er soll sich zum Teufel scheren.«
    »Mr. Archer kam zu uns, weil es sich bei der Person, die beschützt werden soll, um eine junge Frau handelt, und er hierfür die Dienste eines Detektivs und einer Detektivin benötigt.«
    »Und weil mir Ihre Detektei wärmstens empfohlen wurde«, fügte Archer so laut hinzu, daß es Bertha ebenfalls hören konnte.
    »Warte mal«, sagte Bertha. »Hast du mit dem Burschen schon über das Honorar gesprochen?«
    »Nein.«
    »Dann laß ja die Finger davon«, fauchte Bertha. »Dir braucht bloß einer was vorzujammern, und schon wirst du weich. Bring ihn her, damit ich ihn mir vorknöpfen kann.«
    »Du

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