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Karlo geht von Bord - Kriminalroman

Karlo geht von Bord - Kriminalroman

Titel: Karlo geht von Bord - Kriminalroman
Autoren: Verlag Vogelfrei
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Donnerstag, 25. August
Hofbieber, Rhön
1
    Die Sonne verschwand schon beinahe hinter den Dächern Hofbiebers. Das rotgoldene Licht flutete weich vom tiefblauen Rhöner Himmel. Paul Perlig kniff blinzelnd die Augen zusammen und genoss das Schauspiel der Farben. Nach einer Weile stieß er einen zufriedenen Seufzer aus, drehte sich um und lief zum Briefkasten am Anfang der Einfahrt zu seinem Elternhaus. Er öffnete ihn und ein großer grüner Umschlag fiel ihm entgegen. Paul runzelte die Stirn, als er den Absender las. Was wollte die Agentur für Marketing und Kommunikation von ihm? Der magere Mann lief grübelnd in die Küche, setzte sich an den Küchentisch und riss den Umschlag auf. Als er das Anschreiben auseinandergefaltet und die Überschrift
„Gratulation. Sie haben gewonnen!“
gelesen hatte, glaubte er an eine jener unseriösen Gewinnbenachrichtigungen und wollte den Brief wegwerfen. Doch dann kam die Erinnerung wieder und er las neugierig weiter:
… beglückwünschen wir Sie zum 2. Preis: Ein Krimi-Dinner für Sie und drei weitere Personen auf einem Schiff der Frankfurter Secundus-Linie. Abfahrt Anlegestelle am Eisernen Steg in Frankfurt …
    Pauls Gedanken wanderten etliche Wochen zurück und die Erinnerung wurde deutlicher. Er hatte damals in Frankfurt zu tun. Es ging um eine Liegenschaft in der Frankfurter Innenstadt, die von dem Fuldaer Immobilienbüro betreut wurde, bei dem er angestellt war. Der Termin war schnell erledigt und so hatte er noch Zeit gefunden, sich einen kleinen Stadtbummel zu gönnen. Zum Schluss war er in einer großen Buchhandlung gestrandet und hatte dort, ganz gegen seine Gewohnheit, eine Gewinnspielkarte ausgefüllt. Der erste Preis verhieß dem Gewinner ein kleines Auto. Das Wägelchen hatte offensichtlich jemand anderes gewonnen, schade. Da ließ eine plötzliche Eingebung Pauls Herz schneller schlagen: Er würde Sina fragen, ob er sie einladen dürfe. Seufzend strich sich Paul durch seine allmählich schütter werdenden, mittellangen Haare und überlegte aufgeregt, wie er es am besten anstellen sollte.
    Paul war schon lange Zeit rettungslos in seine Nachbarin verliebt. Sina Mehler allerdings ignorierte das mit überaus freundlichem Desinteresse. Möglicherweise bemerkte sie es auch gar nicht. Da gingen die Meinungen im Kreis der engeren Freunde auseinander. Es hatte sich bislang noch niemand getraut, Sina darauf anzusprechen. Doch jeder – außer vielleicht Sina selbst – wusste um Pauls Befindlichkeit in dieser komplizierten Herzenssache. Auch die sprichwörtliche Schüchternheit des begeisterten Hobbykochs, was das andere Geschlecht betraf, hatte sich herumgesprochen. Ganz sicher aber war: Die beiden verband eine gute Freundschaft. Was Pauls Liebeskummer keineswegs erträglicher gestaltete. Ganz im Gegenteil. Vielleicht war es auch gar nicht seine Schüchternheit, sondern in erster Linie die Angst, dass Sina ihm ganz entglitt, wenn er ihr seine geheimsten Träume offenbarte.
    Es gab andere Damen, die durchaus nicht abgeneigt waren, mit Paul mehr als nur eine Freundschaft zu teilen. Doch sie hatten nach Lage der Dinge keine Chance gegen seine hübsche Nachbarin.
    Lieber eine Frau lieben, die man nicht hat, als eine Frau haben, die man nicht liebt.
    Oder so ähnlich.
    –
    Gegen achtzehn Uhr war Sina Mehler mit dem Teig für die Kartoffelpuffer fertig. Sie hatte es gemacht, wie es ihr Paul gezeigt hatte: mit allerfeinst gehackten Zwiebelchen, einem Eigelb, einer ordentlichen Portion kleingeschnittener Petersilie, Salz und, ganz wichtig, etwas mehr als nur einem Hauch Muskatnuss. Er hatte sie mit einiger Mühe davon überzeugt, dass die Kartoffeln von Hand gerieben gehörten. Diese Überzeugung teilte die pragmatisch veranlagte Sina nicht unbedingt und viel lieber hätte sie sich ihrer Küchenmaschine bedient. Aber sie tat es nicht, eben weil Paul das so empfohlen hatte. Selbst wenn er jetzt nicht dabei war. Außerdem hatte die Handarbeit auch etwas Gutes: Sie bereitete zwar mehr Arbeit und sie hatte sich schon mehr als einmal die Finger blutig geschabt, die Reibe war jedoch einfacher und schneller wieder gereinigt als der elektrische Küchenhelfer.
    Das Öl in der Pfanne war nun heiß genug. Sina griff sich die Schüssel mit dem Kartoffelteig und wandte sich dem Herd zu. Ein undefinierbares Etwas huschte ihr zwischen die Füße, krallte sich an einem Knöchel fest und ließ sie beinahe stolpern. Im letzten Moment fing sie sich, stellte die Schüssel neben dem Herd ab und fing

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