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[kinder] Allein unter Superhelden

[kinder] Allein unter Superhelden

Titel: [kinder] Allein unter Superhelden
Autoren: Heiko Wolz
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festgestellt habe! –, bleibt mir nichts anderes übrig, als Paul zu glauben.
    Papa setzt in einem verwilderten Waldstück abseits der Schule auf. Kurz nach uns landen Mama und Laura.
    »Ist das nicht herrlich?«, fragt Mama.
    Laura schaut auf das verdorrte Gestrüpp um uns herum und wirft mir einen bösen Blick zu. Als ob ich etwas dafürkönnte, dass Mama und Papa sie dabeihaben wollen. Wenn es nach mir ginge, wären wir gar nicht hier.
    »Los«, sagt Papa und schneidet eine Lücke in die Hecke. Mit Laser. Wäre auch zu viel verlangt, ein einziges Mal einen normalen Weg zu nehmen.
    Vor der Schule steht Familie Nachtfalter unter einer Straßenlaterne und schaut sehnsüchtig zur nicht eingeschalteten Lampe hinauf. Herr und Frau Chamäleon streiten mit The Rock , dem Mann aus Stein, weil er ihre Tochter übersehen und sich auf sie gesetzt hat. Ständig dröhnt von irgendwoher Fanfarenmusik, wenn jemand neu eintrifft und sich in Pose wirft, und bei all dem Wind, der die Capes aufbauscht, erwische ich mit Sicherheit eine Sommergrippe.
    Papa, Mama und Laura laufen vor. Ich komme kaum nach und als ich mich kurz umschaue, sind sie in der Menge verschwunden.
    Toll. Ist ja nicht so, dass wir wegen mir hergekommen sind.
    Allerdings habe ich nichts dagegen, wenn wir den Schulleiter verpassen. Dann können wir nach Hause gehen und die Sache ist vergessen. Fall erledigt. Im Garten begraben. Oder in dem, was nach Papas Radfahrt davon übrig ist.
    Plopp!
    »Mann, Leon. Wo bleibst du denn? Komm schon.«
    Laura grinst.
    Oh, nein.
    Bevor ich noch Lass-das-ich-will-das-nicht-auf-keinen-Fall-werde-ich-mit-dir- ... rufen kann, schnappt sie meine Hand.
    Um mich herum wird es schwarz.
    Plopp!
    »Geht es dir gut, Leon?«
    Normalerweise interessiert sich Laura für meine Gesundheit ungefähr so sehr wie für die Sammlerpreise alter Comics. Aber jetzt will sie, dass ich antworte. Sie weiß, dass ich das nicht kann, wenn sie mit mir gesprungen ist.
    Ihr Gesicht dreht sich im Kreis. Mein Mund zieht sich zusammen. Schmeckt, als hätte ich gerade einen Liter schlecht gewordenen Apfelsaft auf ex runtergekippt.
    »MUSST DU WIEDER EINMAL BRECHEN, HASI?!«

    Wieso spuckt Mama nicht auf ihr Taschentuch und wischt mir damit durchs Gesicht? Oder drückt mir vor unseren Nachbarn ein Küsschen links und rechts auf? Sie könnte auch heulend vor der Schule stehen und jammern, wie groß ich geworden bin. Aber sie muss Laura schicken, um mich zu holen. Obwohl sie weiß, dass mir von Lauras Art der Fortbewegung tausendmal übler wird als auf Papa Rays Rücken. Und dann muss sie mich vor der größten Superhelden-Versammlungaller Zeiten fragen, ob ich brechen muss!?!
    Wieder einmal!
    HASI!
    Paul wäre sehr zufrieden mit ihr.
    Aber ich bin nicht ganz so glücklich, dass mich alle anstarren, während ich versuche, nicht zu kotzen.
    »Gehen wir endlich rein?« Papa tippelt von einem Fuß auf den anderen. Er kann es nicht ausstehen, Letzter zu sein.
    »Wenn du nicht laufen magst ...« Lauras Zeigefinger nähert sich bedrohlich meiner Hand.
    Bloß nicht!
    Mein Magen würde mein Frühstück am liebsten immer noch an die frische Luft befördern, aber ich stolpere tapfer voraus.
    Die Aula ist beinahe voll. Papa schiebt sich nach vorn und findet vier freie Plätze in der ersten Reihe.
    Ein kleiner Mann betritt die Bühne. Er hat Ähnlichkeit mit Paul, weil er auch eine Brille trägt, allerdings dreht er sich in die richtige Richtung, als er zu sprechen anfängt.
    »Willkommen, Superhelden!« Der Mann schaut sich lange um. Er reibt sich die Hände und fährt fort: »Wieso sind Sie hier? Weil Sie außergewöhnlich sind. Unglaublich. Besonders. Und trotzdem schicken Sie Ihre Kinder in normaleSchulen. Dort lernen sie lesen, rechnen und schreiben. Sie malen mit Buntstiften, sie häkeln Topflappen, sie trocknen Blumen und Unkraut und kleben sie in ein Heft. Und wozu? Mit einem Topflappen in der Hand überlebt niemand den Kampf gegen einen Superschurken. Oder lässt sich der Killerkrake davon überzeugen, die Stadt nicht andauernd anzugreifen, nur weil man ihm einen platt gedrückten Löwenzahn zeigt?« Er breitet die Arme aus. »Meine Damen und Herren. Genau wie Sie, sind Ihre Kinder außergewöhnlich, unglaublich und besonders. Und deshalb sollten sie eine Schule besuchen, die außergewöhnlich ist. Unglaublich. Besonders. Meine Schule!«
    Es bleibt still.
    Papa räuspert sich und steht auf. »Das klingt schön und gut. Aber um ehrlich zu sein und ohne Ihnen zu nahe treten

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