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Karibik Träume... und zwei Leichen

Karibik Träume... und zwei Leichen

Titel: Karibik Träume... und zwei Leichen
Autoren: Jean Terbrack
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Prolog
    Prolog
     
     
    Hallo! Bis vor ein paar Monaten war ich arbeitslos und ich habe eine Frau verprügelt. Nun, für das erste konnte ich nichts: gegen eine „betriebsbedingte Kündigung“ kann man nicht viel machen. Gerade noch über die Abfindungen verhandeln. Was das andere angeht, kann ich Ihnen versichern, dass ich kein Schläger bin. In meinem bisherigen Leben habe ich mich nicht einmal geprügelt. Geschweige denn jemanden „verprügelt“. Aber was würden Sie denn machen, wenn Sie einer Furie gegenüberstehen, die mit einer Schnapsflasche auf Sie los geht?
    Also, genau genommen habe ich ihr auch nur eine gelangt. In Notwehr, oder nicht? . Besoffen wie sie war, hat das schon gereicht. Sie fiel hin und kam nicht mehr hoch.
     
      Ich heiße Larsen. Martin. Kumpel nennen mich „Wolf“. Ein Spitzname, den ich seit meiner Schulzeit nicht mehr loswerde. Das war die Zeit, als Raimund Harmsdorf im Fernsehen Kartoffeln zerquetschte. Nicht, dass ich im Alter von 13 Jahren schon einen Bart hatte oder geraucht habe oder muskelbepackt war. Mein Name und die Versuche es dem „Seewolf“ nachzumachen reichten schon aus. Hinter den Trick, die Kartoffeln vorher zu kochen, kamen wir erst später.
      Ich bin Ende dreißig, circa eins-fünfundachzig und wiege neunzig Kilo, wenn es meine Waage gut mit mir meint. Bis vor einem halben Jahr waren es noch zweiundachtzig. Aber da war ich noch auf Baustellen aktiv. Jeden Tag zig-Mal auf die verschiedenen Arbeitsbühnen und wieder herunter hält schlank.
    Meine Haare trage ich kurz. Sie haben diese undefinierte Farbe zwischen blond, braun und erstem grau. Meine Augen sind grün, grau, blau, gelb, braun. Je nachdem, wie das Licht gerade darauf scheint. Das Erbe meiner Vorfahren aus ganz Europa.
      Ich bin Techniker. Die Maschinen, die ich aufgebaut habe, sind auf der ganzen Welt verteilt. Dann brach der Markt zusammen und mit ihm mein Arbeitsplatz. Nicht ganz einfach etwas Neues zu finden. Darum habe ich zwischen Arbeitsamt, Bewerbungen schreiben, Vorstellungsgesprächen und Anwaltsterminen viel Zeit.
      Ich wohne in Essen-Dellwig auf 35 Quadratmetern. Dellwig gehört zu „Groß-Borbeck“ im Nord-Westen von Essen und kam erst 1917 oder so zu der großen Stadt. Die Borbecker sagen noch heute, ohne sich etwas dabei zu denken: „Ich fahre in die Stadt“ oder “Ich fahre nach Essen“, wenn sie in die City wollen. Hier bin ich zwischen Köln-Mindener-Eisenbahn und Rot-Weiss-Stadion groß geworden und nach einem Intermezzo in Oberhausen wieder hierher gezogen. Das Intermezzo war eine siebenjährige Ehe, während der meine Ex und ich im Haus meiner Schwiegereltern eine Wohnung hatten. Liebe, nette Leute (die Schwiegereltern, nicht meine Ex). Trotzdem würde ich keinem empfehlen mit den Alten unter demselben Dach zu leben. Na ja, muss ja jeder selber wissen. Was mir nach der Trennung geblieben ist, ist der Zweitwagen, meine Maschine, eine Gibson-Les-Paul -Gitarre und meine Platten- und Comicsammlung. Arbeitslos, getrennt; das war der Super-GAU. Naja: eigentlich konnte es nur aufwärts gehen.

Kapitel 1
    1
     
     
     
     
    In diesem Jahr war der Sommer tierisch heiß. Wie so oft war ich an der Ruhr zum Sonnen. Ich habe eine spezielle Stelle westlich der Aakerfährbrücke in Duisburg, nahe dem ehemaligen Kanuklub. Zwischen der Straße und dem Fluss liegt ein breiter Streifen Wiese. Er zieht sich von der Brücke bis zur Schleuse. Manchmal kommen die Schäfer und verjagen einen. Dann fährt man ein paar Hundert Meter weiter und hat wieder seine Ruhe. Fast eine Kulisse aus einem „Schimanski“-Film. Vor einem Binnenschiffe, die langsam auf die Schleuse zufahren oder sich, von der Schleuse kommend, hier einen Anlegeplatz suchen. Gelegentlich ein Motorboot oder ein Kanu oder Kajak. Dahinter, etwas weiter weg auf der Schrottinsel, stehen die Kräne. Stahlkolosse, die wie grasende Dinosaurier wirken. Langsam heben und senken sich die Stahlschnauzen und drehen ihre Körper. Manchmal steigt von Ihnen schwarzer Qualm auf. Die Drachenillusion ist perfekt.
      Westlich, hinter dem Wehr mit der Schleuse verläuft die Stadtautobahn, die „Nord-Süd-Achse“. Offiziell die A59. Das Brummen von dort hört man nur, wenn der Wind von dort kommt. Die Hummeln und Grillen hier auf der Wiese sind lauter. Jetzt, mitten in der Woche und vormittags auch keine Motorräder, die auf der Straße hinter mir langheizen, um zum Treff am Kaiserberg zu kommen.
      Ich sah auf die Uhr. Kurz nach zehn und

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