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Kein bisschen Liebe

Kein bisschen Liebe

Titel: Kein bisschen Liebe
Autoren: Pedro Juan Gutiérrez
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noch mal fünf.« Er hat seine Sache prima gemacht, und hier ist die Perle. Eigentlich handelt es sich um eine kleine Kugel aus rostfreiem Stahl mit vier Millimetern Durchmesser. Ich brauche nur die Eichel einzuführen und zu ertasten, wo sich die Perle an der Klitoris reibt. Das ist alles. Sie bekommen einen Orgasmus nach dem anderen, werden süchtig nach der Perle und verfolgen mich. Sie wollen ihre tägliche Dosis, und ich weiß nicht, wo ich mich verstecken soll. So ist es. Manchmal schreitet das Leben sprunghaft voran. Mit Flüssen und Rückflüssen. Nicht immer. Nur manchmal.
    Nun muss ich vorsichtig sein. Ein Tiger muss seine Beute sorgsam wählen. Ich beachte die Kleine aus dem Osten nicht weiter und widme mich wieder unserem ›Billard bizarr‹ Ich konzentriere mich. Mit Mühe vermeide ich es, das Mädchen weiter anzusehen. Es gibt Tausende wie sie. Ich spiele Karambolagen. Ich erziele zwei weitere Punkte. Es bleiben noch drei Kugeln. Der andere stößt – daneben. Ich stoße und treffe erneut. Es sind noch zwei Kugeln. Fünf Stöße, und die beiden Kugeln sind versenkt. Der Typ zahlt mir ein Bier und geht. Die Provinzler sind auch schon weg. Ich setze mich mit dem Bier hin. Es läuft unerträgliche Musik. Ich lasse das halbvolle Glas stehen und gehe. Eigentlich mag ich sowieso kein Bier. Ich trinke immer Rum. Es ist eine halbe Stunde vor Mitternacht. Gegenüber ist eine Disko, randvoll mit jungen Leuten. Ein Stück weiter steht eine Imbissbude, wo Brathähnchen und Getränke verkauft werden. Dort arbeitet Lena. Jeden zweiten Tag. Wir haben uns ein paar Mal unterhalten. Sie hat grüne Augen. Oder blaue. Zwei Kinder. Sie ist vierzig. Sie war mal Krankenschwester und ist ein fröhlicher Mensch, bis zu einem gewissen Punkt. Sie hat die Kunden gut im Griff. Hält sie auf Distanz. Vor allem, weil sie hinterm Tresen steht. Zu mir war sie ganz entgegenkommend. Sie hat mich zwei, drei Mal angelächelt, und wir haben uns unterhalten. Sie gefällt mir. Wenn ich nicht verliebt bin, gefallen mir fast alle Frauen. Sie hören erst auf, mir zu gefallen, wenn ich meinen Geist und meine Energie auf eine Einzige konzentriere. Manchmal kommt das vor. Für eine Zeit lang. Dann fange ich wieder bei null an. Es ist tragisch und ermüdend. Ich gehe zu der Imbissbude. Ich frage eine Frau, die dort arbeitet, nach Lena.
    »Die ist heute Abend nicht da. Sie kommt morgen früh um sieben.«
    »Danke.«
    Ich spaziere weiter. Junge Leute. Hitze und Feuchtigkeit, Fliegen und ein Geruch nach Verwesung. Wenn es so heiß ist, hänge ich nur rum. Manchmal würde ich am liebsten jeden Sommer zurück nach Schweden gehen. Trotz der Langeweile und der eintönigen Landschaft und der wohlabgewogenen Unfreundlichkeit, mit der sie einem das Visum erteilen. Der bloße Gedanke daran schnürt mir die Luft ab. Ich schlendere bis ans Meeresufer. Gehe den Strand entlang, atme tief durch. Ich schließe die Augen und fülle meine Lungen.
    So bleibe ich einige Minuten ruhig stehen. Ich höre das sanfte Murmeln des Meeres und spüre, wie allmählich Gelassenheit an Stelle der Beklemmung tritt. Dann höre ich, wie eine Tür zugeschlagen wird, Frauenstimmen. Ein Streit.
    Ich sehe mich um, und da stehen die Lesben. Fünfzig Meter vom Strand entfernt haben sie ein kleines Haus, neben einer verfallenen Cafeteria, die vor Jahren dichtgemacht wurde. Auf der anderen Seite des Hauses haben sie ein von Unkraut bewachsenes Stückchen Land und eine Kokospalme. Unter der Palme parken sie ihren alten Chevy, Baujahr ‘55. Ein Wrack. Sie haben ihm einen Dieselmotor aus einem russischen Traktor eingebaut. Früher war er mal grün und weiß. Sie sind eine ziemlich lustige Lesbentruppe. Alle sehr männlich. Ich kapiere nicht, wie sie im Bett klarkommen. Manchmal reden wir über alte Autos und Reparaturen. Jetzt kommt ein ganzer Schwung von ihnen heraus. Sie sind zu fünft. Aufgekratzt. Beschwingt. Sie stehen auf Gras und Alkohol.
    Sicher gehen sie sich irgendwo in der Nähe amüsieren. Sie stören die Ruhe des Chevy nicht.
    Ich schließe wieder die Augen und atme weiter. Mir scheint, dass ich jetzt gelassen genug bin, und ich gehe schlafen. Mitternacht. Ein Uhr morgens. Weiß nicht. Ich habe mir ein Haus hinter dem der Lesben gemietet. Ich schalte das Licht aus. Lege mich hin. Selbst die Matratze und die Laken sind heiß. Wieder bekomme ich nicht genug Luft. Ein Flugzeug fliegt über das Dorf hinweg. Ich höre das gedämpfte Dröhnen der Turbinen. Das Flugzeug setzt zur

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